Im Bad Herrenalber Kurpark gibt es dieses Jahr vom 8. Juni bis 8. Juli einen Kultursommer. Foto: Becker

Eigenbetrieb Touristik fährt 2017 rund 500.000 Euro Verlust ein. Kostendeckende Arbeit nicht möglich.

Bad Herrenalb - Nach der Gartenschau 2017 lädt die Stadt Bad Herrenalb vom 8. Juni bis 8. Juli zum "Kultursommer 2018" ein. Zwar wird der Haushaltsplan erst am 25. April verabschiedet, doch genehmigte der Gemeinderat hierfür jetzt schon ein Budget in Höhe von 30.000 Euro.

Nina Schäfer, neue Touristik-Geschäftsführerin, die auch die Leitung des Stadtmarketings innehat, meldete sich bei der Haushaltsberatung zu Wort. Sie lobte erst einmal die gute Infrastruktur. Das sei bei einer Stadt mit knapp 8000 Einwohnern gar nicht selbstverständlich. Die ehemalige Veranstaltungsleiterin der Gartenschau stellte in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend im Rahmen der Haushaltsberatung ihre Visionen vor.

Buntes Programm für Jung und Alt

Zuvor berichtete Stadtkämmerin Sabine Zenker von dem Ergebnis des Verwaltungsausschusses mit Blick auf den Eigenbetrieb Touristik. Über ein Investitionsprogramm (zum Beispiel Hirschpfad) soll beraten und dieses zum Beschluss dem Gemeinderat empfohlen werden. Ende Juli, wenn der Kultursommer vorbei ist und die Zahlen vorliegen, will man über eine Fortsetzung entscheiden sowie dem Gemeinderat einen Vorschlag unterbreiten. Die Überprüfung der Strukturen sind noch in Bearbeitung.

Beim "Kultursommer 2018" ist geplant, ein Zelt im Kurpark (circa 15/20 mal 25 Meter) mit Bühne aufzustellen. Rund um die Aufführungen des Sommernachtstheaters ist ein buntes Programm für Jung und Alt vorgesehen – mit Konzerten, Kino und Vereinsauftritten. Das Areal ("zentraler Teil des Kurparks") muss wegen des Eintritts eingezäunt werden. Gastronomie ist zudem angedacht.

Schäfer nannte die Nähe des Kurhauses als ideal. War bei der Gartenschau die Schweizer Wiese der Bühnenstandort, so wolle man nun, dass im Kurpark "ein neuer Eindruck entsteht".

Bürgermeister Norbert Mai zeigte sich beeindruckt. Die Gartenschau werde in Erinnerung gerufen. Eine Pflanze werde gesetzt, die man wässern müsse, sodass eine große Sache daraus entstehe.

Weil die Zeit dränge, um noch etwas Ansprechendes auf die Beine stellen zu können, dürfe nicht bis zur Haushaltsverabschiedung gewartet werden, erklärte Mai.

Trendthemen weiterentwickeln

Schäfer möchte Bad Herrenalb "als zukunftsfähige Tourismusdestination am Markt mit eindeutigen Profilthemen" weiterentwickeln. Und als attraktiven und lebendigen Wohnstandort etablieren. Hierbei führte sie auf: alle Akteure mitnehmen, Wir-Gefühl stärken und ein facettenreiches Veranstaltungsprogramm.

Der Bekanntheitsgrad soll gesteigert werden. "Bad Herrenalb als touristische Destination – regional, überregional und international". Vor allem die Schweiz, Frankreich und die Niederlande seien hier im Fokus.

Ein weiteres Ziel lautet Imagewandel. Die Gruppe "Best Ager" soll gehalten und gepflegt werden, die Ansprache von Familien und Aktivurlaubern möchte Schäfer intensivieren. Trendthemen (Gesundheit und Wellness, Wandern, Outdoor-Aktivitäten) gelte es weiterzuentwickeln. Die Touristik-Chefin sprach von einer zukunftsfähigen Inszenierung der Prädikate "Heilbad" sowie "Heilklimatischer Kurort". Die Erhöhung der Gästezufriedenheit wurde ebenfalls genannt.

