Gängige Betrügertricks sind Schockanrufe, Betrüger bedienen sich hier schon einer Sprach-Nachahmung mittels KI . Foto: Hildenbrand/dpa

Warum man Schock-Anrufe einfach beendet sollte, man weder Geld noch Schmuck aushändigen sollte und welches die neueste Betrugsmasche ist – die Polizei klärt auf.

Die Maschen der Ganoven sind perfide. Marquardt vom Polizeipräsidium Konstanz, Referat Prävention, klärte auf und gab Tipps.

 

„Die gängigen Maschen sind immer wieder von Erfolg gekrönt, dabei können auch junge Leute zum Opfer werden“, so Marquardt. Dennoch sind meist ältere Personen Opfer der Betrüger.

„Die Lage ist ernst. Es vergeht keine Woche im Polizeipräsidium in dem nicht Personen durch Betrug teils erheblich zu schaden kommen. Zuletzt war dies bei einem Fall in Rottweil mit Geld und Gold im Wert von einer halben Million Euro der Fall.“

Enkeltrick mittlerweile bekannt

Enkeltrick Zwar sei der Enkeltrick mittlerweile recht gut bekannt, der funktioniere aber freilich immer noch. Ein Anrufer gibt sich als Enkel aus, erklärt er sei in einer Notsituation, brauche dringend Geld, könne das Geld aber nicht abholen und schickt einen Bekannten, der das Geld bei der besorgten Oma abholt. Bei Schockanrufen ruft beispielsweise die angebliche Tochter die Mutter an und sagt sie habe eine Frau überfahren und die sei gestorben. Sie brauche dringend Geld für eine Kaution, um nicht ins Gefängnis zu kommen. Eine angebliche Polizeibeamtin gibt telefonisch den Ablauf der Geldübergabe durch.

Keine Kaution bei Verkehrsdelikten

Keine Kaution „Für solche nicht vorsätzlichen Taten wie beispielsweise Verkehrsdelikte gibt es in Deutschland keine Kaution“, schärft Marquardt seinen Zuhörern ein. Beim Schockanruf werde man aber fortlaufend telefonisch bearbeitet. „Man ist dann im Tunnel drin, kommt nicht mehr in das logische Denken hinein.“ Die beste Lösung sei einfach aufzulegen. Dies fällt allerdings alles andere als leicht.

Marquardt hatte den Mitschnitt eines original Schockanrufes dabei. Als die angebliche Tochter unter Tränen und schluchzen berichtet, dass sie eine Frau überfahren habe und nun dringend Hilfe brauche. Der Anruf klingt durch die schauspielerische Leistung der Betrügerin absolut echt.

Falscher Vorwand für Polizeieinsatz

Der Trick, dass ein falscher Polizist anruft und und meint in der Nachbarschaft sei eingebrochen worden und noch flüchtige Diebe wollten auch das Haus des Anrufers überfallen, verfängt immer wieder. Der Angerufene solle daher zur Sicherheit Wertsachen und Geld der Polizei aushändigen. „Wir als Polizei werden niemals Geld oder Wertsachen an uns nehmen“, stellt Marquardt klar.

Echte Polizeieinsätze Die Betrüger würden oftmals aber tatsächlich erst einmal echte Polizeieinsätze in der Nachbarschaft lancieren. „Die rufen bei der Polizei an, dass die in der Nachbarschaft verdächtige Personen gesehen haben. Streifenwagen fahren an dem Haus des Opfers vorbei, dass so denkt, das wird mit den Einbrüchen schon seine Richtigkeit haben.“

Polizei sammelt niemals Wertsachen ein

Gebe es tatsächlich Hinweise, dass in ein bestimmtes Haus eingebrochen werde soll, würde sich die Polizei möglicherweise in zivil auf die Lauer legen, aber eben niemals Geld oder Wertsachen einsammeln „Sie müssen mal überlegen, wo sollen wir denn beispielsweise Schmuck aufbewahren, das geht doch gar nicht.“

Wenn die Polizei tatsächlich anrufe, sei die Nummer des Reviers zu sehen, nicht aber die 110. Betrüger würden gerne so das Telefon manipulieren, dass auf dem Diplay 110 erscheine. „Die 110 ist nicht zu sehen, wenn sie von der Polizei angerufen werden. Sie können die 110 aber jederzeit anrufen, dort meldet sich die echte Polizei.“

Falsche Gewinnbenachrichtigung

Auch immer noch gerne benutzt die falschen Gewinnermittlungen. „Gerade heute kam wieder eine E-Mail an unser Präsidium wir hätten zwei Millionen Euro gewonnen. Ich muss jetzt nur noch meinen Chef überzeugen, dass er die paar tausend Euro Verwaltungsgebühr bezahlt, damit wir den Gewinn ausbezahlt bekommen“, grinst Marquardt ob der bekannten Masche.

Stephan Marquardt warnt vor den dreisten Methoden von Betrügern. Foto: Heinz Wittmann

Whatsapp und KI-Stimme Auch immer noch beliebt ist der Whatsapp-Betrug. Die Tochter oder der Sohn haben angeblich eine neue Handynummer und bitten sie eine Überweisung an eine unbekannte Kontonummer zu tätigen, da sie oder er mit dem aktuellen Handy kein Onlinebanking machen könne. „Im Zweifel Sohn oder Tochter unter der alten Handynummer anrufen, dann hat sich die Sache meist schon geklärt.“

KI ist seit neuestem mit im Spiel

Die voranschreitende Künstliche Intelligenz (KI) könnten auch Betrüger nutzen. „Wenn die Stimme der Tochter sich dank der KI auch noch exakt wie die Tochter anhört, wird es für die ausgesuchten Opfer noch schwerer die Täuschung zu erkennen“, so Marquardt.