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Bad-Dürrheim Hindenburg entfacht Diskussionen

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1920 beantragte der damalige Bürgermeister den Namenszusatz "Bad" für Dürrheim. Man wollte jedoch auch eine repräsentative Flaniermeile in der Stadt. So wurden die Schuppen rund um den heutigen Hindenburgpark abgerissen und eine Grünfläche angelegt, diese wurde von Beginn an Hindenburgpark genannt, die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1922.Foto: Archiv Kauth Foto: Schwarzwälder Bote

Es ist die zentrale Grünfläche Mitten in der Stadt und ihr Name ein Überbleibsel längst vergangener Zeit: der Hindenburgpark. Mit dem Namen verbindet man das Kaiserreich, aber auch den Ersten Weltkrieg und vor allem die Nazizeit. Die Frage ist: Wäre eine Umbenennung angebracht?

Bad Dürrheim. Andere Städte haben bereits Namensänderungen vorgenommen oder sind auf der Suche nach neuen Namen. So wurde beispielsweise in Hannover vor gut einem Jahr durchgesetzt, dass die dortige Hindenburgstraße eine neue Benennung bekommt. Und auch Freiburg hat vor wenigen Wochen beschlossen, ihre Hindenburgstraße umzutaufen, wie auch andere Namen, die belastet sind. Getilgt wird beispielsweise Martin Heidegger, ehemals Rektor der Uni Freiburg und aktives NSDAP-Mitglied. Er war Mitbegründer des Ausschusses für Rechtsphilosophie in der Nazi-Diktatur.

Mit Namen für Gebäude, Straßen und Parks ist es jedoch so eine Sache. Haben sie sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt, ist es schwer, sie wieder loszuwerden oder Gebäude und Gelände umzubenennen. Bad Dürrheim liefert hierfür zwei Beispiele. Da wäre das Haus des Bürgers. Manch einer tut sich heute, 20 Jahre nach der Bennenung, noch schwer mit diesem Namen, obwohl es das Pendant zum Haus des Gastes ist. Für viele ältere Bad Dürrheimer war und wird es die Siedepfanne bleiben. Wobei auch diese meist etwas mit "Haus des Bürgers" anfangen können.

Absolut nicht durchgesetzt hat sich der Begriff Luisengarten. Diesen Namen bekam der Kurpark zu Beginn der Landesgartenschau, ganz offiziell. Ganz offiziell, jedoch eher unbeachtet von der Öffentlichkeit, wurde der Namen vor ein paar Jahren wieder zurückgenommen. Auf manch einem Reiseportal erscheint unter Luisengarten jedoch noch heute der Kurpark. Für die Einheimischen war es der Kurpark und der Name hat wohl auch für die nächsten Jahrzehnte bestand.

Seit 1921 heißt die Fläche Hindenburgpark

Es war im Jahr 1921 als aus der Schmiedewiese zwischen Luisenstraße und Stiller Musel, Rathaus und Irma-Areal der Hindenburgpark wurde, das damalige Dorf wollte Bad werden und benötigte sozusagen einen ersten Kurpark. Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg – so der vollständige Name – wurde am 2. Oktober 1847 in Posen geboren und verstarb am 2. August 1935 auf Gut Neudeck in Ostpreußen. Hindenburg ist für die einen ein angesehener Militär, für die anderen ein Kriegstreiber und Kriegsverbrecher, der Adolf Hitler den Weg ebnete.

Als Sohn eines preußischen Offiziers war ihm seine Laufbahn sozusagen in die Wiege gelegt. Er kämpfte für Preußen in mehreren Kriegen des 19. Jahrhunderts und wurde im Jahr 1911, im Alter von 64 Jahren, in den Ruhestand verabschiedet, im Rang eines Generals, dazu bekam der die höchste militärische Auszeichnung, die Preußen zu bieten hatte: den "Hohe Orden vom Schwarzen Adler". Doch Hindenburg sollte die politische Bühne noch lange nicht verlassen. Der Erste Weltkrieg stand vor der Tür. Der Sieg in einer Vernichtungsschlacht gegen die Russen, im August 1914, begründete seinen weiteren Werdegang und seinen Mythos. Er war aber auch Mitbegründer der so genannten "Dolchstoßlegende" des Ersten Weltkriegs. In dieser wurde besagt, dass die Armee noch schlagkräftig war, jedoch die bröckelnde Heimatfront die Niederlage auslöste.

Am 26. April 1925 wurde er als Vertreter des so genannten "Antirepublikanischen Reichsblocks" zum Reichspräsidenten der jungen Weimarer Republik gewählt. 1932 ein weiteres Mal für sieben Jahre. Selbst die Zentrumspartei wählte den überzeugten Monarchisten, um Adolf Hitler als Reichspräsident zu verhindern. Hitler wollte sich mit dem Adel gut stellen und vermittelte immer wieder den Eindruck, die Monarchie könnte eine mögliche Regierungsform sein. Aus diesem Grund fand er in der ehemals herrschenden Klasse breite Unterstützung.

