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Bad Herrenalb Gemeinderat entsetzt von Stadtwerke-Zahlen

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Hatte keine guten Nachrichten für den Gemeinderat: Karina Herrmann, Geschäftsführerin der Stadtwerke. Foto: Kuhnert

Bad Herrenalb - Es waren keine guten Nachrichten, die Karina Herrmann, Geschäftsführerin der Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH, den Gemeinderäten zu deren jüngster Sitzung ins Waldkurhaus nach Rotensol mitgebracht hatte. Und dabei ging es "nur" um den Jahresabschluss 2019 – noch nicht um die coronabedingten Negativ-Effekte im Jahr 2020.

Knapp 972 000 Euro – so groß ist der Jahresfehlbetrag, den Stadtwerke-Geschäftsführerin Karina Herrmann den Gemeinderäten für 2019 erklären musste. Im Vorjahr waren es noch nur rund 286 000 Euro. Wobei die Schwierigkeiten und Verluste der Stadtwerke, die sich beispielsweise um das Freibad, die Therme, aber auch die Strom- und Wasserversorgung in Bad Herrenalb kümmern, 2019 noch weit größer waren – denn auch Rücklagen in einer Größenordnung von mehr als 1,135 Millionen Euro wurden aufgezehrt, beziehungsweise komplett aufgelöst.

Kräftige Investitionen notwendig

Eine der Ursachen für die negative Geschäftsentwicklung, so Herrmann: Während die Erlöse aus gewöhnlichen Geschäftsbetrieb von mehr als 7,94 Millionen Euro 2018 innerhalb Jahresfrist auf knapp 7,62 Millionen Euro zurückfielen, stiegen die Aufwendungen im gleichen Zeitraum von rund 8,22 Millionen Euro auf gut 8,59 Millionen Euro. Weitere negative Effekte, die die Bilanz massiv belasteten: Der Wert des Eigenkapitals reduzierte sich von gut 11,32 Millionen Euro auf etwas mehr als 10,63 Millionen Euro, der des Anlagevermögens von 13,81 Millionen Euro auf 13,68 Millionen Euro. Erläuterung der Geschäftsführerin auf Nachfrage aus den Reihen der Gemeinderäte dazu: Da seit dem Bau Anfang der 1970er-Jahre in letzter Zeit keine größeren Investitionen mehr beispielsweise in die Therme erfolgt seien, steige hier kontinuierlich der Instandhaltungsaufwand, der jährlich zu Buche schlage. Würde man "einmal kräftig investieren", könnten diese Investitionen dagegen über viele Jahre abgeschrieben werden, was die Bilanz deutlich weniger belasten würde.

Doch nicht nur Freibad und Therme – auch wegen eines hier größeren Personalaufwands etwa durch hohe Krankenstände – machen Sorgen in Bezug auf den Geschäftsverlauf der Stadtwerke, auch das Stromgeschäft habe sich 2019 negativ entwickelt und den Jahresabschluss belastet. Zum einen hätten die Bad Herrenalber deutlich weniger Strom verbraucht als in den Vorjahren, was sich sowohl beim Ertrag aus dem Betrieb des Stromnetzes, als auch beim Vertrieb von Strom selbst negativ niedergeschlagen habe. Hier habe unter anderem auch eine Anpassung im Strompreis zu einem Verlust von Kunden für die Stadtwerke geführt. Zum anderen sei 2019 eine erhebliche Fehlbuchung von mehr als 90 000 Euro aus 2018 aufgefallen, die in der Bilanz habe korrigiert werden – und die dadurch den rechnerisch in diesem Bereich noch realisierten Gewinn massiv belastet habe.

Kapitalausschüttungen trotz Verlusten

Allerdings konnten im abgelaufenen Jahr auch Darlehen in einem Gesamtwert von 247 000 Euro zurückgezahlt werden, sodass der Schuldenstand der Stadtwerke auf noch 3,14 Millionen Euro reduziert werden konnte. Trotzdem zeigten sich die Herrenalber Gemeinderäte wie etwa Jörg Götz (Grüne PLUS) "schon entsetzt" von den Zahlen und dem um mehr als 676 000 Euro nach oben gesprungenen Jahresfehlbetrag: "Ich weiß nicht, ob wir uns das weiter leisten können", schließlich würden mit den wachsenden Zuschüssen, die die Stadt in Richtung Stadtwerke leisten müsse, "die Handlungsspielräume immer enger".

