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Bad Herrenalb Kommt visionärer Schultes aufs "Abstellgleis"?

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Stadtschultheiß Erhard Beutter Foto: Zoller

Bad Herrenalb - Während in Bad Herrenalb die Bürgermeisterwahl in die zweite Runde geht, steht im Rathaus am 6. November bei der öffentlichen Sitzung des Technischen Ausschusses der visionäre Stadtschultheiß Erhard Beutter (1830-1891) im Fokus.

Als Landtagsabgeordneter, Schultheiß und Postvorsteher war Erhard Beutter Impulsgeber und Innovationstreiber für Herrenalb. Er hat sich im 19. Jahrhundert mehr als drei Jahrzehnte dafür eingesetzt, dass sich das einstige Pfarrdorf zu einem belebten Kurort mit stetig steigenden Gästezahlen und daraus resultierenden Gewerbe- und Gastronomiebetrieben entwickelt hat. Sein Gedenkstein soll nun für einen geschätzten Kostenaufwand von 10 000 Euro an den Bahnhof versetzt werden.

Geld, das bei einer so hoch verschuldeten Gemeinde problemlos eingespart werden kann, meinen die in Stuttgart lebenden Nachfahren Beutters. In einem der Redaktion vorliegenden Schreiben erhebt die Ur-Enkelin des einstigen Stadtschultheißen Beutter Einspruch zur Umsetzung des Gedenksteins: "Der Bahnhofsplatz ist seiner Lage und Bedeutung nach nicht zentral. Beutter, dem es gelungen ist, diesen Ort zur Stadt zu machen, gehört nicht auf diese Art von ›Abstellgleis‹."

Als international tätige Professorin trägt Gerdi Sobek-Beutter das Erbe ihres Vorfahren weiter und engagiert sich als Trägerin des Bundesverdienstkreuzes für soziale Missstände und Notlagen. "Erhard Beutter ist ein Aushängeschild für Herrenalb, mit dem die Kur- und Bäderstadt sogar Werbung machen könnte. Denn Beutter, der sich als innovativer Bürger und Persönlichkeit für die Infrastruktur des Ortes, den Ausbau des Straßen- und Schienennetzes einsetzte, kann der zukünftigen Ausrichtung der Gemeinde am ursprünglichen Ort im Zentrum der Stadt besser dienen, als am Bahnhof."

Engagement zu verdanken

Vor genau 132 Jahren wurde Herrenalb am 3. November 1887 der Titel "Stadt" von König Karl I. von Württemberg verliehen. Ein wichtiger Meilenstein, der die Zukunft des kleinen württembergischen Ortes maßgeblich prägte. Bei einer Größe von nur knapp 1000 Einwohnern war diese Auszeichnung dem Engagement des umtriebigen Bürgermeisters Beutter zu verdanken.

Für Unwissende sind die wichtigsten Fakten in der Herrenalber Ortschronik ebenso wie auf dem Beutter-Gedenkstein nachzulesen. Denn Mitte der 1980er-Jahre beschloss der Herrenalber Gemeinderat seinen einstigen Bürgermeister als Vordenker und starken Zeitgeist zum 100-jährigen Stadtjubiläum zu ehren.

Direkt gegenüber seinem einstigen Wohnhaus war am 12. April 1987 die feierliche Einweihung des Erhard-Beutter Platzes und damit verbunden die Enthüllung des Gedenksteins, der die wichtigen Daten zur Entwicklung des Ortes dokumentiert. An diesem feinsinnig ausgewählten Platz war der Gedenkstein von 1987 bis 2017 vor dem Kurhaus präsent. Zur Neugestaltung des Kurhausvorplatzes mit Treppenanlage im Mündungsbereich von Alb und Gaisbach wurde der Gedenkstein im Zuge der Gartenschau entfernt und drei Jahre lang ins Bauhoflager abgeschoben. Nun soll er endgültig aus der Stadtmitte verschwinden.

Als neuer Standort wurde am Bahnhof ein Platz auf dem AVG-Gelände auserkoren, wie der Herrenalber Gemeinderat am 28. August 2019 bei einem Stadtrundgang im Zuge des Landessanierungsprogrammes durch Bürgermeister Norbert Mai erfahren konnte. Die Kosten dafür liegen nach Aussage von Stadtkämmerin Sabine Zenker bei den bereits erwähnten 10 000 Euro.

Dazu hat Sobek-Beutter Einspruch erhoben. Was als "enttäuschend" zu beschreiben sei, sei die Tatsache, dass sie mit einem Schreiben vom Herrenalber Hauptamt "abgespeist" worden sei. "Ich habe Post vom Bürgermeister erwartet", so Sobek-Beutter.

Weil einst ihr Ur-Großvater Beutter "in den damals hochmodernen Schienensträngen und einem damit verbundenen Bahnhof eine ungeheure Chance für den aufblühenden Kurort sah", begründet die Stadt die Entscheidung, "den Bahnhofsplatz als neuen Standort des Gedenksteins zu wählen". Der Brief endet mit dem Satz: "Sollte der neue Standort auch nicht Ihren Vorstellungen entsprechen, so sehen wir darin dennoch einen würdigen Platz am Eingangstor von Bad Herrenalb."

Doch Sobek-Beutter ist mit dieser Argumentation nicht zufrieden: "Das breite Spektrum seiner Taten gehört an einen zentralen Ort, der diesen Visionär repräsentiert und ihm gerecht wird. Ein Platz der ausschließlich auf dem Gelände der AVG gewählt ist, wird dem breiten Engagement Beutters nicht gerecht. Es geht nicht allein um die Eisenbahn und das Ende der Postkutschenzeit. Es geht um die Gemeinde. Bei der Neugestaltung des Kurhausvorplatz ist genügend Raum und Fläche vorhanden, um den altbewährten Standort für den Gedenkstein beizubehalten."

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