Wie geht es mit dem Solemar weiter? Das ist wohl eine der Fragen, die am meisten bewegen wird für Kur und Tourismus in Bad Dürrheim. Die Weichen müssen 2025 gestellt werden. Interview mit Kur und Bäder Geschäftsführer Markus Spettel, Teil I.
Drei Varianten liegen auf dem Tisch, was die Zukunft des Solemars angeht. Der Gemeinderat muss entscheiden – auch die Frage der Finanzierung ist dabei noch nicht geklärt.
Es gibt drei Varianten für das Solemar. Wer sondiert, wer entscheidet darüber und wann?
Ja, es wurden von uns drei Varianten konkret ausgearbeitet, die dem Aufsichtsrat ausführlich vorgestellt wurden und ja auch bereits öffentlich bekanntgegeben sind.
Kurz zusammengefasst handelt es sich bei den drei Varianten um eine reine Sanierung des Bestandes mit neuem Erweiterungs-Anbau, um eine komplette Entkernung des Bestandes mit bedarfsorientierter Umgestaltung unter dem vorhandenen Kuppeldach sowie eine Neubauvariante an einem alternativen Standort.
Die Entscheidung für eine der ausgearbeiteten Varianten wollen wir bis spätestens Ende 2025 getroffen haben, damit wir alle erforderlichen Schritte zur Planung und Umsetzung dieser komplexen Zukunftsaufgabe rechtzeitig starten können. Die letztendliche Entscheidung hierüber liegt in den Händen des Gemeinderats.
Projektteams führen Analysen durch
Im nächsten Schritt werden wir innerhalb des Projektteams die aktuell eingegangenen Fragestellungen der Fraktionen des Gemeinderates beantworten und hierfür weitere Untersuchungen und Analysen durchführen.
Wir haben den Anspruch alle wesentlichen Kernfragen und Aspekte intensiv zu beleuchten und alle drei Optionen vorbehaltlos zu prüfen um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Parallel dazu sondieren die Kur und Bäder GmbH sowie die Stadt mögliche Finanzierungsvarianten und Fördermöglichkeiten, um die Realisierung des Projektes in finanzieller Hinsicht sicherstellen zu können.
Mittlerer zweistelliger Millionenbetrag notwendig
Die Kosten für alle drei Varianten bewegen sich, wie bereits bekanntgegeben, im Bereich eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags. Der Zeitraum für die Sanierung oder den optionalen Neubau ist nach wie vor mit Start ab frühestens 2027 geplant. Ich bin mir sicher, dass wir in weiterhin enger und konstruktiver Abstimmung mit unseren Gremien und unserem fachlich hochkarätig besetzten Projektteam die beste Lösung für unser Solemar und die Stadt realisieren werden.
Am Solemar hängen teilweise der Einzelhandel wie auch die Gastronomie und ist ebenfalls Teil des Investitionsprogramms. Bad Dürrheim ohne Solemar konnte man in der Coronazeit erleben. Welche Möglichkeiten gibt es, um ein Szenario wie damals zu verhindern und abzumildern?
Es ist ja oftmals so, dass man den wahren Wert von Dingen erst dann richtig erkennt, wenn sie auf einmal fehlen. Das mussten wir alle während der beiden großen Lockdowns teilweise über viele Monate hinweg schmerzhaft feststellen. Dies wurde mehrfach von Gewerbetreibenden konkret an uns herangetragen und ja auch in einigen Fällen von betroffenen Einzelhändlern und Gastronomen über die Presse geäußert.
Hohe Wertschöpfung
Die Wertschöpfung, die durch den Tourismus, also konkret durch die Ausgaben unserer Gäste, nach Bad Dürrheim fließt, beträgt direkt und indirekt rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Daher ist es unser Ziel, dieses Szenario mit der größtmöglichen Sensibilität zu betrachten und den Wertschöpfungsausfall für die Gewerbetreibenden in unserer Stadt so gering wie möglich zu halten. Konkret bedeutet dies, dass wir in allen Sanierungs-Szenarien von Anfang an auch Interimslösungen eingeplant und eingepreist haben.
