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Bad Herrenalb "Die Leute stets vorher angeguckt"

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Ein letztes Mal in der Nachtwächter-Kutte: Mit 79 Jahren geht Horst Wahl in den Ruhestand. Foto: Schwarzwälder Bote

Horst Wahl geht als Nachtwächter der Siebentälerstadt in den Ruhestand. Nicht mit 65, sondern mit sage und schreibe 79 Jahren. Am 28. Dezember hat er seine letzte Führung mit dem charakteristischen Hut, weitem Mantel und der obligatorischen Laterne gemacht.

Bad Herrenalb. Begonnen hat er vor gut 25 Jahren als Fremdenführer und Reiseleiter. Damals noch für jenes Hotel, das Christa Sagawe, heute Tourismus- und Stadtmarketing, seinerzeit leitete. Heidi Wahl als Hotelmitarbeiterin konnte ihren Mann für die Fremdenführeridee von Sagawe gewinnen. "Schließlich war ich schon als Schulerbub an Heimatkunde interessiert", verrät Wahl. Spätestens mit den Busreisen in die gesamte Region habe er sich "richtig intensiv eingearbeitet" in die Geschichte von Stadt und Nordschwarzwald. "Schließlich komme ich gebürtig aus Ulm", sagt er mit breitem Grinsen und breitem, schwäbischen Dialekt. "Da hab ich auch mein Schwarzwaldmädle kennengelernt. Die machte da Urlaub." 1962 kam er ins Gaistal, wo sein Schwiegervater, wie viele damals Haumeister im Wald, und seine Heidi, geborene Lutz, zu Hause waren. Und blieb.

Zu den Stadtführungen, nach der Jahrtausendwende für die Touristik der Kurstadt, kamen etwa ab 2004 die Nachtwächterwanderungen mit ihrem besonderen Flair dazu.

Unzählige Gruppen

"Von der Herrenalber Geschichte wusste ich anfangs nicht viel. Bauernkrieg 1525 und Zerstörung des Klosters 1642. Aber die Leute wollten schon ein bissle mehr wissen!" Also hörte er der bewanderten Historikerin Ilse Sachs zu, fragte den beschlagenen ehemaligen Schulrektor Günter Theurer, schmökerte in Sabine Zollers Herrenalb-Chronik. Und führte unzählige Gruppen durchs nächtlich beleuchtete Klosterviertel.

"Ich hab mir die Leute stets vorher angeguckt. Waren sie gut zu Fuß, sind wir bis zur Schweizer Wiese. Da konnte man den angeleuchteten Falkenfelsen sehen." Schon kommt Wahl ins Erzählen über die Sage vom schwermütigen Burgfräulein vom Falkenstein. Vor allem aber das Klosterareal hat er mit seinen nächtlichen Mitwanderern entdeckt. Entlang der Reste der alten Stadtmauer. Er hat von der Arbeit der echten Nachtwächter im Mittelalter erzählt, vom Zapfenstreich, dessen Begrifflichkeit vom Schließen des Zapfens am Wein- oder Bierfass kommt.

Einen riesigen Wissensschatz hat sich der 79-Jährige über die Jahrzehnte angeeignet über die Stadt und die Umgebung. Die vergangenen zehn Jahre war er auch als Führer für den Klosterpfad aktiv. Er hat zahlreiche Dankesschreiben von Gruppen nach einer kurzweiligen, interessanten Führung bekommen. "Man muss schon aufpassen, was man zu den Leuten sagt", schmunzelt er und erzählt zum Beispiel von den beiden katholischen Theologen, mit denen er ins Fachsimpeln kam.

Zum Abschluss jeder Nachtwächterführung gab es traditionell einen kleinen Umtrunk. "Das war meine Idee", so der Nachtwächter im Ruhestand, "weil es ja in unserer Stadt abends doch abkühlt. Ein Schnäpsle und für die Kinder ein Bonbonle. Kein Plombenzieher, sondern ein massives Bonbon." Der Schwabe spricht – unüberhörbar.

Mit dem ganzen Team der Touristik Bad Herrenalb hat Wahl stets gut zusammengearbeitet, keinen seiner Einsätze verpasst. Jetzt gab es dafür ein Dankeschön.

Übrigens: Zukünftig wird Bernhard Lohner die Nachtwächterführungen für die Stadt übernehmen.

Ihre Redaktion vor Ort Bad Wildbad

Markus Kugel

Fax: 07051 130891

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