Begutachten die Streuobstwiese in Öfingen (von links): Stefan Walther, Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbandes, Ulrich Lössl, Geschäftsführer des Bad Dürrheimer Mineralbrunnens, Landwirt Timo Manger und Landrat Sven Hinterseh. Foto: Kaletta Foto: Schwarzwälder Bote

Mineralbrunnen: Kooperation mit Landschaftserhaltungsverbandes und Besitzern von Streuobstwiesen

Bad Dürrheim (kal). Streuobstwiesen gelten als ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft. Um diese zu erhalten, hat die Bad Dürrheimer Mineralbrunnen GmbH sich entschieden, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Noch in diesem Jahr soll eine Streuobstschorle produziert werden.

Streuobstwiesen, so informierte Stefan Walther, Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbandes, seien seit den 1959er-Jahren landesweit zurückgegangen, was leider auch im Schwarzwald-Baar-Kreis zu beobachten sei. Viele Flächen seien der Bebauung von Wohn- und Gewerbegebieten zum Opfer gefallen. Sie gehören zu den landwirtschaftlichen Flächen mit besonders hohem Wert für die Erhaltung der biologischen Vielfalt, da sie für mehr als 5000 Tier – und Pflanzenarten Lebensraum bieten. Da die Früchte oftmals massenweise unbeachtet unter den Bäumen liegen, sei der Gedanke an eine Vermarktung von Äpfeln gekommen.

"Nichts lag näher, als darüber mit dem Bad Dürrheimer Mineralbrunnen zu sprechen, der sich ohnehin auf der ökologischen Schiene stark engagiert", sagte Landrat Sven Hinterseh beim Ortstermin inmitten der Streuobstwiesen auf der Gemarkung Öfingen, wo sich ein herrlicher Blick über die Baar bis hin in den Schwarzwald bot und auch der Anblick von dicht behangenen Apfelbäumen.

Mit seinem Vorschlag für die Vermarktung des Obstes stieß der Landrat und der Vorsitzender des Landschaftserhaltungsverbandes, beim Geschäftsführer von Bad Dürrheimer, Ulrich Lössl, sofort auf offene Ohren. Ein Produkt, das Landwirte erzeugen, solle in die Nahrungsproduktkette gebracht werden, nämlich die Streuobstschorle, damit werde die Idee einer Vermarktung ins Laufen gebracht. Es werde Spaß machen, aber es sei auch eine Herausforderung, so Lössl.

Die Fläche in Öfingen wird von Nebenerwerbslandwirt Timo Manger bewirtschaftet und ist teilweise Eigentum der Stadt Bad Dürrheim. 33 junge Bäume wurden gepflanzt und in der Trockenheit regelmäßig gegossen, so dass alle erhalten blieben. Die bestehenden Apfelbäume seien bis zu 80 Jahre alt. Sie regelmäßig mit einer großen Astschere fachgerecht zu beschneiden, sei eine "Sträflingsarbeit", schmunzelte Manger und erinnerte sich, dass früher die Äpfel von den Kindern aufgesammelt wurden. Heute würde sich diese Arbeit nicht mehr lohnen, da von einer Mosterei für einen Doppelzentner Äpfel drei bis vier Euro bezahlt werden.

Marketingleiter Michael Neuenhagen sprach von einem zweistufigen System mit einer echten Besonderheit. Für den Doppelzentner dieser Früchte sollen 20 Euro bezahlt werden und für die Mosterei ein Aufpreis von zehn Euro. Von jeder verkauften Flasche sollen zehn Cent für Naturschutzprojekte bereitgelegt werden, um neue Bäume zu kaufen, oder Baumschnittkurse anbieten zu können. Regelmäßig müsse ein Verjüngungsschnitt durchgeführt werden, damit die Bäume nicht zusammenbrechen.

Viel Wert werde auf die "guten, alten" Apfelsorten gelegt, davon gäbe es in der hiesigen Region 30 bis 40 Sorten. Im Gebiet Schwarzwald-Baar-Albtrauf-Wutachschlucht gäbe es rund 800 Obstbäume, davon könnten derzeit 650 beerntet werden, wusste Walther. Auf der Suche nach einer Mosterei wurde eine solche in Ewadingen gefunden, die entsprechend technisch und hygienisch eingerichtet ist und genügend Lagerkapazitäten hat. Im Oktober werden die Öfinger Landfrauen die Äpfel einsammeln. Im ersten Jahr, so blickte Lössl voraus, sollen 80 000 bis 100 000 Flaschen mit dem neuen Getränk abgefüllt und auf den Markt gebracht werden. Im nächsten Jahr könnte der Bedarf steigen.