Inge Teichert setzt sich für Menschen mit Behinderungen ein.Foto: Strohmeier Foto: Schwarzwälder Bote

Behindertenbeauftragte: Inge Teichert hat die Einzelschicksale im Blick / Derzeit nur telefonischer Kontakt

Die Behindertenbeauftragte der Stadt Bad Dürrheim vertritt ehrenamtlich die Interessen von Menschen mit Behinderungen. In dieser Zeit haben es Menschen mit Behinderungen wegen Corona und der derzeitigen Wetterlage mit Schnee besonders schwer.

 

Bad Dürrheim. Menschen mit Gehbehinderungen, Rollstuhl- und Rollatorfahrer, Blinde und Sehbehinderte kommen nicht mehr aus der Wohnung. Es besteht ein hoher Bedarf an Nachbarschaftshilfe. Durch die Kombination Corona und Wetter sitzen viele chronisch Kranke, alleinlebende Senioren und behinderte Menschen alleine zu Hause.

Inge Teichert hat die Einzelschicksale im Fokus. Sie wird oft angerufen, da sich Betroffene häufig allein gelassen vorkommen, wenn sie nicht mehr raus können oder keinen Kontakt mit Ämtern bekommen. Derzeit steht sie mit der Stadt wegen Schneeräumungen in Kontakt.

In normalen Zeiten trifft sich Teichert einmal im Monat mit den Zuständigen der Stadt für Soziales und Integration und der Koordinationsstelle für das Ehrenamt. Teichert denkt auch an die Impfwilligen, die keinen Termin erhalten oder resigniert aufgeben. Die jährliche Statistik des Landratsamts weist in Bad Dürrheim 20 Prozent Menschen mit Behinderung aus. Dazu kommt eine Dunkelziffer, da nicht jeder seine Behinderung mitteilt.

Wenn die Behindertenbeauftragte auf Menschen trifft, bei denen sie eine Behinderung erkennt, spricht sie diese an. Die Kontakte laufen nach Voranmeldung über Einzelsprechstunden oder Hausbesuche.

Im Bistro Matisse findet einmal monatlich eine offene Sprechstunde von 14 bis 17 Uhr für alle Interessierten statt. Derzeit gibt es aber nur telefonischen Kontakt. Teichert weiß, welchen Aufwand es für Behinderte und Rheumatiker bedeutet, sich für den Tagesstart bereit zu machen. Deshalb ist es für sie wichtig, allen Menschen die Bedürfnisse von Behinderten nahezubringen. Wie sie erklärt, "sind Forderungen keine unnötigen Privilegien". Sie sagt dazu: "Diese Personengruppen wollen lediglich am alltäglichen Leben teilhaben. Dazu braucht es in der Stadt Barrierefreiheit, genügend öffentliche Toiletten und kontrastreiche Farben an bestimmten Stellen für Sehbehinderte."

Stadtspaziergänge mit Behinderten bieten immer wieder Überraschungen. Was passiert, wenn der Rollator auf einem abschüssigen Weg wegrollt? "Wie ist es möglich mit einem Blinden, in Coronazeiten ohne Berührung einen Spaziergang zu machen?" Solche Fragen werden kreativ angegangen. Mit Studenten der Hochschule Furtwangen hat Teichert in einem Experiment ein Check für Bushaltestellen gestartet. Sie erzählt: "Die Teilnehmer konnten Brillen mit verschiedenen Sehstärken oder totaler Farbenblindheit ausprobieren. Keiner der Teilnehmer schaffte es, mehr als einen Meter zu gehen. Als Leiterin der Selbsthilfegruppe für Rheumatiker ist für sie der Erfahrungsaustausch besonders wertvoll. Sie beantwortet Fragen: "Wie geht man mit Schraubdeckeln um und wie kann man Dosen öffnen, wenn die Kraft fehlt?"

Ihr vielfältiges und breites Arbeitsfeld bezieht sich auf praktische Dinge. Sie will Sensibilität für den öffentlichen Raum schaffen, aber auch beim Umgang mit Krankenkassen, den Rentenversicherern oder sonstigen Ämtern.

Für die gelernte Erzieherin, die mit behinderten Kindern gearbeitet hat, ist es wichtig mit Tatkraft und Herz zu helfen. Sie sieht die Dinge in einem größeren Rahmen und stellt fest, "ohne gegenseitigen Respekt, Achtung und Wertschätzung funktioniert kein Verein und auch keine Demokratie."