Bei Bad Dürrheim ist ein älteres Ehepaar auf die Betrugsmasche "Enkeltrick" hereingefallen. (Symbolfoto) Foto: dpa

Angebliche "Enkelin" erleichtert älteres Ehepaar um zehntausende Euro. Polizei warnt erneut.

Bad Dürrheim- Öfingen - Trotz vielfacher polizeilicher Warnungen vor der Betrugsmasche "Enkeltrick" haben unbekannte Täter - darunter eine 35- bis 40-jährige, ausländische Frau - mit der Enkeltrick-Masche bei einem älteren Ehepaar aus Öfingen im Schwarzwald-Baar-Kreis mehreren tausend Euro erbeutet. Eventuell stehen die Betrüger auch im Zusammenhang mit einem "Einmietbetrug" in einem Hotel in Aldingen im Landkreis Tuttlingen.

Am Freitagnachmittag, gegen 15.40 Uhr, meldete sich eine Frau telefonisch bei dem in einem Wohngebiet im Feriendorf lebenden älteren Ehepaar und gab sich als deren Enkeltochter aus. Die vermeintliche Enkelin gab vor, in Freiburg Gelegenheit für einen günstigen Wohnungskauf zu haben. Dafür benötige sie vorübergehend dringend 20.000 Euro.

Tatsächlich ließ sich das Ehepaar täuschen. Der 85-jährige Angerufene begab sich daraufhin zu zwei verschiedenen Banken und hob den gewünschten Betrag ab. In einem weiteren Telefonat meldete sich die angebliche Enkeltochter erneut und gab gegenüber dem Rentnerehepaar vor, dass zur Abholung des Geldes eine Beauftragte des Wohnungsmaklers vorbeikommen werde.

Nur kurze Zeit später, etwa gegen 17.30 Uhr, kam eine dunkelhaarige Frau mit dunklem Teint, möglicherweise thailändischer oder südosteuropäischer Herkunft, etwa 35 bis 40 Jahre alt und etwa 1,60 Meter groß, zum Anwesen des Paares und nahm das Geld entgegen. Die fremde Frau trug zu diesem Zeitpunkt eine helle Hose, eine beige Bluse und war mit einer hellen, ärmellosen und mit Fransen bestückten Weste und einer grau-braunen Schildmütze bekleidet.

Ob die Frau mit einem Fahrzeug gekommen war, konnte das Rentnerpaar nicht sagen. Möglicherweise stand im Bereich des Wohngebiets ein entsprechendes Auto beziehungsweise wartete jemand in einem Fahrzeug auf die Beschriebene.

Erst nachdem die Frau mit dem Geld verschwunden war, flog der Betrug auf, als es gegen 19 Uhr zu einem Telefonat zwischen der wirklichen Enkelin und ihren Großeltern gekommen war.

Nun ermittelt die Polizei wegen des begangenen Betruges und bittet dringend um Hinweise. Hier ist insbesondere von Bedeutung, ob jemand Angaben zu der unbekannten und oben beschriebenen Frau machen kann oder ob jemandem am späten Freitagnachmittag ein fremdes Auto - eventuell im Zusammenhang mit der beschriebenen Unbekannten - im Bereich des Wohngebietes beim Feriendorf Öfingen aufgefallen ist.

Zusammenhang mit Vorfall in Aldingen?

Möglicherweise steht die beschriebene Frau auch im Zusammenhang mit einem "Einmietbetrug" in einem Hotel in der Hauptstraße in Aldingen im Landkreis Tuttlingen. Dort hatte sich ein Paar - bei der Frau könnte es sich um die oben Beschriebene gehandelt haben - und ein etwa 35 bis 40 Jahre alter und etwa 1,85 Meter großer Mann mit südländischem Aussehen und dunklen, langen, gelockten zu einem Zopf gebunden Haaren am Dienstagabend in dem Hotel eingebucht und waren dann am Freitagabend ohne zu bezahlen verschwunden.

Hinweise zu beiden Fällen nimmt das Polizeipräsidium Tuttlingen unter der Telefonnummer 07461 941-0 entgegen.

Info: Betrugsmasche Enkeltrick & Tipps der Polizei

Die Betrüger rufen meist bei älteren und allein lebenden Personen an und geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus. Immer bitten sie kurzfristig um Bargeld oder auch um hochwertigen Schmuck oder andere Wertsachen.

Vorgetäuscht wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage, beispielsweise ein Verkehrsunfall, ein Autokauf oder wie im oben geschilderte Fall ein anstehender Wohnungskauf. Die Lage wird immer äußerst dringlich dargestellt, um das Opfer unter Druck zu setzen.

Sobald das ausgewählte und durch geschickte Gesprächsführung überzeugte Opfer bereit ist zu bezahlen, wird ein Bote geschickt, um das Geld oder die vereinbarten Wertgegenstände abzuholen. Hat der oder die Angerufene die geforderte Summe oder sonstige Werte nicht parat, ist auch möglich, dass gebeten wird, unverzüglich zur Bank zu gehen, um dort den Betrag abzuheben. Nicht selten ruft der Täter sogar ein Taxi, wenn das Opfer den Weg nicht mehr zu Fuß bewältigen kann.

In diesem Zusammenhang warnt die Polizei erneut vor den verschiedenen Betrugsmaschen, die meist telefonisch eingeleitet werden, und bittet zum wiederholten Male:

Seien Sie aufmerksam und sensibilisieren Sie ältere Mitglieder ihrer Familie und Freunde. Diese Betrüger - sei es mit der Masche "Enkeltrick", als "falsche Polizei- oder Kriminalbeamte" oder auch auf andere Weise) -suchen gezielt in Telefonbüchern nach Menschen mit älteren Vornamen und rufen dort an. Dabei sind sie erfindungsreich, kreativ, redegewandt, skrupellos und bundesweit aktiv.

Diese Kriminellen nutzen das Vertrauen, das die Angerufenen in die angeblichen Verwandten, Bekannten oder auch in die Polizei haben und verursachen mit diesen Betrugsmaschen jeden Tag hohe Schäden und vor allem auch seelischen Beeinträchtigungen bei ihren Opfern.

Tipps für Ihre Sicherheit:

Seien Sie vorsichtig und zunächst misstrauisch, wenn Sie von einer Verwandten, Enkelin oder dergleichen wie im oben geschilderten Fall angerufen und um Geld gebeten werden.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Legen Sie den Hörer auf, wenn Ihnen etwas merkwürdig erscheint.

Sprechen Sie am Telefon niemals über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse - auch nicht, wenn Sie beispielsweise von einem Anrufer, sei es einem "Polizisten" oder anderen Personen ihres Vertrauens, aus welchen Gründen auch immer darum gebeten werden.

Lassen Sie niemals fremde Menschen in Ihre Wohnung.

Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen.

Sprechen Sie mit Ihrer Familie oder anderen Vertrauten über den  Anruf.

Wenn Sie unsicher sind: Rufen Sie die Polizei unter der 110 (ohne Vorwahl) oder Ihre örtliche Polizeidienststelle an. Nutzen Sie nicht die Rückruffunktion.

Weitere Informationen gibt es bei ihrer örtlichen Polizeidienststelle, der polizeilichen Kriminalprävention oder auch im Internet unter https://praevention.polizei-bw.de.

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