Im Jahr 2019 brauchte der damalige Bürgermeister Norbert Mai bei seinem letzten Fassanstich beim Klosterfest nur einen Schlag. Foto: Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Nach Äußerung des Stadtrats schaltet sich der Vorsitzende des Tennisclubs ein

Bei der jüngsten Sitzung des Bad Herrenalber Gemeinderats stellte Christian Romoser die Frage in den Raum, ob die Stadt ein internationales Tennisturnier ausrichten müsse (wir berichteten). Nun hat sich Joachim Sylla, Vorsitzender des Tennisclubs, zu Wort gemeldet. Romoser wiederum erklärt sich.

Bad Herrenalb. Die Äußerung des Stadtrats fiel während der Beratung des Wirtschaftsplans des Eigenbetriebs Tourismus und Stadtmarketing.

Er sei "erzürnt" gewesen, dass Romoser den kleinsten Posten nehme und infrage stelle, erzählt Sylla nun im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten.

Der Verlust, der zwischen 1000 und 1500 Euro liege, stehe nämlich in keinem Verhältnis zu anderen Ausgaben der Stadt. Der Posten sei im Prinzip auch gar kein Kostenfaktor, weil das Geld wieder auf anderem Wege reinkomme.

Zusätzlicher Gewinn

Es werde zum einen nicht berücksichtigt, sagt Sylla, dass Teilnehmer während des Turniers in Herrenalb übernachteten und somit Geld in der Stadt ließen. Viele verbänden das Turnier mit einem Urlaub und statteten zudem auch dem Thermalbad einen Besuch ab.

Zum anderen nennt Sylla die Möglichkeit des Sponsorings. Wenn drei bis vier Sponsoren für das Turnier gewonnen werden könnten, könnte die Stadt noch zusätzlich Gewinn erwirtschaften. Sylla hofft diesbezüglich auf Bürgermeister Klaus Hoffmann, der vor seinem Amtsantritt Geschäftsführer der Karlsruher Tourismus GmbH war.

Sylla moniert zudem an der Aussage Romosers, dass die Stadt nicht Ausrichter des Turniers sei, sondern der Veranstalter. Der Ausrichter sei nämlich der Tennisclub.

Als Veranstalter stelle die Stadt unter anderem den Oberschiedsrichter und den Turnierleiter, erklärt Sylla, sie miete "bei uns" die Plätze und kaufe auch die Bälle. Der Verein wiederum organisiere das Turnier, leiste Koordinierungsarbeit.

"Als Verein müssen wir Einnahmen erwirtschaften und Rücklagen schaffen, um zum Beispiel unsere Plätze zu erhalten", sagt Sylla. Mit einem Wegfall des Turniers würde auch ein Großteil der Einnahmen wegfallen. "Vereine leben von solchen Veranstaltungen."

In einem Schreiben Syllas an den Schwarzwälder Boten heißt es weiter: "Außerdem würde durch den Wegfall des Turniers ein Stück Kulturgut verloren gehen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten gilt es, die gebeutelte Kulturlandschaft nicht ganz zugrunde zu richten oder ist es schlicht und einfach der Neid, dass der Tennisclub es geschafft hat, trotz aller Hindernisse mit Hilfe der Stadt trotz Coronakrise ein solches Turnier auszurichten?"

Sylla spielt hier auf das 55. Internationale Senioren-Tennisturnier an, das Ende August, Anfang September stattfand, und schreibt weiter: "Es ist ein Schlag ins Gesicht der vielen ehrenamtlichen Helfer/innen, die unter Risikoeinsatz zum Gelingen beigetragen haben. Schließlich ist dieses Tennisturnier seit Jahren die einzige internationale Sportveranstaltung in Bad Herrenalb mit einer über 50- jährigen Tradition."

Immerhin: Die nächste Ausgabe des Turnieres werde auf jeden Fall noch einmal durchgeführt, sagt Sylla. "Die Zusage habe ich von der Stadt."

"Ich bin der Letzte, der dem Tennisclub etwas schlechtes will", beteuert Romoser im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Ganz im Gegenteil: Der Tennisclub mache richtig gute Arbeit. Er sei auch auf niemanden neidisch. "Neid geht mir persönlich völlig ab", sagt der Stadtrat.

Seine Äußerung in der Sitzung sei "ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen worden", die in den "richtigen Kontext und in Relation" gebracht werden müsse.

Der Grund sei eigentlich der gewesen, beginnt Romoser, dass er das Klosterfest nicht im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs gefunden habe. Warum das Fest dort nicht auftauche, wisse er nicht, das müsse man die Stadt fragen. Er könne sich aber vorstellen, dass da vielleicht ein Abmangel drinnen sei. "Wenn man das Klosterfest aus Kostengründen raus­streicht, dann muss doch auch die Frage erlaubt sein, ob die Stadt ein Tennisturnier ausrichten soll", sagt Romoser. Klar habe der Tennisclub Einnahmen aus dem Turnier, für andere Vereine böte jedoch auch das Klosterfest die Chance, Einnahmen zu generieren.

Er jedenfalls wolle weder dem Tennisclub, noch allen anderen Vereinen etwas Schlechtes. Das Tennisturnier sei ein "willkürlich herausgegriffenes Beispiel" gewesen, ein "Platzhalter", stellvertretend für alle anderen Feste. Und schließlich gelte: "Haushaltsberatungen tun immer irgendeinem weh".

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