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Bad Herrenalb Nachtclub, Freizeitpark und eine städtische Brauerei

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Bad Herrenalb. Am 20. Oktober ist in Bad Herrenalb Bürgermeisterwahl. Und 29 Bewerber stehen auf dem Stimmzettel, der wegen der Bewerberflut gefaltet werden muss. Wie berichtet, sind jede Menge Kandidaten entweder Mitglieder der Satirepartei "Die Partei" oder stehen ihr zumindest nahe.

Gewerbesteuer senken

Jetzt haben weitere zwei dieser Bewerber Infos über sich mitgeteilt. Jörg Lesser aus Karlsruhe hat eine Pressemitteilung zu seiner "persönlichen Kandidatur" geschickt. Er sei Bewerber der Partei "Die Partei" für die Bürgermeisterwahl in Bad Herrenalb – "einer Stadt, mit der mich viel verbindet und mit der ich einige Gemeinsamkeiten habe: Wir beide sind überaltert und überschuldet." Er lebe seit 50 Jahren in Karlsruhe, habe fünf Jahre kommunalpolitische Erfahrung und seit 1985 erfolgreich touristische Unternehmen aufgebaut, "denen ich auch jetzt noch als Aufsichtsrat zur Verfügung stehe". Seit seiner Jugend unternehme er Ausflüge und Wanderungen "ins schöne Bad Herrenalb und fühle mich mit der Stadt vertraut".

"Ich bin Visionär. Als wichtigstes Ziel strebe ich an, den Kurort zu einer Metropole der IT-Technologie auszubauen. Noch nicht erschlossene Flächen sollen zu Gewerberaum umgewandelt werden. Großen Unternehmen wird so ein Anreiz gegeben, sich in Bad Herrenalb anzusiedeln. Das halbiert die Bestandsarbeitslosen – mindestens. Auch die Gewerbesteuer für solche Unternehmen werde ich senken, um Bad Herrenalb zu einer Steueroase zu machen. Es muss nicht immer Irland sein. Hier führe ich aktuell Gespräche mit Apple, Amazon und Google", heißt es weiter. So könnte Bad Herrenalb nicht nur für Unternehmen, sondern auch wieder für junge Menschen attraktiv werden. Generationsübergreifenden Wohnraum zu schaffen sei daher auch eine seiner umfangreichen Versprechungen.

Die Siebentälerstadt brauche zudem ein internationales touristisches Konzept und ein ebensolches Image. Das bisherige sei weder besonders innovativ noch zeitgemäß. "Als gutes Beispiel ist hier die Stadt Baden-Baden zu nennen, in der Kohorten meist osteuropäischer Touristen mit Klunkern behangen auf Shoppingtouren gehen und maßlos überteuerte Hotels belegen. Was wir daher auch brauchen, sind Nachtclubs, ein Spielkasino, einen Freizeitpark und ein eigenes Oktoberfest. Der Wintersporttourismus hingegen wird wegen der zunehmenden Erderwärmung sofort abgeschafft", so Lesser.

Um Bad Herrenalb auch international besser bekannt zu machen, setze er sich des Weiteren für eine Städtepartnerschaft mit Stepanakert, der Hauptstadt der Republik Arzach, ein. Die Außenministerin habe ihm im Gegenzug versichert, dass dort dann Einwohner Bad Herrenalbs das Recht auf kostenfreie Versorgung im hochmodernen neuen Krankenhaus genießen würden.

Die finanzielle Lage von Bad Herrenalb sei desaströs. "Um hier die Schuldenlast zu reduzieren, habe ich bereits Kontakte zu RTL2 ›Der Trödeltrupp‹ aufgenommen, um die ganze Stadt zu entrümpeln und so Gefundenes versteigern zu lassen." Eine geplante Bierfreihandelsfreizone nebst einer geplanten städtischen Brauerei würden die Einnahmen der Stadt erhöhen. "Derart saniert,werde ich Bad Herrenalb dann in eine börsennotierte AG umwandeln, um weitere Investitionen zu finanzieren. Zu guter Letzt verspreche ich Ihnen, Stuttgart als Ihr Bürgermeister solange zu penetrieren, bis wir endlich zum Landkreis Karlsruhe gehören. Danach soll Karlsruhe eingemeindet werden. Wählen sie mich, vertrauen sie meinen Versprechungen, denn ich bin Politiker", teilt der Bürgermeisterkandidat mit.

Mitteilung der Partei

Auch hat Lesser eine "Die Partei"-Pressemitteilung zur Wahl des Bürgermeisters Bad Herrenalb mitgeschickt: Die große Anzahl der Bewerber lasse sich "nach unseren Recherchen wie folgt erklären: Es handelt sich um das Phänomen ›Fallschirmkandidat(in)‹, Englisch ›parachute candidate‹, und bedeutet, dass Kandidaten von Parteien ins Rennen von Bürgermeisterwahlen geschickt werden, ohne dass sie dort leben, oder einen sonstigen Bezug zu der Stadt haben." Dies komme auch in Deutschland immer häufiger vor, auch wenn es die Demokratie schwäche "und die Bürger vor Ort zuweilen nicht ernst nimmt". Es gehe dabei eher darum, überhaupt einen Kandidaten stellen zu können und sich medienwirksam zu präsentieren. "Vor einigen Wochen gab es auf einem ›Teppichfliegerkongress‹ die Gelegenheit, Gespräche mit anderen solcher Kandidaten aus dem gesamten Bundesgebiet zu führen." Mehr als 20 hätten mitgeteilt, zufälligerweise auch in Bad Herrenalb anzutreten – "mit dem Fallschirm versteht sich".

Negative Berichterstattung

Bürgermeisterkandidat Max Thomas Braun aus Karlsruhe erklärt: "Ich bin einer von zwei Dutzend Fallschirmkandidaten der Partei ›Die Partei‹ für Bad Herrenalb. Ich habe eine Vision: Bad Herrenalb zum besseren Ort machen. Mit der Umsetzung habe ich bereits begonnen, denn es war mir ein erstes wichtiges Anliegen, die Stadt Bad Herrenalb mit Aufmerksamkeit zu versorgen." Denn die Stadt habe die vergangenen Jahre sehr unter negativer Berichterstattung gelitten – "zumindest aus Sicht eines Karlsruhers". Zu nennen seien da im Besonderen der wackelige Haushalt oder "die vom Landtag Baden-Württemberg revidierte Volksabstimmung zur Zugehörigkeit zum Landkreis Karlsruhe". Er habe sich zur Aufgabe gemacht, Bad Herrenalb auch medienwirksam wieder ins positive Licht zu rücken. "Die Aufmerksamkeit konnten wir so schon heute voll auf die Wahl und das beschauliche Kurstädtchen lenken. Und ein Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ist uns heute auch bereits sicher", so Braun.

"Ich möchte aber auch noch auf ein Phänomen aufmerksam machen, dass leider immer häufiger in Deutschland und der Region vorkommt", so Braun. "›Parachute candidate‹ oder übersetzt ›Fallschirmkandidat" bezeichnet Kandidaten für politische Wahlen, die ohne im Wahlkreis zu leben oder einen sonstigen Bezug zur Gemeinde haben, kandidieren. Weil die Chancen in einer anderen Gemeinde besser sind, weil dort gerade ein Bürgermeister aufgehört hat, oder nur um Werbung für sich selbst machen zu können – die Motivation hierfür kann vielfältig sein. Und sogar NPD-Ortsvorsteher können so an Macht gelangen". Er sei Fallschirmkandidat der Partei "Die Partei" – "und ich bin sehr gut"

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