Kennt sich in der religiösen Welt aus und informiert derzeit häufig über den Islam: Bernhard Uhde im Bad Dürrheimer Pfarrsaal von "St. Johann". Foto: Hahnel Foto: Schwarzwälder-Bote

Islam-Kenner Bernhard Uhde erläutert Hintergründe / "Menschen nicht in Heilige und Verbrecher aufzuteilen"

Von Florian Hahnel

Bad Dürrheim. "Islam – eine bedrohliche Religion?" Der Vortragsabend des Theologen Bernhard Uhde war bestens besucht, auf Initiative des Bad Dürrheimer Generationentreffs Lebenswert ergab sich ein hoch informativer, aber keineswegs einfacher Gedankenaustausch.

Im katholischen Pfarrsaal von "St. Johann" war man auf den an der Freiburger Universität lehrenden Religionswissenschaftler Bernhard Uhde gespannt, im Vorwort gab sich auch Bürgermeister Walter Klumpp erfreut und stolz, einen profunden Kenner der religiösen Materie zum Referat begrüßen zu können.

Nein – der Islam ist im Kern nicht bedrohlich, darf als Fazit des Abends gelten, Uhde hatte jedoch manches "Aber" auf den Lippen und gewährte den deutlich über 100 Interessenten Einblicke in eine Weltreligion, die, wie alle weiteren, auch missverstanden und fehlinterpretiert werden könne.

Letztlich kreiste der Abend mit dem übrigens auch immer wieder scherzenden und augenzwinkernden Bajuwaren Bernhard Uhde um den Begriff "Bipolare Logik" – gemeint ist damit das Schwarz-Weiß-Denken einer religiösen Ausrichtung, der ganze 1,6 Milliarden Anhänger zugesprochen werden. "Gläubige und Nicht-Gläubige, wahr oder falsch, dazwischen nichts – diese klare Aufteilung im Islam kann problematisch sein und von extremistischen Naturen fehl- und eigeninterpretiert werden", so Uhde. Der 67-Jährige gewinnt auch dem Islam viel ab und lobt einzelne seiner religiösen Oberhäupter.

Ganz Bayer verwies der gebürtige Augsburger gleichsam und teils in deftiger Manier auf Anhänger, die eben nicht alles verstanden und die Weisheit nicht unbedingt mit den besagten Löffeln aufgenommen hätten – das natürlich beobachte man auch im Christentum.

Laut Uhde ist der Islam per se keine bedrohliche Religion, weil er zum Frieden und freundlichen Miteinander aufrufe. Jede Gewaltanwendung sei unzulässig, trotz besagter "Bipolaren Logik" dürfe niemand zum Übertritt gezwungen werden. Im Pfarrsaal wurde überdies auf etliche "profane Übersetzungsfehler" hingewiesen, etwa zum sogenannten Schwertvers im Koran. Uhde: "Nehmen Sie vier Übertragungen des Verses ins Deutsche oder etwa Französische – alle unterscheiden sich!"

Informationen satt beim Vortragsabend – alle Fragezeichen lösten sich auch diesmal aber nicht auf. Eine Interessentin fragte beispielsweise vor dem Hintergrund der Flüchtlingswelle, wie Integration überhaupt gelingen könne, wenn Asylbewerber mit dieser "Bipolaren Logik" nach Deutschland kämen. Uhde: "Längst nicht alle Flüchtlinge sind Muslime. Ansonsten gilt: Man muss an diese Logik heran, Menschen sind Mischwesen und nicht in Heilige und Verbrecher aufzuteilen. Das verstehen Muslime eigentlich schon, sie hören es nur nie!"

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