„Albtal.Abenteuer.Track“: Mit einem Routenplaner kommt man auch im Bad Herrenalber Kurpark nicht ab von der Crosswander-Tour. Das zeigte Marketingmann Sven Lorenz bereits 2018. Foto: Gegenheimer

Bad Herrenalb hat den Anstoß gegeben: Tourismusgemeinschaft Albtal Plus und Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald – eine Doppelmitgliedschaft ist finanziell nicht länger möglich.

„Für uns ist es ein richtungsweisendes Thema, das die touristische Zukunft der Region prägen kann. Und wir sehen auch, dass wir mit vielen Dingen, die wir machen, von unserer Größe her mittlerweile an Grenzen stoßen“, sagt René Skiba, Geschäftsführer der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir haben uns in den letzten zehn Jahren gut aufgestellt als Qualitätsregion Wanderbares Deutschland und als nachhaltiges Reiseziel. Ähnlich funktioniert das auch im Albtal, das ebenfalls professionell aufgestellt ist. Auf dieser Basis können wir viel bewegen.“

 

Erste Gespräche und Projektgruppe

In den ersten Treffen der beiden Geschäftsstellen wurden in einer gemeinsamen Projektgruppe bereits inhaltliche Schnittmengen und mögliche Synergien ausgelotet. Dabei kristallisierten sich als zentrale Ebenen die touristischen Inhalte und die Finanzen heraus.„Inhaltlich haben wir viele verbindende Elemente“, so Skiba. Der Schwarzwald und der Naturpark, der bis nach Karlsruhe reicht, seien eine gemeinsame Klammer. Während der Nördliche Schwarzwald stark beim Wandern ist, punktet das Albtal beim Radfahren und Mountainbiken, sowie dem „Albtal-Abenteuer-Track“. Auch kulturell ergänze man sich. Städte wie Calw und Nagold im Nördlichen Schwarzwald sowie Ettlingen im Albtal stünden für hochkarätige Veranstaltungen.

Zudem spielt die Kulinarik eine große Rolle mit den „Feinen Adressen“ im Albtal und den Naturpark-Wirten im Nördlichen Schwarzwald. Hinzu kommt ein breites Wellnessangebot, das dann mit Waldbronn mit insgesamt fünf Thermen in der Region aufwartet.

Ressourcen bündeln

„Wir haben viele Möglichkeiten, uns thematisch so aufzustellen, dass wir nach außen schlagkräftig kommunizieren können“, betont Skiba. Neben den touristischen Inhalten sei die finanzielle Dimension entscheidend. „Alle sind im Moment gezwungen, Budgets effizienter einzusetzen“, so Skiba. Durch einen Zusammenschluss könne man Ressourcen bündeln und Doppelstrukturen vermeiden.

18 Gemeinden und fast zwei Millionen Übernachtungen

Konkret würde eine Fusion 18 Gemeinden und fast zwei Millionen Übernachtungen umfassen. „Das wäre ein echtes Schwergewicht im Tourismus von Baden-Württemberg“, erklärt Skiba. Doch die Herausforderung sei nicht zu unterschätzen: „Von Nagold bis Ettlingen gilt es, die Akteure zusammenzubringen. Nicht nur die Kommunen, sondern auch die Leistungsträger. Sie müssen überzeugt sein, in der Region aktiv mitzuwirken.“

Gleichzeitig liegen mit Karlsruhe und Stuttgart zwei große Quellmärkte direkt vor der Tür. Das eröffne Chancen nicht nur im Bereich Übernachtung, sondern auch im Tagestourismus. „Gerade bei Tagesausflügen sehe ich viel Potenzial. In gemeinsamer Arbeit können wir das Profil der Region schärfen und die Ansprache unterschiedlicher Gästegruppen verbessern“, so Skiba. Ein Zusammenschluss könnte zudem die Position des Nordschwarzwalds im Gesamtschwarzwald stärken. „Während der Hochschwarzwald im Süden sehr stark ist, hätten wir hier im Norden eine größere Einheit, die Kräfte bündelt. Das tut dem Schwarzwald insgesamt gut und es sind gute Argumente, wenn es darum geht, neue Projekte, Fördergelder oder auch touristische Attraktionen in die Region zu holen.“

Nächste Schritte und Zeitplan

Ein erstes Exposé wurde bereits den Vorständen von Albtal Plus und dem Aufsichtsrat der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald vorgestellt. Diese gaben nun grünes Licht, eine Agentur zu beauftragen, die den Organisationsprozess begleitet. „Die Agentur wird uns helfen, mit Workshops und Leitlinien ein Konzept zu entwickeln und ein Kommunikationspapier zu erstellen“, erläutert Skiba.

Erster Konzeptentwurf

Bis Ende dieses Jahres soll ein erster Konzeptentwurf vorliegen, Anfang 2026 soll er den Gremien präsentiert werden, samt Finanzierungsplan und Strukturvorschlägen. Ziel sei eine gemeinsame Organisation, die nicht nur projektbezogen kooperiert, sondern auch organisatorisch und strategisch vereint auftritt. Ob die neue Einheit den Namen „Nördlicher Schwarzwald“ behält, wo der Sitz liegen und wie viele Mitarbeitende die Gesellschaft haben wird, sind Fragen, die im laufenden Prozess geklärt werden sollen.

Neues Logo und gemeinsame Außendarstellung?

Auf der CMT (Caravan – Motor – Touristik), der weltweit größten Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit, wird es 2026 in Stuttgart zwar noch keinen gemeinsamen Messeauftritt geben, doch die Richtung ist erkennbar. „Wir werden enger zusammenrücken. Vielleicht stehen wir am gleichen Counter, aber noch nicht mit einer gemeinsamen Kommunikationslinie“, betont Skiba.

Langfristiger Fahrplan

Der Fahrplan ist langfristig: Ab dem Tourismusjahr 2027 könnte eine neue Kommunikationsstrategie greifen, möglicherweise mit neuem Logo und gemeinsamer Außendarstellung. „Der Wille ist da. Wir haben festgestellt, dass es inhaltlich und finanziell Sinn macht, zusammenzuarbeiten“, betont Skiba. Am Ende aber müssten auch die kommunalen Gremien zustimmen. Ob es also tatsächlich zur Fusion von Albtal Plus und der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald kommt, ist noch offen.