Liebevoll Abschied nahmen Kindergartenkinder und Erzieherinnen von Alexandra Möbius.Foto: Gegenheimer Foto: Schwarzwälder Bote

Bildung: Erzieherin nach mehr als 40 Arbeitsjahren in den Ruhestand verabschiedet / Gesungen wird weiter

Jetzt hat es doch noch geklappt mit einer kleinen Abschiedsfeier für die langjährige Erzieherin Alexandra Möbius im Bernbacher Kindergarten.

Bad Herrenalb-Bernbach/ Bad Herrenalb-Neusatz. Im Rahmen der Käferolympiade, einem Stationenspiel für alle Kindergartenkinder, Ersatz für ein Kindergartenfest, sagten diese "Tschüss, Alex!" – ebenso wie das gesamte Erzieherinnenteam um Leiterin Kathrin Pfeiffer.

Von der Stadt war Alexandra Möbius bereits im Mai in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet worden. Persönlich wichtig war ihr jedoch der Abschied von den Kindern. Natürlich so, wie sie auch ihre Erzieherinnenarbeit stets geleistet hat: mit Musik, Gesang und Empathie. So erklärte sie den gut 30 Kindern, was "Rente" bedeutet und war sichtlich gerührt über die Abschiedsgeschenke: eine Feuerschale, gefüllt mit selbstbemalten Kinder-Steinen sowie einen Strauß voller Rosen, die ihr von den Kindern einzeln überreicht wurden.

"Schau, es war schön, dich hier zu seh’n!", hieß es passend aus 40 Kehlen im Lied "Wir sind Kinder einer Erde". Die 63-Jährige ließ es sich nicht nehmen, danach weitere Bewegungslieder mit Tamburin- und Gitarrenbegleitung anzustimmen: von Krabbelkäfern, Bienen und Schnaken, in die die Kinder mit Begeisterung einstimmten.

"Ich danke euch für die schöne gemeinsame Zeit. Ihr wart meine zweite Familie", verabschiedete sich Möbius schließlich von Kolleginnen und Kindern und gab mit auf den Weg: "Macht weiter mit Liebe, das ist das Wichtigste."

Während die Kinder im Anschluss gespannt in die Käferolympiade starteten, bot sich für Möbius die Gelegenheit, ihr mehr als 40-jähriges Erzieherinnenleben noch ein wenig Revue passieren zu lassen.

Ein Beruf, den sie "so gerne gemacht hat wie andere ihr Hobby". 1980 nach Neusatz gezogen, hat sie drei Jahre später im dortigen Kindergarten zu arbeiten begonnen. Zunächst als Helferin, später in Vollzeit. Die Gesellschaft habe sich seither verändert, die Lebensumstände der Kinder, nicht zuletzt dadurch, dass die Mütter vielfach voll arbeiten gingen: "Die Kinder von damals und die Kinder heute bleiben sich gleich. Sie sind fröhliche Wesen und haben dieselben Bedürfnisse. Mein großes Bestreben war immer, ein Stück weit zu kompensieren, was sich für die Kinder zum Nachteil verändert hat."

Viele Gedanken hat sich Möbius in ihrem Berufsleben gemacht, sich bemüht, individuell auf jedes der kleinen Wesen einzugehen und zugleich mit allen Gemeinschaftsfähigkeit zu üben und Gemeinschaft zu leben, mit dem Stuhlkreis als wichtigem Zentrum. "Ich habe Rückzugsräume geschaffen, Rituale gelebt, Angebote gemacht, klare Strukturen angelegt", erklärt sie. Ihre Arbeitsjahre in Neusatz über habe sie sich die Grundlagen ihres Arbeitens aufgebaut.

Zahllose Schützlinge "in die Schule gebracht"

Als sie 2005 in den Bernbacher Kindergarten wechselte, habe sie in Inge Grab noch ein Jahr lang ein echtes Vorbild erleben können, die den Kindern Musik und Singen ebenso mit Freude sowie als pädagogisches Element nahebrachte. 16 Jahre hat Möbius hier als engagierte und beliebte Erzieherin gewirkt, hat zahllose Kinder "in die Schule gebracht". Ein Höhepunkt der vergangenen Jahre war für sie das Piratenmusical, das sie auf der Gartenschau 2017 mit "ihren" Kindern aufführen durfte. Schwierig dagegen sei natürlich das vergangene, das Coronajahr gewesen.

Jetzt freut sie sich, sich intensiver um die eigenen Enkel kümmern zu können, die teilweise schon älter als ihre Kindergarten-Schützlinge sind. Und sie freut sich zum zweiten, in Neusatz, wo sie nach wie vor wohnt, in den Müttern und Vätern von heute "ihre" ersten Kindergartenkinder wiederzuerkennen. Und sie freut sich zum dritten, ihre Bernbacher Kindergartenkinder doch ab und zu noch zu sehen: zum Singen und Musizieren kommt Möbius alle paar Wochen zu Besuch.

Im direkten Umgang zwischen Kindergartenkindern und Erzieherinnen sehen die Coronaverordnungen kein Abstandsgebot und keine Maskenpflicht vor.