Was die Gemeinderäte dabei vor allem auch irritierte: Während die Stadtwerke insgesamt einen (von der Stadt Bad Herrenalb) zu tragenden Verlust auswiesen, gab es trotzdem Kapitalausschüttungen an die anderen Gesellschafter (EnBW; Stadt Ettlingen) aus den ertragreichen Teilbereichen. Erklärung von Herrmann: Bei Eintritt der anderen Gesellschafter sei klar gewesen, dass sich diese nicht etwa an der Therme – und deren kontinuierlichen Verluste – beteiligen würden, sondern nur an (den lukrativen) Teilbereichen der Stadtwerke, wofür sie entweder Anlagevermögen in Form eines eigenen Leitungsnetzes (EnBW) oder "Cash", also eine Bareinlage (Stadt Ettlingen), geleistet hätten und dafür anteilig am Gewinn zu beteiligen sein würden, wenn diese Teilbereiche Ertrag brächten. Wenn die Stadt Bad Herrenalb das nicht mehr wolle, müsste sie diese Mitgesellschafter "rauskaufen".

Sauna-Öffnung vorerst unsicher

Trotz der negativen Zahlen stimmten die Gemeinderäte dem Jahresabschluss 2019 der Stadtwerke schließlich bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen zu. Fragten aber auch mit Sorge nach, wie sich das Geschäft denn im aktuellen Corona-Jahr ent­wickeln würde – wohl aus Furcht vor noch schlechteren Geschäftszahlen wie 2019. Laut Karina Herrmann rechne sie wegen Corona und der damit verbundenen Schließung der Bäder mit Mehrkosten fürs Freibad von rund 100 000 Euro, für die Therme von 150 000 Euro. Wodurch sich der Gesamtverlust der Stadtwerke in 2020 nach Schätzungen heute fürs Gesamtjahr auf rund 1,1 bis 1,2 Millionen Euro aufsummieren dürfte.

Aktuell stünden die Besucherzahlen beim Freibad bei rund 23 000 Gästen – nach gut 150 000 im vergangenem Jahr. Die Therme käme "vielleicht noch auf 75 000 Gäste" bis Jahresende, da aktuell noch die Sauna geschlossen sei, und auch sonst nur eine sehr begrenzte Besucherzahl erlaubt sei. Allerdings, so Herrmann, liege seit dieser Woche eine neue Verordnung des Landes vor, nach der auch die Sauna der Therme wieder grundsätzlich öffnen dürfte ("auch mit Aufguss, aber ohne Verwedeln"). Laut der Stadtwerke-Geschäftsführerin prüfe man daher derzeit intern, ob man diese Erlaubnis auch für die Therme Bad Herrenalb umsetzen werde, also die Sauna fürs Publikum wieder öffne – oder ob der Aufwand mögliche Erträge mehr als aufzehre, man also bei Umsetzung aller vorgeschriebenen Hygiene-Anforderungen pro Gast draufzahlen müsste. Dann bliebe die Sauna auch weiterhin vorerst geschlossen.

Allerdings wies Bürgermeister Klaus Hoffmann in seinem Schlusswort zu diesem Tagesordnungspunkt der Sitzung darauf hin, dass jede Prognose für 2020 grundsätzlich "eine große Glaskugel" sei, da man als Stadt heute nicht wisse, ob, und wenn ja, welche Zuschüsse und weiteren Kompensationen es von Bund und Land für die Bewältigung der Corona-Krise für die Kommunen noch geben könnte. Auch könnte durch das vermehrte Arbeiten im "Homeoffice" zum Beispiel der Stromverbrauch steigen und die Stadtwerke damit ins Positive ziehen. Er mahnte seine Räte daher, nicht zu schwarz zu sehen. Versprach aber als Rathaus, die Zahlen kontinuierlich im Blick zu halten, um auf Entwicklungen auch kurzfristig reagieren zu können.

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