Schäfer klärte auf: Stadtmarketing sei der Ansatz der zielgerichteten Gestaltung und Vermarktung einer Stadt basierend auf der Philosophie der Kundenorientierung. Es diene der nachhaltigen Sicherung und Steigerung der Lebensqualität der Bürger und der Attraktivität der Stadt im Standortwettbewerb.

Es gelte, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und Kräfte zu bündeln. Stadtmarketing setze grundsätzlich immer auf Kooperation und Konsens aller Akteure. Schlagworte waren auch Tourismusbewusstsein stärken, Servicebewusstsein erhöhen sowie Qualitätsbewusstsein schärfen.

Als Maßnahmen zählte Schäfer die Kommunikation und Interaktion mit sämtlichen Akteuren auf, ein gesamtstädtisches Veranstaltungsmanagement, die Entwicklung kultureller Höhepunkte sowie die Etablierung des Kurhauses als kulturelles und kommunikatives Forum.

Künftig soll es laut Schäfer eine professionelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit geben, themenspezifische Broschüren und einen Ausbau der Online- und Social-Media-Kanäle.

Flaggschiff in der Region

Bis zum Ja für die 30.000 Euro für den Kultursommer, die im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Gartenschau verbucht werden, gab es im Gremium ein langes Hin und Her. Reinhard Domke (BF-BHA) erklärte, er halte nichts vom Kultursommer und vom Einzäunen des Kurparks. Die Wiesen würden zerstört.

Mit Blick auf die knapp 500.000 Euro Verlust im Wirtschaftsplan 2018 des Eigenbetriebs Touristik sagte sein Fraktionskollege Andreas Tockhorn, dass man so das gesteckte Ziel "Einnahmen gleich Ausgaben" nie erreichen könne. So seien die ewigen Diskussionen sinnlos. Das müsse man sich eingestehen. Bürgermeister Mai erinnerte hierbei an die Diskussion, ob Bad Herrenalb kein Tourismusstandort mehr sein solle, sondern nur noch eine Wohngemeinde. Er erinnerte an die Tradition, Bad Herrenalb habe einen guten Namen. Als Tourismusstandort sei die Siebentälerstadt in der Region ein Flaggschiff.

Wenn es Kommunen schlecht gehe, werde immer Stellenabbau und eine Reduzierung des Kulturetats angesprochen, so Mai. Allerdings sei in Bad Herrenalb seit den vergangenen 15 Jahren der Personalstand gleich. Bei der Kinderbetreuung gehe er nach oben. Es gebe viele Pflichtaufgaben. Das Personal ("Spezialisten") könne nicht mehr ohne Weiteres hin- und hergeschoben werden.

Michael Theis (GL) sprach sich für eine "Gesamtzusammenstellung" aus, um vor Augen zu haben, welche Empfehlungen der Verwaltungsausschuss dem Gemeinderat unterbreitet. Gebe es doch keinen kontinuierlichen Wissensstand. Sein Fraktionskollege Manfred Senk meinte, man müsse sich auf seine Ratsmitglieder verlassen können. Wenn kein Vertrauen vorhanden sei, könne man alles bleiben lassen.

Rathauschef Mai konstatierte, im Grunde drehe sich alles ums defizitäre Thermalbad. Hierfür werde Geld aus dem Verwaltungshaushalt genommen. Um eine Lösung zu finden brauche man Zeit. Jeder Investor müsse erst einmal ernst genommen werden.

Weil vor der Haushaltsberatung über die Stadtentwicklung 2030 informiert wurde, stellte Kämmerin Zenker fest, dass jetzt im Verwaltungsausschuss über das Haushaltssicherungskonzept beraten werden könne. Beispielsweise gehe es dabei um den Verkauf von Immobilien. Alle Themen würden durchgearbeitet, um dem Rat Empfehlungen geben zu können.