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Bad-Dürrheim Das Sterben wie das Leben annehmen

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Der Memento-Aktionstag steht unter dem Leitgedanken "End-lich leben". An dem Tag wird darauf aufmerksam gemacht, dass der Tod wie auch die Geburt zum Leben dazu gehört.Foto: © thruthseeker08 – pixabay Foto: Schwarzwälder Bote

Der Memento-Aktionstag findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. An diesem Tag geht es darum, seine Sterblichkeit anzunehmen und er steht unter dem Leitgedanken "End-lich Leben". Der bekannte, in Bad Dürrheim wohnende Psychotherapeut Knud Eike Buchmann hat zu diesem Thema ein Buch geschrieben.

Bad Dürrheim. Knud Eike Buchmann ist Autor und Psychologe – und er ist ein weit über die Grenzen des Kreises hinaus anerkannter Fachmann auf seinem Gebiet. Im Jahr 2017 erschien sein Buch "Sterben und Tod", das den Untertitel "Gelassen und angstfrei mit dem Lebensende umgehen". Die Motivationen, dieses Buch herauszugeben, stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen. So erzählt Buchmann im Gespräch, dass Sterben und Tod ihn seit seinen Kindertagen im Krieg beschäftigen, er selbst eine schwierige Situation als Kind erlebt habe und schließlich seine Arbeit als Psychotherapeut. Einen Teil seines Arbeitslebens arbeitete er an der Polizeifachhochschule in Schwenningen und er hatte in seinem Institut für Konflikt und Krisenmanagement ständig Polizisten und Polizeiführer in der Beratung. Er stellte auch fest, dass es in der Gesellschaft eine große Angst gebe, über das Thema Leben und Sterben zu sprechen. Diesem wollte er entgegenwirken in einer verständlichen Sprache, ohne Angst zu machen, sondern die Akzeptanz zu schaffen, dass das Leben auch endet. Er weist auch darauf hin, dass es mehrere Arten der Trauer gibt, die normale und die pathologische – letztere ist eine krankhafte Trauer, die über Jahre andauert und in welcher der Betroffene in die Depression rutscht. So war es naheliegend, dass Buchmann auch von 2014 bis 18 der Vorsitzende der Hospizbewegung ambulant Schwarzwald-Baar war.

Ein Auszug aus dem Buch: "Mors certa, hora incerta. (Das Sterben ist sicher, nicht die Stunde). Wenn es ans Sterben geht, gibt es kein richtig oder falsch – es gibt meist nur Angst und Pein. So sehr wir meist den Tod als den Tod der Anderen erleben, so unterschiedlich begegnen Menschen ihrem eigenen Tod. Wird er plötzlich geschehen – oder kommt er auf leisen Sohlen?

Hier einige Auszüge aus dem Buch vom Leben und Sterben: "Sie blickt in diesen letzten Tagen und Stunden mit etwas Wehmut und großer Dankbarkeit auf das vergangene Leben. Gedanken an ihre Kinder, Enkel lassen sie lächeln. Erinnerungen an ihre vielen Funktionen und Aufgaben, die mit vielen Reisen verbunden waren, lassen sie merkwürdig unberührt. Sie weiß, was sie getan hat – aber sie ist nun nicht mehr emotional beteiligt. Sie wundert sich. Mit einem tiefen Seufzer stellt sie sich noch einmal die Szenen aus ihrer großen Freundschaft vor – mit dem Mann, der älter als sie, vor langer Zeit mit ihr in jahrelanger, herzlicher Verbundenheit durchs Leben ging. Er ist vorausgegangen – und mit einer sich selbst täuschenden Vorstellung eines Wiedersehens, möchte sie diese Welt verlassen. Sie hat keine Angst. Reich beschenkt und geadelt mit viel Zuwendung – auch in der letzten Zeit ihrer Krankheit – sagt sie sich: ›Es war gut so! Ich habe das Leben genossen. Jetzt gehe ich ohne Groll – ich kann noch einmal das tun, was ich in vielen Fingerübungen in alle den Jahren geprobt habe; Loslassen.‹

Hinterher werden die Betreuer sagen: ›Sie hat gelächelt – und sie hat sich ganz leicht gemacht; als sei sie entschwebt‹."

Auch mit der religiösen Sicht des Todes befasst sich der Autor in seinem Buch: "Als Gläubige werde ich ihm gegenübertreten. Aber wo ein Leben lang Glaube war, ist auch der Zweifel gewachsen. Seit Kindertagen trug ich einen heiligen Stein mit mir. Er ist noch bei mir. Mit den Augen meines Glaubens werde ich ohne Mühen über den breiten Fluss gehen. Ich werde ihn bei mir tragen und ihn fragen: ›Wie heißt du?‹ Und er wird mir sagen: ›Ich bin Jesus – und bei dir!‹. Götter würden sterben, wenn man nicht mehr an sie glaubt!"

Auch Ärzte müssen sich immer wieder mit dem Tod befassen und sterben selbst: "Als Arzt habe ich so viele auf ihrem letzten Weg begleitet – kann und darf ich mich in gleicher Weise auf meine Kollegen verlassen? Werden sie tun, was ich immer zu tun bemüht war? Mir die Schmerzen nehmen? Das Atmen bis zu meinem Ende ermöglichen? Mir den Mund, die Stirn feucht halten? Werden mich ihre Medikamente hinübertragen? Mir wird zum ersten und wohl zum letzten Mal klar, dass es etwas Anderes ist, andere zu begleiten als selbst – vielleicht dem Verstand entzogen – die letzten Stunden zu erleben. Muss ich mich ob meiner Angst schämen? War ich nicht immer der souveräne ›Herr Doktor…‹, der alles wusste, alles konnte? Und nun in meinem lächerlichen Nachthemd – oder bin ich nackt? Allein? – Noch erkenne ich – wie in einem Segment – den herabschauenden, besorgten Freund und Kollegen. Kann ich ihm Mut machen, ihm zunicken, ihm sagen, dass alles gut ist? Sterben geschieht einem."

Buchmann erklärt: Es wäre ein großes Geschenk an alle Beteiligten, wenn es einem gelänge, in Frieden und entspannt zu gehen. Das ist möglich. Dabei helfen palliativ-medizinische und palliativ-pflegerische Begleitungen. Wesentlich ist aber, dass man sein Lebensende erkennt und annimmt.

Weitere Informationen: "Sterben und Tod – gelassen und angstfrei mit dem Lebensende umgehen", Autor: Knud Eike Buchmann, Springer Verlag, ISBN-Nr E-Book: 978-3-662-49756-2, Softcover: 978-3-662-49755-5.

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