Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Bad Herrenalb Nicht den bequemen Weg gehen

Von
Trotz aller Herausforderungen nach dem Großbrand 2019 sehen Anja und Heiko Duss positiv nach vorne – links der neu überdachte Jungbullenstall, rechts die große Halle und künftig wieder Mutterkuhstall, die komplett neu wiederaufgebaut wurde. Foto: Gegenheimer Foto: Schwarzwälder Bote

Kommende Woche jährt sich erstmals der Tag des Großbrandes auf dem Schwalbenhof in Neusatz. Sachschaden in Höhe von rund 800 000 Euro hatte der psychisch kranke Brandstifter in jener Nacht Ende September 2019 auf dem Hof angerichtet, Stallgebäude in Schutt und Asche gelegt und damit auch einen Großteil der darin befindlichen Gerätschaften zerstört.

Bad Herrenalb-Neusatz. "Ein Bekannter hat mich vor Monaten gefragt, wieso ich mir das eigentlich antue", erzählt Heiko Duss mit Blick auf den mittlerweile wieder stehenden Mutterkuhstall, das nahezu komplett ersetzte Gebälk des Jungbullenstalls und die zahllosen Arbeiten drum herum, einschließlich der mit viel Zeitaufwand wiederbeschafften Fahrzeuge und Geräte.

Natürlich hätte er es sich einfach machen können, so Duss, das Geld von der Versicherung nehmen, den Stall nur noch in Minimalbauweise errichten, als Unterstand für Wohnanhänger zum Beispiel. Aber Anja und Heiko Duss gehören nicht zu denen, die einfach den bequemen Weg gehen. Sie hängen mit Herzblut an ihrer Landwirtschaft. Den großräumigen Stall wieder so aufzubauen wie er war, war klar für sie. Auch wenn der Hofchef samt Schwiegervater Roland Dreßler und freiwilligen Helfern dafür auch selbst viele Arbeitsstunden, nicht zuletzt an Wochenenden, leisten musste.

Noch fehlt das Innenleben des Mutterkuhstalls: Wasser, Elektrik, die gesamte Technik – einschließlich Photovoltaik auf dem Dach. "Der Einspeisevertrag wurde für dieses Jahr ausgesetzt", erklärt Duss, schließlich waren auch die Module komplett zerstört. "Immerhin können wir Heuballen und Gerätschaften wie Traktoren und Radlader schon wieder unterstellen. Die Kühe werden allerdings auch den kommenden Winter noch im Birkenhof in Rotensol verbringen. Einige auch auf einem befreundeten Hof in Langensteinbach."

Unterkriegen lassen sich die Hofbetreiber nicht. Immer wieder hat es Situationen gegeben, in denen sie an ihre Grenzen gekommen sind. Wenn es zu Verzögerungen kam, wenn zum streng getakteten Tagesablauf noch Verhandlungen mit Versicherungen und Behörden gekommen sind. Heute merkt man beiden an, dass sie als Team schon wieder wagen, über den hohen Berg hinüberzuschauen, der durchaus noch vor ihnen liegt.

Erntedankgottesdienst am 4. Oktober geplant

"Ein Hoffest hätten wir gern gemacht", sagt Anja Duss, "aber die Coronaauflagen hätten wir einfach nicht umsetzen können." So wird es dieses Jahr auch keinen öffentlichen Viehtrieb geben: "Es tut uns wirklich leid für all die Leute, die gerne gekommen wären." Ein Ereignis gibt es im Oktober aber doch im wieder erbauten Stall: Auf Anfrage der Kirchengemeinde freut sich das Ehepaar Duss, bei gutem Wetter dort Gastgeber für den Erntedankgottesdienst am Sonntag, 4. Oktober, zu sein.

Die Corona-Pandemie hat zum Glück keine wesentlichen zusätzlichen Einbrüche für den Hof gebracht. Die Ferienwohnung ist seit Juni wieder regelmäßig belegt. Auch die Kunden des Hofladens sind treu geblieben. "Es sind sogar welche dazugekommen", freut sich Anja Duss.

Größere Herausforderungen bringt allerdings die anhaltende Trockenheit. "Das ist bei allen Landwirten im Umkreis so", betont Heiko Duss. Bereits jetzt müsse er auf der Weide zufüttern, weil nicht genug wachse. "Der zweite Grasschnitt des Sommers war bereits schlecht, einen dritten mussten wir praktisch ausfallen lassen." Hinzu kommen massive Schäden durch Wildschweine. "Wir werden auch dieses Jahr Futter zukaufen müssen", erklärt der Landwirt. Was schwierig wird, wenn alle wenig haben.

Noch laufen Verhandlungen mit Versicherungen, fehlen verschiedene Werkzeuge und Kleingerätschaften: "Von der Motorsäge bis zur Heugabel beschaffen wir die Sachen dann, wenn wir sie tatsächlich brauchen. Nicht alles auf einmal." Und dann ist der durch Brand und Folgen verursachte Umweltschaden abzuwickeln: "Der Boden muss teilweise von einer Spezialfirma abgetragen werden. Frage ist auch, welche Deponie ihn nimmt", erklärt Heiko Duss.

An diesem Abend kommt er später als geplant von der Rinderweide nach Hause. Gemeinsam mit Achim Ruff, der "nicht mehr zählt", wie viele Stunden er schon einfach mitgeholfen hat auf dem Hof, hat Duss noch die Tiere versorgt, Zusatzfutter gebracht. Die beiden Duss-Söhne kommen von der Tagesmutter heim, fordern ein bisschen Aufmerksamkeit. Hofchefin Anja Duss ist schon wieder auf dem Sprung zur Gemeinderatssitzung. Heiko Duss hat noch einen Besprechungstermin mit der Firma, über die die neue Halle bezogen wurde. Der Tag ist lange noch nicht zu Ende. Wenig Zeit auch nachzudenken über das, was vor einem Jahr passiert ist.

"Welches Glück wir hatten, dass es windstill war in jener Nacht", sagt Heiko Duss, "sonst wäre das Wohnhaus in großer Gefahr gewesen. Viel mehr als die 40 000 Euro Schaden an der Fassade." Es sind Kleinigkeiten, die etwas auslösen – dann geht ihm alles wieder durch den Kopf: "Dass man einfach reagiert, nicht immer so, wie man es lernt. Der allererste Gedanke: meine Frau und die Kinder zu den Schwiegereltern. Und dann: das Vieh retten! Da bin ich rein in den Stall ohne zu überlegen. Erst die Feuerwehr anzurufen – daran dachte ich gar nicht. Zumal der Strom weg war. Zum Glück hatten andere die Feuerwehr längst alarmiert."

Dass der Brandstifter in jener Nacht die gesamten Gerätschaften in Brand gesetzt, immensen Sachschaden angerichtet hat, ist für Heiko Duss eine Sache – die weitaus schwerwiegendere aber, dass der Täter auch einen Ballen unmittelbar neben dem Jungbullenstall anzündete: "Da haben Tiere, Lebewesen, um die Ecke geschaut!" Und Duss hat zugleich Mitgefühl für jene Mitarbeiter eines Firmen-Subunternehmers, die beim Zerkleinern und Entfernen der Brandreste am Hof schwere Arbeit leisteten: "Von Hand haben die die Glasscherben aufgesammelt! Denen hab ich gleich mal was für ein kräftiges Vesper gegeben."

Artikel bewerten
10
loading

Ihre Redaktion vor Ort Bad Wildbad

Markus Kugel

Fax: 07051 130891

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.