Lore Bisch mit dem Zeitungsartikel aus dem "Miami Herald" von 2003. Foto: Zoller

Lore Bisch lebt seit sechs Jahrzehnten in Florida, kommt aber immer wieder zurück in die Heimat, um Familienfeste zu feiern und den Schwarzwald zu genießen.

Bad Herrenalb - Zur Hochzeit der Nichte kam die Tante aus Amerika und weil sie den Schwarzwald liebt, gab es Tagestouren nach Bad Wildbad und Ausflüge nach Bad Herrenalb. "Wir waren im Kurhaus und haben dort tolle Torten gegessen", schwärmt Bisch, die es nach der Schule in die weite Welt hinausgezogen hat, um schließlich auf einem anderen Kontinent Karriere zu machen.

 

Stolz präsentiert sie ihren Zeitungsbericht aus den USA. "Hier steht alles drin über mein Geschäft in Miami", so der Tenor der Geschäftsfrau, die 1961 mit einem Koffer und einer Tasche in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten reiste. 40 Jahre später widmete der "Miami Herald" der "resoluten Blondine" als überregionale Tageszeitung einen großen Bericht zum 40-jährigen Geschäftsjubiläum ihres außergewöhnlichen und gut florierenden Frisiersalons, den sie nach 55 Jahren als Unternehmerin "verschenkt hat, um nun mein Leben zu leben".

Mit Chauffeur vorgefahren

Handwerk hat goldenen Boden – das Sprichwort, das aus dem Mittelalter stammt, hat bis heute nichts an Aktualität verloren, denn Bisch ist der beste Beweis, dass sich im Handwerk gutes Geld verdienen lässt.

Mittlerweile ist Bisch im sogenannten Un-Ruhestand und hat in den vergangenen Tagen ihren 81. Geburtstag gemeinsam mit der Familie in Deutschland gefeiert. Auf ihren Frisier- und Beauty-Salon angesprochen, bestätigt die agile Geschäftsfrau, dass der US-amerikanische Baseballspieler "Joe" DiMaggio (1914-1999), in Deutschland besser bekannt als Ehemann von Marilyn Monroe, ein regelmäßiger Kunde war und stets in seiner Limousine mit Chauffeur im eleganten North Bay Village vorfuhr.

North Bay Village, das aus zwei Inseln in der Biscayne Bay besteht und sich zwischen Miami und Miami Beach befindet, ist bekannt für seine Restaurants und Nachtclubs, die in den frühen 1960er-Jahren Berühmtheiten wie Frank Sinatra und Judy Garland anzogen. 1963 ließ sich dort auch Lore Bisch nieder und machte mit "Lore’s Salon" einen Namen.

Professionelle Nagelpflege

Angeboten wurde nicht nur Haarschnitte für Männer und Frauen, sondern zudem Maniküre und Pediküre mit professioneller Nagelpflege. Über die Gäste berichtet der Miami Herald: "Neben Filmstar Hedy Lamar, die in den späteren Tagen ihres Lebens in North Bay Village lebte, zählten die Bee Gees ebenfalls zu den Kunden. Der Komiker Buddy Hackett kam zum Friseur, ebenso wie der ehemalige Besitzer der New York Yankees, Dan Topping, Paul Marriott von der Hotelkette, der Golfchampion Ray Floyd, der Schauspieler Burt Reynolds und Santo Trafficante, ein angeblicher Mafioso." Doch damit war für Bisch die Woche noch lange nicht ausgelastet.

"Ich hatte im Geschäft sieben Mitarbeiter und täglich war bis spät in die Nacht geöffnet. Sonntags bin ich mit dem Fahrrad in den damals noblen Palm Bay Club gefahren, um anderen Millionärskunden wie Otto Beisheim, dem Gründer der Metro, und seiner Frau Haarschnitte und Pediküren zu geben."

Stellenanzeige entdeckt

1941 in Spremberg in der Niederlausitz geboren, floh Lores Mutter Lucy mit ihren vier Kindern nach Kriegsende nach Niedersachsen, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Der Vater Michael galt als gefallen, kehrte aber nach 13 Jahren Kriegsgefangenschaft zurück und bekam eine Anstellung bei Benz in Gaggenau. "Dort habe ich meine Lehre als Einzelhandelskaufmann gemacht und bin danach als Au-pair-Mädchen nach England gegangen." Bisch schildert ihre Erlebnisse bei unterschiedlichen Arbeitgebern, bleibt eineinhalb Jahre in London und lernt die Sprache.

Zurück in Deutschland, entdeckt sie eine Stellenanzeige für Washington/USA und packt erneut die Koffer. "Damals war ich 20 Jahre alt", so Bisch, die in Washington neben dem Job auch noch eine Ausbildung zur Fachfrau für Maniküre und Pediküre absolvierte. Nach 18 Monaten wechselte sie nach New York und arbeitete sechs Monate in einem Friseurgeschäft. "Das war ein reines Herrengeschäft und es gab gutes Trinkgeld." Kaum sesshaft, keimte die Idee auf, nach Miami zu gehen. "Ich setzte mich einfach in den Greyhound Bus und fand in Miami Arbeit." Als "Specialist" war sie in einem Friseurgeschäft für die Nagelpflege bei speziellen Kunden zuständig. Doch das genügte der eloquenten Geschäftsfrau nicht. Sie bildete sich weiter und absolvierte eine Ausbildung zum Friseur.

Geld leihen

Damit war der Weg frei für das eigene Fachgeschäft, von dem der Miami Herald in der Überschrift schwärmt: "Holen Sie sich einen Ausschnitt der Geschichte zusammen mit einem Haarschnitt im Salon." Zu berichten hat Bisch so manches – und zwar nicht nur aus ihrem Leben, sondern auch dem ihrer Kunden, die vorbeikamen, um über Politik zu sprechen, neue Frauen vorzustellen, Bilder ihrer Enkelkinder zu zeigen, oder aber auch um Geld zu leihen, wenn sie auf einen neuen Job warteten.

Nun reist sie wieder zurück nach Florida und sagt zum Abschied: "Im Frühling bin ich wieder im Schwarzwald."