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Bad Herrenalb "Kein spannenderes politisches Amt"

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Bürgermeisterkandidat Marc-Yaron Popper. Foto: Kunert

Bad Herrenalb - Er war der (undankbar) Drittplatzierte im ersten Wahlgang der Bürgermeisterwahl in Bad Herrenalb: Marc-Yaron Popper. 25,2 Prozent der Stimmen konnte er auf sich vereinen – genug, um sich mit einem noch mal forcierten Wahlkampf doch noch auch Chancen für einen Überraschungssieg ausmalen zu können.

Es ist später Nachmittag. In der Kanzlei der Rechtsanwälte "Dr. Hofmann & Schöpfle" ist es ruhig – das lange Allerheiligen-Wochenende steht an. Marc-Yaron Popper empfängt den Besuch im Konferenzraum: schwerer Holztisch, Polsterstühle, in denen man tief versinkt. Offensichtlich der letzte Termin an diesem Tag. "Heute Abend geht es mit den Kindern nach Bad Herrenalb." Zur Halloween-Tour. Und zur Party ins Kurhaus.

So haben auch die Kinder von Popper mal was vom Wahlkampf des Vaters. "Das ist schon eine Belastung für die Familie", die ihn andererseits aber auch nach Kräften unterstütze. Wobei die Betonung für Popper auf Wahl-"Kampf" liegt. In seiner Position noch eine Chance auf den Sieg bei der Bürgermeisterwahl in Bad Herrenalb zu haben, bedeutet: möglichst viele bisherige Nicht-Wähler zu mobilisieren und auf die eigene Seite zu ziehen. Auch mit pointierten, auch provokanten Positionen und Äußerungen. Oder auch offensiven Aussagen gegenüber den Mitbewerbern. "Wenn sich da aber jemand persönlich angegriffen fühlt, so tut mir das leid."

"Schlammschlacht" nimmt er unserer Zeitung übel

In der Sache jedoch bleibe er bei seinen Aussagen – etwa, dass er sich nach einer Wahl "unter keinen Umständen" eine Zusammenarbeit mit Herrenalbs Kämmerin und Gegenkandidatin Sabine Zenker vorstellen könne. "Das versteht auch jeder, der darüber nachdenkt."

Die Überschrift mit der "Schlammschlacht" aber, zu der der Wahlkampf so vielleicht würde, nehme er dieser Zeitung schon auch ein bisschen übel: "Ich hätte mir an der Stelle mehr Deeskalation gewünscht" – als noch mehr Öl aufs Feuer. Auch wenn ihn die Anwürfe und Reaktionen aus der Bevölkerung gegen sich auf seinen ursprünglichen Vorstoß wirklich entsetzten: Das (böse) Gerücht, er hätte Mit-Kandidat Klaus Hoffmann Geld für dessen Verzicht auf die Kandidatur im zweiten Wahlgang angeboten. Popper zeigt bei diesem Thema ehrliche, tiefe Betroffenheit. Und auch der Jurist in ihm regt sich: "Das ist richtig üble Nachrede" – ein Straftatbestand.

Doch wie "Dampf aus dem Kessel" nehmen? Popper erzählt von seiner Zeit in Israel, wo er nach Schule und Abitur (in Ettlingen, wo er aufwuchs) ein Jahr verbrachte, um Hebräisch zu lernen. Sein Vater ist in Haifa geboren, viele Verwandte leben dort. "Ein Leben auf dem Pulverfass", wie es Popper beschreibt. Eine Erkenntnis daher: "Wir leben hier dagegen auf einer Insel der Seligen", in einem sicheren Land, einer sicheren Demokratie. Manchmal brauche man den Blick von außen, um die Wertschätzung dafür immer wieder neu zu entwickeln.

Sehnsucht nach einem Kandidaten von außen

Genauso definiert Popper auch seinen Wert als Bürgermeister-Kandidat für Bad Herrenalb: "Ich bin der Bewerber von außen", die neutrale Instanz. Mit dem unverbauten Blick auf Chancen und Möglichkeiten. "Niemanden verpflichtet." Genau so einer, so sein Eindruck, werde von großen Teilen der Herrenalber als neuer Bürgermeister gewünscht. "Durch die Arbeit in der Herrenalber Zweigstelle unserer Kanzlei habe ich viele Gespräche führen können, aus denen man diese Sehnsucht nach einem Kandidaten von außen deutlich heraushören konnte." Was dann letztlich den Ausschlag für seine Kandidatur gegeben habe.

Aber dafür einen Job als Rechtsanwalt aufgeben? – "Nach wie vor ein toller Beruf", wie Popper selbst bekennt. Allerdings: "Es gibt kein spannenderes politisches Amt in Deutschland als das eines Bürgermeisters", macht Popper seine Ambitionen deutlich. "Da hast du große Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten", kannst dich beweisen. In Bad Herrenalb etwa, um die Balance zwischen gesamtstädtischer, gemeinsamer Identität und die sehr eigenständigen Mentalität der Ortsteile in einem "guten Verhältnis" weiter zu entwickeln. Indem man zum Beispiel Herrenalb zum Standort einer weiterführenden Schule macht – gemeinsam mit Marxzell, Dobel und Loffenau. "Das könnte ein Projekt für die gesamte Stadt werden", das zu einer solchen gemeinsamen Identitätsbildung beitragen würde.

Hart erarbeiten

Wobei Popper klar ist, dass er sich als möglicher Herrenalber Schultes einen solchen Gestaltungsspielraum erst einmal hart erarbeiten müsste. "Die Finanzlage der Stadt ist dramatisch" – wie dramatisch tatsächlich, "das hat mich schon überrascht". Weshalb er "auch schmerzhafte" Einschnitte auf die Stadt zukommen sieht.

Der Verlustausgleich für die Therme müsse reduziert werden, freie Finanzmittel in die Entwicklung von Wohnraum und Gewerbeflächen investiert werden – um langfristig die Steuereinnahmen der Stadt zu erhöhen. Aufgaben, die einen langen Atem benötigen – das weiß auch Popper. "Ich bin angetreten, um zu bleiben", sagt der 43-Jährige. Denn die Agenda des nächsten Herrenalber Schultes könne gut und gern für auch drei Amtszeiten oder die nächsten 24 Jahre reichen.

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