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Bad-Dürrheim Schicksal wirkt viele Jahre nach

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Eine detailgetreue Postkartenzeichnung zeigt die Hirschhalde im Jahr 1915. Zu dieser Zeit wurde das Haus – heute ein Seniorenstift – als Lazarett genutzt.Foto: Archiv Jürgen Kauth Foto: Schwarzwälder Bote

Vor 100 Jahren schloss das Reservelazarett Dürrheim. Wie später im Zweiten Weltkrieg wurden im damaligen Dürrheim auch im Ersten Weltkrieg alle großen Kureinrichtungen und Kinderheime als Lazarette genutzt. Jürgen Kauth, der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, blickt in die Geschichte zurück.

Bad Dürrheim. Die Häuser gehörten von 1914 bis 1920 zum Reservelazarett Bad Dürrheim und beherbergten schwer kriegsbeschädigte Soldaten. Zu den letzten Kriegsverletzten im Lazarett Hirschhalde, oben auf der Höhe in Richtung Biesingen, gehörte der Pionier Josef Weigel. Dieser, seines Zeichens Stabstrompeter der Kaiserlichen Armee, war in der ganzen Gegend bekannt. Wer dort oben vorbei spazierte oder die Geisinger Straße (wie sie damals hieß) per Fuhrwerk oder Automobil benutzte, hatte ihn schon mal am Straßenrand gesehen oder gehört.

Seine Verwundungen waren wohl die schwersten von allen Soldaten, die hier im Reservelazarett Dürrheim Heilung suchten. Daher hatten ihm seine Kameraden vom Landessolbad und vom Lazarett Hirschhalde aus Barmherzigkeit am Straßenrand einen kleinen wetterfesten Unterstand aus Holz zusammengezimmert, der auch immer mit frisch gepflückten Wiesenblumen verziert war. Ein handgemaltes Schild "Trompeter’s Ruhe" wurde ebenso dort angebracht. Dorthin trugen sie ihn jeden Tag und setzten ihn auf eine für ihn – als beidseitig Beinamputierter – angefertigten Bank, mit Kissen ausgelegt und deckten seinen Schoß mit einer Pferdedecke zu. Da auch sein linker Arm zerschossen war, knüpften sie ihm ein Bandereau – eine Trompetenschnur – aus einer im Landessolbad abmontierten Vorhangschnur mit Quaste, damit ihm die Trompete nicht auf den Boden fallen konnte. Ein strenger Plan regelte bei den Kameraden, wer abwechselnd neben dem Unterstand "Wache" hielt, falls der Trompeter ein Bedürfnis hatte. Dies galt als Ehrenpflicht.

So hatte er – der nur noch wenige Wochen zu leben hatte – wenigstens jeden Tag noch seine kleine Freude, wenn er die vorbeikommenden Menschen mit einem Trompetensignal begrüßen konnte. Als der Trompeter – wie leider erwartet – dann eines Tages auf seinem "Bänkle" für immer einschlief, versammelten sich alle Lazarett-Kameraden zum letzten Gruß. Rezitiert wurde, so die Überlieferung, aus Joseph Victor von Scheffels Werk "Der Trompeter von Säckingen": "Das ist im Leben hässlich eingerichtet, dass bei den Rosen gleich die Dornen steh’n, und was das arme Herz auch sehnt und dichtet, zum Schlusse kommt das Voneinandergehn. In deinen Augen hab’ ich einst gelesen, es blitzte drin von Lieb und Glück ein Schein: Behüt’ dich Gott, es wär zu schön gewesen, behüt’ dich Gott, es hat nicht sollen sein."

Das Schild "Trompeter’s Ruhe" wurde, nachdem der Unterstand zerfallen war, an einen Baum genagelt, weil es niemand übers Herz brachte, es wegzuwerfen. Noch bis in die 1950er-Jahre dachten die vorbeispazierenden Kurgäste, dass hier ein Trompeter begraben sei.

Im 19. Jahrhundert war die Hirschhalde ein Hotel- und Gaststättenbetrieb, mit einer Postkutschenstation. Im Jahr 1910 wurde das "Schwarzwaldhaus" erstellt und zum Waldhaus-Kurhotel erweitert. 1920, nach Auflösung des Reservelazaretts, kaufte die Landesversicherungsanstalt Baden das Haus und nutzte es bis in die 1980er-Jahre als Lungenheilanstalt.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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