Vor fast leer gekauften Regalen steht die stellvertretende Leitung der Schlecker-Filiale in Bad Dürrheim, Gabriele Eckhold. Der Ansturm vor allem zu Beginn des Räumungsverkaufs am Freitag und Samstag sei enorm gewesen. Foto: Reutter

Ausverkauf lockt nicht nur ehrliche Kunden an. Nach fast drei Jahrzehnten das Aus für Filiale.

Bad Dürrheim - "Gelegenheit macht Diebe." So zumindest erklärt sich die stellvertretende Filialleiterin, Gabriele Eckhold, das Verhalten mancher "Kunden" bei Schlecker in Bad Dürrheim.

So viel sei noch nie geklaut worden, ist sich die langjährige Verkäuferin sicher. Der Ausverkauf bei Schlecker lockt nicht nur Schnäppchenjäger, sondern auch etliche Diebe an. Das sei "ärgerlich", meint Gabriele Eckhold. Schließlich sollen die Einnahmen aus dem Räumungsverkauf die für die nächsten drei Monate versprochenen Löhne für die Mitarbeiter sichern.

Der Ansturm zum Beginn des Ausverkaufs am Freitag und Samstag sei gigantisch gewesen, so Eckhold. Sie und ihre Kollegin seien den ganzen Tag über nicht mehr von der Kasse weggekommen. Diese Chance hätten Diebe offenbar genutzt, um sich die Taschen voll zu stopfen.

Gabriele Eckhold hat nun einen ganzen Korb mit Verpackungsmaterial, das die Diebe hinterlassen haben. Den Inhalt haben sie an der Kasse vorbei gemogelt. Die leeren Verpackungen fanden die Angestellten dann in den hintersten Winkeln der Regale. Eckhold vermutet, das noch mindestens zwei bis drei Mal mehr gestohlen wurde: Ware, die samt Verpackung einfach mitgenommen wurde und von der zuvor das Sicherungsetikett entfernt worden war.

Manche Diebe gingen besonders dreist vor. So habe eine Mutter sogar ihrem Kind Waren in die Taschen gestopft, um sie an der Kasse vorbei zu schmuggeln. Eckhold hat das zwar nicht selbst gesehen, sich aber von einer Kundin erzählen lassen. Die Kundin habe sich aber "nicht getraut", die Sache gleich dem Schlecker-Personal zu melden, solange die diebische Mutter noch im Laden war.

Mehr oder weniger wahllos zugegriffen

Einen "armen Schlucker" hat Eckhold an der Kasse selbst erwischt. Der Mann habe einen ärmlichen Eindruck gemacht und sich hemmungslos an den Schlecker-Regalen bedient. Erst wollte er nur einen Diebstahl zugeben. Als Eckhold dann aber vorschlug, entweder er packe jetzt alles aus oder sie hole die Polizei, wurde der Mann gefügiger, leerte schließlich seine mit Diebesgut gefüllten Taschen. Dabei kamen auch Damenslips, Parfüms und Cremes zu Tage, Ohrringe und Ketten, Dinge, die der Dieb gar nicht brauchen konnte, wundert sich Eckhold. Aber der habe offensichtlich "die Chance seines Lebens" gewittert und mehr oder weniger wahllos zugegriffen.

Für manche scheint Diebstahl ein besonderes Sport- und Freizeitvergnügen zu sein. So findet es Eckhold aberwitzig, wenn selbst "spottbillige" Luftballons gestohlen werden, die ja wegen des Räumungsverkaufs noch mal 30 Prozent günstiger angeboten wurden. Aber auch solche Sachen seien geklaut worden. Es gebe nichts, was nicht gestohlen wurde.

"Wir haben in diesen Tagen ganz schön was erlebt", so Eckhold. Doch jetzt hat sich der Ansturm beruhigt. Vermutlich habe sich herumgesprochen, dass die Regale fast leer gekauft seien. Wasch- und Reinigungsmittel seien als erstes weg gewesen. Wie lange die Schlecker-Filiale in Bad Dürrheim noch geöffnet hat, vermochte Eckhold gestern nicht genau zu sagen. Sicherlich noch diese Woche. Ob noch darüber hinaus, hänge auch davon, ob die Einnahmen aus dem Verkauf die Personalkosten decken würden.

Eine Ära geht zu Ende. Schlecker habe es in der Kur­stadt fast drei Jahrzehnte gegeben. Viele Kunden würden die Schließung bedauern, so Eckhold. Wie es bei ihr beruflich weitergeht, weiß sie noch nicht. Sie und ihre Kolleginnen hätten noch keine Zeit gehabt, die beruflichen Weichen neu zu stellen. Von der Schließung der Schlecker-Filiale in Bad Dürrheim sind eine Vollzeit- und drei Teilzeitmitarbeiterinnen betroffen.

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