Eine Rentnerin hat ihren Doktor angezeigt. Sie beschuldigt ihn, sie falsch behandelt zu haben. Foto: dpa

Rentnerin leidet an Herpes-Zoster. Sie klagt Arzt an: Er soll ihr unverträgliches Schmerzmittel verabreicht haben.

Bad Dürrheim/VS-Villingen - Einen Behandlungsfehler wirft eine Rentnerin aus Bad Dürrheim einem Arzt aus der Kurstadt vor. Gestern nur war Verhandlungstermin vor der Außenstelle des Landgerichts Konstanz in Villingen.

Zur Vorgeschichte: Die Klägerin erkrankte im Februar 2011 an Herpes Zoster. Unter anderem verschrieb ihr damaliger Arzt ein Schmerzmittel, auf das die Patienten mit schweren Nebenwirkungen reagierte. Unter anderem trat eine starke Benommenheit auf, die in der Folge fälschlicherweise als Demenz gewertet wurde.

Hieraus resultierte ein weiterer Leidensweg, im Laufe dessen sich die Rentnerin gegen eine gerichtlich angehängte Betreuung zur Wehr setzen musste. Der Betreuungsbeschluss wurde im August 2011 wieder aufgehoben, nachdem ein Gutachter der Frau attestierte, sie sei "vollständige orientiert und zeige "keinerlei Störungen hinsichtlich ihrer Auffassungsfähigkeit und ihres Gedächtnisses".

Was der Frau allerdings nach der Herpes-Zoster-Erkrankung dauerhaft blieb, waren und sind starke Schmerzen. Richter Thomas Glofke meinte zur so genannten Herpes-Zoster-Neuralgie, dass sie sich laut Sachverständigem bei über 50 Prozent der Patienten einstelle. "Das ist überhaupt nichts Ungewöhnliches." Das vom Gericht beim Uniklinikum Ulm in Auftrag gegebene Gutachten gelange zu dem "eindeutigen Ergebnis", dass es keine Anhaltspunkte für eine falsche Therapie durch den Arzt gebe, auch die Neuralgie kein Beleg dafür sei.

Frau verträgt Schmerzmittel nicht

Die Klägerin konzentrierte sich in ihrer Kritik beim Verhandlungstermin gestern vor allem auf das nicht vertragene Schmerzmittel und dass der Arzt über eine Woche hinweg nicht nach ihr geschaut habe. Sie selbst sei in dieser Zeit, zwischem 1. und 8. März 2011, nicht in der Lage gewesen, in die Praxis zu gehen. Nach mehrmaligen Anrufen ihrerseits habe eine Mitarbeiterin der Praxis zwei Mal innerhalb dieser Woche vorbeigeschaut und eine Vitaminspritze verabreicht. Das habe aber auch nichts geholfen. Schließlich wurde sogar die Dosis des Schmerzmittels erhöht, das die Klägerin aber gar nicht vertrug, wie sich im Nachhinein bei der Rekrutierung anderer Fachärzte und dem Wechsel auf ein anderes Medikament herausstellte.

Der Anwalt der Klägerin, Alfred Seifriz, regte an, das vorliegende Gutachten zu ergänzen, um abzuklären, ob dem Arzt bei der Verabreichung des für die Frau unverträglichen Schmerzmittels Versäumnisse vorzuwerfen seien.

Der angeklagte Arzt war gestern nicht anwesend, sondern ließ sich vom von seiner Rechtsschutzversicherung benannten Anwalt vertreten. Der sah keinen Spielraum für eine Zahlung an die Klägerin.

Richter Glofke möchte das Ergebnis der Verhandlung am Donnerstag, 13. Februar, im Landgericht Konstanz mitteilen.

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