Porträt von Derya Türk-Nachbaur mit Parolen beklebt. Partei erstattet Anzeige. Polizei ermittelt.
Bad Dürrheim - Einen Anschlag auf Wahlplakate mit ausländerfeindlichem Hintergrund hat der SPD-Ortsverein zu beklagen, betroffen ist besonders die 41-jährige Derya Türk-Nachbaur. Ihr Porträt war Ziel einer Überklebungsaktion auf insgesamt drei Plakaten der Sozialdemokraten mit Parolen von NPD und DLVH.
"Das ist mir sehr, sehr nah gegangen", sagt die in Deutschland groß gewordene Derya Türk-Nachbaur. Ihre Eltern wanderten 1970 aus der Türkei aus und leben noch heute in Paderborn.
Die 41-Jährige sieht sich als Beispiel für eine gelungene Integration. Sie hat in Marburg neue deutsche Literatur, Medienwissenschaften und Amerikanistik studiert und im Medienbereich gearbeitet. Die drei Wahlplakate seien vermutlich in der Nacht auf Sonntag überklebt worden. Nachdem der Vorfall am Sonntag bemerkt wurde, hatten Derya Türk-Nachbaur und ihr Mann am Montag Anzeige erstattet, unter anderem wegen Volksverhetzung und Beleidigung, aber auch wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, schließlich befand sich eines der betroffenen Plakate auf dem Grundstück der Nachbaurs. Der SPD-Ortsverein hat laut Vorsitzendem Walter Polaczek Anzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. "Das können wir so nicht stehen lassen", wehrt sich Polaczek im Sinne der Sozialdemokraten gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Seit eineinhalb Jahren wohnen die Nachbaurs in Bad Dürrheim. Mit Ausländerfeindlichkeit ist Derya Türk-Nachbaur kürzlich im Rahmen des SPD-Wahlkampfs konfrontiert worden. Da sei jemand auf sie am Stand zugekommen und habe gemeint, als Moslem habe sie hier nichts zu suchen. Sie solle in der Türkei Politik machen.
Aber es gab auch andere Reaktionen, vor allem von Menschen mit Migrationshintergrund, die die 41-Jährige in ihrem politischen Engagement bestärkten.