Nicht immer bekommt man über die Hotline die richtige Antwort. Das musste eine 57-Jährige am eigenen Leib erfahren. Foto: dpa

57-jährige Frau von Gebühren überrascht. Bei Hotline informiert. Kabel BW erlässt Kosten "aus Kulanz".

Bad Dürrheim - Ärger mit ihrem Telefonanbieter, in diesem Fall mit Kabel BW, hatte eine 57-jährige Frau aus Bad Dürrheim. Bei ihr sind überraschend hohe Telefongebühren aufgelaufen.

Ihre Tochter verbrachte den Jahreswechsel auf Réunion, einer Insel im indischen Ozean. Im Vorfeld wollte die Mutter auf Nummer sicher gehen und die Telefongebühren nach Réunion abklären. Zwei Mal rief die 57-Jährige deshalb bei der Hotline von Kabel BW an. Und beide Mal sei ihr versichert worden, dass der Ländertarif angewendet werde, also 29 Cent pro Minute fällig würden, wie für Telefonate nach Frankreich üblich, erklärt sie gegenüber dem Schwarzwälder Boten. Schließlich sei Réunion französisch, hätten die Hotline-Mitarbeiter ihr gegenüber begründet, auch wenn es weit weg, östlich von Madagaskar, liege.

In diesem Glauben telefonierte die Mutter mehrere Male ausgiebig mit ihrer Tochter. Doch die erste Überraschung kam für die 57-Jährige dann mit der Dezember-Rechnung, die sie Mitte Januar erhielt, als schon eines der Übersee-Gespräche mit einer Summe von 41 Euro auftauchte. Auf Nachfrage habe Kabel BW dann mitgeteilt, es werde der Afrika-Tarif berechnet, also 99 Cent pro Minute bei Anrufen nach Réunion.

Mittlerweile war auch das Telefon der 57-Jährigen gesperrt worden. "Ohne mich vorher zu benachrichtigen", beschwert sich die Betroffene. Begründet habe Kabel BW die Vorgehensweise, dass die anfallenden Telefongebühren im Januar auf über 500 Euro explodiert seien. In den Geschäftsbedingungen werde informiert, dass beim Verdacht von Zahlungsunfähigkeit die Leitung gesperrt werden könnte, hat sich die 57-Jährige schlau gemacht.

Der Pressesprecher von Kabel BW, Helge Buchheister, wertet diese Maßnahme allerdings anders. Das Sperren des Telefons bei ungewöhnlich hohem Gebührenaufkommen sei eine "Schutzmaßnahme" im Sinne des Kunden. Außerdem sei das Telefon nach wie vor erreichbar und Notrufnummern könnten auch weiterhin angewählt werden. Nach Réunion gelten tatsächlich die 99 Cent pro Minute. Es sei für Kabel BW nicht nachprüfbar, ob die Kundin bei ihren anfänglichen Nachfragen tatsächlich falsch informiert wurde. "Aus Kulanz" würden ihr nun die Telefonkosten für die Réunion-Gespräche erlassen, so Buchheister.

Mittlerweile sei ihr Telefon wieder frei geschaltet, freut sich die 57-Jährige. "Eigentlich wechselt man den Anbieter, wenn man so was erlebt." Doch sie werde weiterhin bei Kabel BW bleiben, weil in ihrer Wohngegend in Bad Dürrheim Kabel BW die schnellste Internetleitung habe. Außerdem gebe es bei anderen Anbietern ähnliche Missstände. Verantwortlichkeiten würden ausgelagert, und bei den Telefon-Hotlines bleibe Kompetenz auf der Strecke.