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Bad Herrenalb Das Sturmholz muss schnell aus dem Wald

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Die Idylle trügt: Die gefällten Stämme im Eyachtal bieten Borkenkäfern einen idealen Brutplatz und müssen deshalb schnell aus dem Wald.Fotos: Zoller Foto: Schwarzwälder Bote

Noch zu Jahresbeginn gab es im alten Notariat Bad Herrenalb ein reges Treiben. Alle Umbaumaßnahmen für den Einzug der ForstBW-Mitarbeiter und die neue Nutzung mussten fertiggestellt werden, damit der "Forstbezirk Westlicher Schwarzwald" pünktlich seine Arbeit starten konnte.

Bad Herrenalb. Doch in Zeiten der Corona-Krise wurde auch beim "Forstbezirk Westlicher Schwarzwald" in Bad Herrenalb der Besucherverkehr eingestellt und für die 13 Mitarbeiter heißt es nun "Homeoffice". Nach Aussage von Tobias Volg, Leiter des Forstbezirks, sind in den einzelnen Büroräumen zwar noch einige Handgriffe zu erledigen, bis alles ordnungsgemäß unter "Dach und Fach" gebracht ist, aber wichtig sei momentan die moderne und gut funktionierende Büro-Kommunikation. "Wir haben alle von zu Hause aus Zugriff auf die Daten und täglich wird nach der Post im Briefkasten geschaut, damit auch im analogen Bereich nichts liegen bleibt."

Während sich die Innendienstkollegen durch ihre Heimarbeitsplätze "aus dem Wege gehen", läuft bei den Mitarbeitern im Wald alles seinen gewohnten Gang. "Dort sind jeweils vier Kollegen pro Arbeitsgruppe in der Natur unterwegs und kommen sich bei der Waldarbeit nicht ins Gehege", so Volg, der dabei sogar von einem "sicheren Arbeitsplatz" spricht, wenn er die Waldarbeit mit denen von Ärzten und Verkaufsmitarbeitern in den Supermärkten vergleicht. Lediglich die Anfahrt und die Pausen der Waldarbeiter seien nun anders gestaltet. "Wir setzen zusätzliche Fahrzeuge ein und haben die Pausenzeiten im Waldarbeiter-Wagen gestaffelt, damit sich nicht zu viele auf einmal zum Aufwärmen im Wagen aufhalten", erklärt Volg, der derzeit von einem hohen Arbeitsvolumen im Wald berichtet.

Sturm "Sabine" hat ganze Arbeit geleistet und noch jetzt ist das Bruchholz von Januar und Februar aufzuarbeiten. "Wir rechnen mit insgesamt 10 000 Kubikmetern an Schadholz im Forstbezirk, was im Vergleich mit dem Südschwarzwald noch gering ausfällt, denn von dort wird aus einzelnen Forstbezirken die zehnfache Menge gemeldet." Dass die Corona-Krise auch in der Holzwirtschaft zu spüren ist, bestätigt Volg mit dem Hinweis darauf, dass in der Region bereits einige Sägewerke vorübergehend schließen mussten. Weil mittlerweile Mitarbeiter aus dem Elsass fehlen und der Schnittholzabsatz zurückgeht, kann das Sturmholz aus dem Wald nicht vollständig verarbeitet werden. Ein zusätzliches Problem zum bereits bestehenden Borkenkäfer-Holz, das den Holzmarkt seit 2019 überschwemmt. "Im vergangenen Jahr hatten wir es mit dem Borkenkäfer zu tun, der sich bei Dürre und Hitze explosionsartig vermehrte und Schäden in Millionenhöhe verursacht hat." Nun gab es zu Jahresbeginn viel Regen, Kälte und Feuchtigkeit – im Grunde genommen beste Voraussetzungen, um der Brut des Borkenkäfers zu schaden. Doch wütende Stürme, die die Bäume wie Streichhölzer abgeknickt hätten, verursachten nun ein weiteres Problem in der Forstwirtschaft.

Was nun folgt, ist ein Wettlauf mit der Zeit. Blauer Himmel und Frühlingssonne sind der ideale Nährboden für den Borkenkäfer, dessen Larven in den Stämmen überwintert haben und bei rund 16 Grad zu Hunderttausenden ausschwirren, um neue Nahrung und neue Plätze für die Brut zu suchen. Daher müssen die vom Sturmschaden beschädigten Stämme so schnell wie möglich aus dem Wald, weil diese geradezu als ideale Nistplätze für den Borkenkäfer gelten.

Im Eyachtal stapeln sich die gefällten Stämme

Wie der Wald nach Sturmschaden und Borkenkäferbefall aussieht ist aktuell im Eyachtal zu begutachten. Hier stapeln sich die gefällten Stämme am Bach. An den Hängen sind große Freiflächen zu sehen. "Auf den entstandenen Lücken setzen wir überwiegend auf Naturverjüngung", berichtet Volg, der diese Art als eleganten Weg bezeichnet, um den Generationenwechsel im Bestand einzuleiten. Dabei wird die natürliche Ansamung von alten Bäumen für die Begründung einer neuen Waldgeneration genutzt. Zudem sollen klimastabile Baumarten wie die Douglasie aus der Pflanzengattung der Kieferngewächse angepflanzt werden. Die aus Nordamerika stammende Baumart ist mit einem tiefgreifenden Herzwurzelsystem gut im Waldboden verankert und kommt daher bei Trockenheit besser mit Wassermangel zurecht als die heimischen Fichten.

Mehr als jeder dritte Baum in Baden-Württemberg ist eine Fichte. Der schnell wachsende und anspruchslose Nadelbaum wächst in Monokulturen und liefert bislang vielseitig verwendbares Holz. Aber: In einem Fichtenstamm können bis zu 10 000 Käfer sitzen – und das bedeutet ein Vielfaches an kranken Bäumen, wenn nicht Einhalt geboten wird. Für den "Forstbezirk Westlicher Schwarzwald" eine Herausforderung, die es in Zukunft zu meistern gilt.

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