Lediglich beim Neubau-Szenario können wir auf diese Interimslösungen verzichten, da es hier unser Ziel wäre, das bestehende Bad erst dann aus dem Betrieb zu nehmen, wenn das neue Bad eröffnet ist.
Wie kann sich Bad Dürrheim im Tourismus weniger abhängig von der Solemar-Therme machen? Was sind andere touristische Möglichkeiten. Dauerhaft, abseits großer Veranstaltungen wie Riderman, Rad-DM und Biohacking-Kongress?
Das Solemar lässt sich nicht einfach durch eine andere Attraktion eins zu eins ersetzen, das muss uns bewusst sein. Daher ist es ja unser primäres Ziel, unser Herzstück Solemar für die nächsten Jahrzehnte durch eine der drei vorgestellten Varianten zu erhalten und dadurch unsere Wettbewerbsfähigkeit auch für die Zukunft nachhaltig zu sichern.
Dennoch sind wir auch sehr selbstbewusst, dass wir neben dem Solemar bereits jetzt schon durch unser vielfältiges Veranstaltungs-, Kultur- und Freizeitangebot, unseren Kurpark, die Adventuregolf-Anlage, den Narrenschopf, unsere Rad- und Wanderwege sowie unsere Natur eine hohe touristische Attraktivität auch außerhalb des Solemars bieten. Auch die Drei-Welten-Card, die unseren Gästen während ihres Aufenthaltes in Bad Dürrheim über 140 kostenfreie Attraktionen und Ausflugsziele in unserer wunderschönen Region rund um Schwarzwald, Bodensee und Rheinfall bietet, trägt maßgeblich zu unserer starken Position im touristischen Wettbewerb bei.
Positionierung als Radsportstadt
Ein spezielles Ziel, mit welchem wir uns aktuell auch bereits im Marketingbeirat befassen, ist die noch stärkere Positionierung als Radsport-Stadt durch den gezielten Ausbau der Rad-Infrastruktur und der Ansiedlung und Etablierung neuer Leistungen und Angebote rund um das Thema Radfahren. Die Rad-Events sind hierfür ein wichtiger Baustein.
Sie helfen uns explizit unser Image auszubauen und durch die immense Medienreichweite vor allem auch unseren Bekanntheitsgrad, sowohl unter den radbegeisterten Sportlern als auch den Hobby- und Freizeitradlern zu steigern.
Jüngere Menschen erreichen
Die Kur und Bäder GmbH Bad Dürrheim entwickelt darüber hinaus auch gezielte Projekte, die Themen wie ganzheitliche Gesundheit, Naturerlebnis und Nachhaltigkeit als Schwerpunkte beinhalten und in innovativer Weise miteinander verbinden. Ein hierzu bereits erfolgreich etabliertes und auch innerhalb unserer Branche beachtetes Projekt ist unsere noch junge Marke „Biohacking Bad Dürrheim“.
Wie bei den Rad-Events geht es hier jedoch in keiner Weise nur um den einen Kongress im Herbst, sondern um die konsequente Etablierung des permanenten Angebotes vor Ort. Dies erreichen wir durch unsere breitgefächerten und inzwischen auch ganzjährig buchbaren Workshops, Anwendungen und Pauschalen. Durch all das gelingt es uns zunehmend für unser Kernthema Gesundheit neue Zielgruppen, vor allem auch jüngere Menschen, zu erreichen, für die wir mit unseren herkömmlichen Angeboten bisher unsichtbar und auch eher uninteressant waren.
Wir waren die ersten, die dieses Thema so professionell und umfassend in einem Ort aufgegriffen haben und arbeiten weiterhin fleißig daran, unsere Position als Heimat der Biohacker nachhaltig zu sichern und auszubauen. Zum Thema Biohacking-Kongress ist es mir abschließend noch sehr wichtig zu betonen, welche enorm positiven Effekte dieser für unser Image und unseren Bekanntheitsgrad als Gesundheitsdestination erzielt.
Interview Teil II
Themen
Im zweiten Teil des Interviews geht es um die Bad Dürrheimer Hotellandschaft und ob es bei der Kur und Bäder Einsparmöglichkeiten gibt, oder ob diese nur eine Verlagerung der Ausgaben wären.