Ein Wickeltischen, Utensilien fürs Baby und vor allem einen abgetrennten, ruhigen Raum finden Mütter künftig im Generationentreff Lebenswert in der Viktoriastraße. Wie wichtig ein solcher ist wissen Andrea Chandoni (von links), Germana Hauer, Adelheid Zeidler, Angelika Strittmatter und Wolfgang Götz vom Generationentreff. Foto: Cools

Nie mehr auf Toilette verbannt: Fünf Bad Dürrheimer Plätze tragen "stillenden Stern" des Hebammenverbandes.

Bad Dürrheim - Sie werden missbilligend angesehen, auf die Toilette verbannt oder sogar weggeschickt – stillende Mütter haben heutzutage kein einfaches Los. In Bad Dürrheim gibt es nun fünf Plätze, die als Rückzugsorte mit dem "stillenden Stern" ausgezeichnet wurden.

Drogeriemarkt, Lebensmittelgeschäft – die Wocheneinkäufe stehen mal wieder an. Doch gerade in solchen Momenten fällt den kleinsten Bürgern gern ein, dass sie hungrig sind. Dann gilt es für Mütter, zwischen all den Läden einen geschützten Platz zum Stillen zu finden, denn immer häufiger müssen sie dabei missbilligende oder sogar angewiderte Blicke über sich ergehen lassen.

Was in Villingen-Schwenningen bereits im Mai gestartet wurde, erhält nun auch in Bad Dürrheim Einzug. So prangt der so genannte "stillende Stern", der stillfreundliche Orte kennzeichnet, seit kurzem auch am Gebäude des Generationentreffs Lebenswert in der Viktoriastraße. Dass definitiv Bedarf besteht, Rückzugsorte für Stillende zu schaffen, da sind sich Hebammen wie auch Mütter einig.

"Auf einer Parkbank zu sitzen und stillen zu müssen ist einfach peinlich für die Mütter. Die einen denken, man macht auf tolle Mutter, die anderen fühlen sich gestört", weiß Andrea Chandoni vom Feriendorf Öfingen. Auch dieses ist Träger des stillenden Sterns. Die Mütter können sich dort in die Personalküche zurückziehen. Es gehe aber ausdrücklich nicht darum, sich zu verstecken, sondern die Möglichkeit zu haben, sein Baby in Ruhe stillen zu können, betont die Stillbeauftragte des Hebammenverbandes im Schwarzwald-Baar-Kreis, Germana Hauer. "Das ist eine Sache zwischen mir und meinem Kind. Ich geniere mich nicht, muss mir aber auch nicht die Blicke geben", fasst Chandoni zusammen. Neben dem Feriendorf und dem Generationentreff können stillende Mütter auch im Café Flair, im dm-Drogeriemarkt und im Haus des Gastes Zuflucht finden.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis beteiligen sich laut Adelheid Zeidler, der Vorsitzenden des Kreis-Hebammenverbandes, mittlerweile 69 Einrichtungen am Projekt "stillender Stern". "Erst vergangenes Jahr wurde eine stillende Frau aus einem Café im Kreis hinausgeworfen, weil ein älterer Herr das anstößig fand", erzählt Zeidler. So etwas dürfe einfach nicht sein. Man präsentiere ja auch nicht seinen Busen, sondern ernähre sein Kind diskret, erklärt Zeidler.

Glücklicherweise steige die Zahl der Stillenden insgesamt an. Vor 35 Jahren habe man darum kämpfen müssen, überhaupt stillen zu dürfen. Umso mehr freut sich die Hebammenvorsitzende darüber, dass sie nach der Auftaktveranstaltung des stillenden Sterns im Mai diverse Anfragen von Einzelhändlern und Einrichtungen wie Rathäusern erhalten hat.

In Bad Dürrheim können Mütter den Generationentreff nun von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr ansteuern und sich in einem Nebenraum in Ruhe der Tätigkeit des Stillens widmen. Letztlich gebe es bei dem Projekt sicher auch Synergieeffekte für den Einzelhandel, ist sich Angelika Strittmatter vom Generationentreff sicher. Wenn bekannt wäre, dass es in der Stadt stillfreundliche Orte gäbe, würde manche Mutter vielleicht häufiger einkaufen. "Das Wichtigste ist für uns einfach, dass die Frauen nicht weggeschickt oder auf die Toilette verbannt werden", spricht Hauer für Hebammen und Mütter.

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