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Bad Herrenalb Brandstifter bleibt in psychiatrischer Klinik

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Der Brandstifter von Neusatz und Rotensol wurde vom Landgericht Tübingen verurteilt. Foto: Bernklau

Tübingen/Bad Herrenalb - Das Urteil war erwartet worden: Der Brandstifter von Neusatz und Rotensol muss auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie.

Auf ein letztes Wort hatte der 41-Jährige verzichtet – wie überhaupt auf jegliche Aussage zur Sache. Ob der bis zur Brandnacht von seinem Vater betreute Mann wahrgenommen hat, was der Kammervorsitzende Ulrich Polachowski ihm in seiner Urteilsbegründung einfühlsam nahezubringen versuchte, muss im Unklaren bleiben: Eine Perspektive in Freiheit gibt es für ihn nur, wenn die Behandlung seiner Schizophrenie erfolgreich, eine "engmaschige Betreuung" und die nötige Medikation sichergestellt sind.

Dass der aus Kasachstan stammende Spätaussiedler jener massige Mann war, der bei seinem Zerstörungszug in der Nacht auf den 29. September 2019 zunächst mehrere Autos beschädigt, dann auf dem Birkenhof in Rotensol randaliert, einen Schwelbrand ausgelöst und schließlich an zwei Stellen den Schwalbenhof in Neusatz angezündet hat, das stand für die Große Strafkammer am Tübinger Landgericht "ohne jeden Zweifel" fest. Schaden von rund 800 .000 Euro hatte der Großbrand allein am Schwalbenhof angerichtet.

Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft war am letzten Verhandlungstag das Verfahren wegen der Sachbeschädigungen eingestellt worden. Mit Vandalismus an Autos hatte – nach den seltsamen Auftritten des Mannes im Hofladen des Schwalbenhofs die beiden Tage zuvor – kurz nach Mitternacht der mehrstündige Zerstörungszug durch die beiden Teilorte von Bad Herrenalb begonnen, der mit der Festnahme des barfüßig, verschmutzt und nach Rauch riechend gen Rotensol marschierenden Mannes noch am Morgen des Großbrandes geendet hatte.

Staatsanwalt Benjamin Bräutigam blieb in seinem Plädoyer bei dem, was er schon in der Anklage gesagt hatte: Zum Schutz der Allgemeinheit und wegen der Gefahr ähnlicher Delikte sei der seit 2002 immer wieder psychisch schwer erkrankte Mann in eine geschlossene Klinik einzuweisen. An der Täterschaft gebe es "keinerlei Zweifel". Weil aber auch alles für eine Schuldunfähigkeit spreche, sei der Beschuldigte für die begangenen Brandstiftungen freizusprechen.

Pflichtverteidiger Rainer Reichle hatte sich – im Interesse der geschädigten, die Verhandlung im Tübinger Schwurgerichtssaal verfolgenden Landwirtsfamilie – beim Gutachter erkundigt, ob denn für die Eheleute und ihren Schwalbenhof eine weitere Gefahr von seinem Mandanten ausgehe. Ganz ausschließen hatte das der Facharzt Christian Rohner nicht wollen, aber auch für "nicht sehr wahrscheinlich" gehalten.

Verteidiger zweifelt Verantwortung nicht wirklich an

Zwar zweifelte der Verteidiger nicht wirklich an, dass sein Mandant für die Brandstiftungen verantwortlich war. Er sah sich aber auch in seiner Pflicht als bestelltes "Organ der Rechtspflege", die Beweislage für nicht völlig lückenlos und damit ausreichend für einen Schuldspruch zu halten. Er wertete die DNA-Spuren an zwei beim Birkenhof gefundenen Textilien und die Aussagen der Zeugen, die den apathisch wirkenden Mann am Brandort gesehen hatten, zwar als starke Indizien, fehlende Nachweise etwa von Brandbeschleunigern aber auch als entlastend. Reichle beantragte auch deshalb Freispruch in der Sache.

Ob sein Mandant die verheerenden Folgen seiner Brandstiftungen beabsichtigt und überhaupt habe realisieren können, vermochte er nicht zu beurteilen. Seinen weiteren hilfsweisen Antrag auf Unterbringung verband der Verteidiger mit dem Hinweis, "geänderte Umstände" müssten Gewähr bieten, dass sein Mandant auch nach einer eventuellen Entlassung aus dem Maßregelvollzug in der Klinik niemandem mehr gefährlich werden könnte. Damit deutete er an, dass die bisherige Betreuung durch den Vater auch in mehreren Jahren nicht mehr möglich sein solle.

Das bekräftigte auch der Kammervorsitzende Ulrich Polachowski in seiner Urteilsbegründung. Ein Leben in Freiheit sei für den Mann, wenn überhaupt je, noch in weiter Ferne: "Und Sie werden nie mehr die Freiheit haben, Ihre Medikamente zu nehmen oder nicht", sagte er an den Mann gewandt. Er habe nicht nur bei den Brandstiftungen selbst "ganz in seiner eigenen Welt gelebt". Ihn jetzt unbefristet sicher zu verwahren und auch nach einer denkbaren Entlassung "mit guten Antennen engmaschig zu betreuen", so Polachowski, "das schuldet man der geschädigten Familie".

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