Historiker Thamer fordert Umbenennung

Der Historiker Hans-Ulrich Thamer befasste sich in einem Aufsatz mit Namensgebungen nach Hindenburg. "Widersprüche und Kontroversen prägen seit jeher das Bild von Paul von Hindenburg", ist darin zu lesen. Er fragt nach den Grenzen, sieht kontrovers geführte Diskussionen in jeder Generation neu entfacht und mahnt: "Aber wir können sie, allein schon aus Achtung vor ihren Opfern, nicht in einer ehrenden, positiv besetzten Erinnerung behalten und darum auch nicht zu Straßennamen erheben." Im Bad Dürrheimer Fall ein Parkname.

In früheren Geschichtsstunden wurde Hindenburg oft als seniler alternder Mann dargestellt, der nichts gegen Hitlers Machtübernahme unternehmen konnte. Gestützt auf die Hindenburg-Biografie von Wolfram Pyta schließt Tahmer dies jedoch aus. Dieses Werk zeigt für ihn eindeutig blegebar, die zentrale Rolle Hindenburgs bei der Machtübernahme. Für Thamer macht es auch keinen Unterschied, ob eine Benennung vor 1933 vorgenommen wurde oder danach. Er sieht mehrere Lösungen, doch immer fordert er eine Aufklärung über die Person Hindenburgs und über die Umbenennung.

Für Jürgen Kauth, den Vorsitzenden des Geschichts- und Heimatvereins Bad Dürrheim, ist diese Namensgebung schon seit längerem "aus der Zeit gefallen". Er hatte schon vor rund 15 Jahren den ersten Vorstoß unternommen, den Namen des Parks zu ändern.

Jürgen Kauth, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, hat in seinem Archiv folgendes zur Geschichte des Hindenburgparks zu berichten: Im Februar 1822 fand hier die erste erfolgreiche Bohrung im Badnerland nach Salz statt, heute erinnert ein Stein und ein modern stilisierter Bohrer an die Stelle. Im Mai kaufte der Staat die Scheune in der gebohrt wurde und das Gelände darum dem Besitzer Johann Schrenk für 2200 Gulden ab. Bald danach wurde wenige Meter daneben ein zweites Bohrloch angelegt und ein Bohrhaus darübergebaut, das 1902 abgerissen wurde. Pumpen- und Bohrantrieb waren anfangs Menschen und Pferdegöpel, später eine Dampfmaschine.

Daneben stand eine einstöckige Schmiede mit vier Essen und einer Vorrichtung zum Schneiden von Gewinden an Bohrstangen. Diese wurde 1914 abgerissen. Dazu kam noch eine Werkstatt für Schlosser und Dreher mit einer Walzenschere und Lochmaschine zum Schneiden und lochen der Pfannenbleche. Außerdem ein Pfannenschopf, in dem die Siedepfannen vorgefertigt wurden. Daneben, beim heutigen Rathaus stand ein kleiner offener Feuerleiternschopf, zum Aufbewahren von Feuerhaken und Feuerleitern. Der Hohlraum unter dem 1902 abgerissenen Bohrhaus reichte bis in rund 150 Meter Tiefe und umfasst 225 000 Kubikmeter.

So wurde aus der ursprünglichen "Schrenke-Wies" Schmiede-Gaarte. Im Volksmund bis nach dem Zweiten Weltkrieg auch "Sunne-Aalage", weil daneben das Gasthaus Sonne stand und später der Erweiterungsbau der Irma mit Haupteingang Luisenstraße.

Nach dem Ersten Weltkrieg, wurde das Siedehaus  I in der Bahnhofstraße abgebrochen. Ein Zusammenschluss mit der badischen Saline Rappenau bahnte sich an. Die letzten Gebäude im Schmiedegarten wurden zum Abbruch versteigert und alles wurde in eine "Anlage" umgewandelt. Es war einfach die Zeit, als man einsah, dass den Kurgästen mehr geboten werden sollte und ein gepflegtes Ortsbild sollte den Titel "Bad" unterstützen. Zunächst wurde ein Gedenkstein in der Anlage errichtet, mit dem an die erste erfolgreiche Solebohrung erinnert wurde. Dieser ist heute überdacht von einem modernen stilisierten Bohrturm, der vom Geschichts- und Heimatverein errichtet wurde. Anfang der 1920er-Jahre wurde ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet. Mit rotblühenden Kastanien und einer Hecke umgeben stand ein mächtiger Steinklotz mit Eisernem Kreuz und zwei Namenstafeln. Darauf ruhte ein riesiger Stahlhelm. Zur Einweihung wurde die Anlage in Hindenburgpark umbenannt.

In den 1960er-Jahren hatte sich dann der Zeitgeschmack geändert. Der überdimensionale martialische Stahlhelm passte nicht mehr. Der damaligen Bürgermeister formulierte das so, dass diese Gedenkstätte durch den zunehmenden Verkehr und durch die vielen Kinderkurgäste, die eine Unruhe in den Park bringen, am unpassenden Ort sei. Man verpflanzte daher 1964 das Heldengedenken auf den Friedhof, zu der modernen Gedenkstätte zum Zweiten Weltkrieg. Das Denkmal wurde abgebrochen. Die beiden Metallplatten mit den Gefallenen hat man in den 60er-Jahren – es lebten noch viele Kriegswitwen – neben der Aussegnungshalle auf dem Friedhof neu gefasst.

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