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Bad Herrenalb 94-jährige Ärztin behandelt noch immer

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Margarete Zeller in ihrem Behandlungszimmer in Bad Herrenalb. Foto: Seibel

Bad Herrenalb - "Bitte schön, mein Herr, kommen Sie herein." Margarete Zeller trägt weißen Kittel, Brille und ist in allem sehr entschieden, sie führt den Patienten ins Behandlungszimmer. "Das ist eine Wunderspritze", sagt sie lachend zu dem 77-Jährigen und setzt die Nadel direkt im Pomuskel an. "Vitamin B12 und Echinacea, einmal die Woche – das wirkt stärkend." Der Senior hält geduldig hin, die Prozedur kennt er, keine fünf Minuten dauert sein Arztbesuch. "Ich bringe Ihnen demnächst noch einen Eimer Kartoffeln vorbei", sagt er zum Abschied, "herzlichen Dank, Frau Doktor."

Patienten sind vor allem Rentner

Es sind vor allem die Rentner, die in der kleinen Praxis im Kurort Bad Herrenalb (Kreis Calw) ein- und ausgehen. "Viele frühere Patienten sind mittlerweile verstorben", sagt Zeller nachdenklich. Sie selbst hat ein Alter erreicht, in dem das Arbeitsleben eigentlich längst vorbei ist. Die Ärztin ist 94 und praktiziert noch immer. Es macht ihr Spaß, das sieht man ihr an. Ihr Händedruck ist fest, bei ihren Diagnosen profitiert sie von Jahrzehnten an Erfahrung. Eine Kassenzulassung und festangestellte Arzthelferinnen habe sie nicht mehr, sagt die rüstige Medizinerin, die vor allem Privatpatienten behandelt und allen anderen auch mal unentgeltlich einen Rat gibt. "Wer mich braucht, für den bin ich da", das ist ihr Grundsatz. Selbstverständlich sei sie rund um die Uhr erreichbar, auch nachts gehe sie ans Telefon, versichert die Medizinerin. Früher hat sie die Praxis zusammen mit ihrem Mann betrieben, einem HNO-Arzt – doch der lebt nicht mehr.

Theoretisch könnte Zeller arbeiten, bis ihr die Kräfte ausgehen. Eine Altersgrenze für Ärzte, die Privatpatienten behandeln, gibt es in Deutschland nicht. Eine für kassenärztliche Vertragsärzte gab es, doch die Gesundheitsreform kippte sie im Jahr 2008. Der Ärztemangel brachte den Umschwung, es fehlt an Nachwuchs. Seither dürfen Mediziner auch über das 68. Lebensjahr hinaus wieder eine eigene Praxis haben.

Versorgungssituation immer schwieriger

Obwohl die Zahl der Ärzte in Baden-Württemberg so hoch ist wie noch nie zuvor, wird die Versorgungssituation immer schwieriger, vor allem in ländlichen Regionen. Ulrich Clever, der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, ist besorgt. "In den nächsten fünf Jahren werden in Baden-Württemberg etwa 500 Hausärzte keinen Nachfolger finden." Die Rechnung ist simpel: Den jährlich 250 bis 300 ausscheidenden Ärzten stünden rund 180 neue Fachärzte gegenüber.

Ärzte im Ruhestand sind angeschrieben worden, ob sie nicht wieder in eine Praxis zurückkehren wollten. "Wir brauchen die älteren Kollegen, wir sind froh, wenn sie noch arbeiten", betont Clever. Ein Alterslimit für Mediziner oder eine fachliche Nachprüfung lehnt er ab, er setzt auf den gesunden Menschenverstand: "Wer schlecht sehen kann, wird schon von sich aus nicht mehr operieren." Die Kassenärztliche Vereinigung will im Kampf gegen den Ärztemangel sogar eigene Hausarztpraxen betreiben. 20 bis 30 solcher Praxen im Südwesten sind geplant.

Aufhören? Kommt nicht in Frage

Ans Aufhören denkt Zeller nicht. Mit Tricks behilft sie sich gegen die Vergesslichkeit, die ihr zu schaffen macht. Sie hat eine Hauswirtschafterin, die für sie kocht und sich ums Alltägliche kümmert. Zeller führt forschen Schrittes durch ihr Reich. Der Schreibtisch aus den 60er-Jahren, als sie im Schwarzwälder Kurort ihre Praxis eröffnet hat, tut noch immer gute Dienste. Die Einrichtung ist museal, vom Gynäkologiestuhl bis zur Liege; mit Modernisierungen hat Zeller sich nie aufgehalten.

Auf Vorsorge pfeift Margarete Zeller. Sie selbst geht nur selten zum Arzt. "Warum auch, bin ich doch selbst", sagt sie. Sie ist fit, fährt Auto, ist Vorsitzende des Stadtseniorenrats, den sie selbst mitgegründet hat. Im alten Kurbad treffen sich die älteren Semester, den Umbau des Gebäudes hat Zeller aus eigener Tasche finanziert. Alle zwei Wochen leitet sie das Gedächtnistraining in vertrauter Runde, manchmal gibt sie Ernährungstipps. Morgens eine Tasse Kefir, das ist ihr Frühstück, sie züchtet den Pilz selbst. "Schauen Sie meine Haut an", sagt sie auffordernd, Kefir halte einfach jung.

Ihre Redaktion vor Ort Bad Wildbad

Markus Kugel

Fax: 07051 20077

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