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Bad-Dürrheim Bürgermeisterwahl: Joachim Lange stellt sich vor

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Joachim Lange will Bürgermeister werden. Foto: Spitz

Bad Dürrheim - Joachim Lange will Bürgermeister von Bad Dürrheim werden. Eine Verwaltungslaufbahn hat er nicht, aber Visionen und Ideen. Für ihn steht ohnehin fest: Der künftige Bürgermeister der Kur­stadt muss nicht verwalten, sondern Impulse setzen.

Entspannt sitzt Joachim Lange im Café Walz, der Treffpunkt für das Pressegespräch mit dem zweiten Kanididaten, der im Bürgermeisterwahlkampf Bad Dürrheims seinen Hut in den Ring geworfen hat. Wahlkampf, ein Begriff, der dem 62-jährigen Elektrotechniker zuwider ist. "Ich will keinen Kampf machen", betont er und glaubt: "Herr Stein, Herr Spettel und ich, das ist ein unschlagbares Team!" Wenn er gewählt werde, sei er froh, den Hauptamtsleiter Markus Stein und Kur- und Bäder- Geschäftsführer Markus Spettel an Bord zu haben – beide seien ausgesprochen gute Leute in der Verwaltung. Seine Aufgabe hingegen sei es dann, Impulse zu setzen und Ideen einzubringen. Davon hat er viele.

Auf das Pressegespräch hat sich Joachim Lange zwei Tage nach seiner Kandidatur gut vorbereitet. Auf sechs Seiten präsentiert er sein Wahlprogramm. Für ihn ist es vielmehr die Vision des zukünftigen Bad Dürrheims. "Vielleicht ist Bad Dürrheim ja die Keimzelle für eine bessere Welt", sinniert er an diesem Mittwochnachmittag. Die Welt sei hierzulande kalt und trostlos geworden. Auf seinen Reisen, die er reichlich unternehme und die ihn häufig in asiatische Gefilde führten, habe er sehr arme Menschen kennengelernt und einen gravierenden Unterschied zu den deutschen Landsleuten festgestellt: Dort gebe es ärmere als Arme – "und die können lachen!"

Dabei sei Bad Dürrheim eine tolle Stadt, macht er seine Ansicht deutlich und strahlt kurz, als er daran denkt, ehe er einige "Missstände" aufzählt, angefangen bei den Acht-Millionen-Euro-Plänen fürs Minara über Ortsteile, die wie Fremdkörper behandelt würden oder einen nicht funktionierenden ÖPNV bis hin zum geplanten Bau eines Appartement-Hotels. "Ich habe mir immer Gedanken gemacht und mich geärgert, wie es hier läuft", erinnert er sich. Doch dann habe er sich gesagt: "Kritisieren, das kann jeder!" Nun wolle er es tun – und es besser machen.

Er sei im übrigen ein gläubiger Mann, "die evangelische Kirche hier liegt mit sehr am Herzen", sagt er. Einer Kirche gehöre er aber nicht an. Und mit Blick auf die Kandidatur sagt er: "Das wird meine letzte Tat sein, wenn ich irgendwann mal vor dem Petrus stehe, möchte ich sagen: Ich hab auch noch was Gutes getan, nicht nur Geld verdient."

"Arbeiten ist eigentlich das schimmste, was es gibt."

Und das habe er in seinem früheren Leben reichlich. Rund 23 Jahre lang habe er gearbeitet. Abitur und Fernstudium habe er nebenher in der Abendschule beziehungsweise per Fernstudium absolviert. Nach der Arbeit bei Saba beziehungsweise Thomson, sei er zu Philips nach Krefeld gekommen und habe sich als Elektrotechniker vornehmlich in der Forschung und Entwicklung engagiert. "Ich durfte in Eindhoven alle Forschungseinrichtungen in Anspruch nehmen", erzählt er und fügt hinzu: "Mein Ziel war damals die arbeitnehmerfreie Firma, weil Arbeiten ist eigentlich das schlimmste, was es gibt – da ist man den ganzen Tag eingesperrt." Tausende Arbeitsplätze habe er mit abgeschafft. "Da bin ich heute noch stolz drauf", sagt er mit Blick auf die monotone Fließband- und Fabrikarbeit, die die Arbeitnehmer dort hätten tun müssen, und hadert ein wenig mit dem Unbill der ehemaligen Mitarbeiter, den er auf sich gezogen habe.

Er selbst arbeitet seit rund 20 Jahren auch nicht mehr. "Jetzt will ich nicht mehr", habe er eines Tages festgestellt und mit einem Zweizeiler gekündigt. "Jetzt lebe ich vom Speck der guten Zeit." Unterstützung vom Staat nehme er nicht in Anspruch: "Das wäre mir ja zuwider", erklärt er und fügt hinzu, dass er mit einer Leidenschaft reichlich Geld verdiene: an der Börse.

Das Arbeitsleben hinter sich gelassen, habe er Zeit gehabt, sich eine Frau zu suchen. In Thailand habe er sie schließlich gefunden. Dort, erzählt er, wollten er und seine heute 39-jährige Gattin eigentlich leben. "Aber dann hat uns das Heimweh gepackt." Zurück in Villingen ging es bald nach Bad Dürrheim. Das sei vor etwa zehn Jahren gewesen, und auch seine thailändische Frau habe hier längst Fuß gefasst und als Küchenhilfe mittlerweile sogar einen Ganztagsjob. Die Entscheidung für ein kinderloses Leben sei bewusst gefallen – "in diese Welt, so wie sie jetzt ist, kann ich keine Kinder setzen", habe er seiner Frau klargemacht.

Trotzdem hat er ein Kind, das schon 20 Jahre alt ist: Er sei Gründer eines eigenen Unternehmens, erzählt Joachim Lange im Gespräch, der "Firma für Entwicklung und Produktion von alternativen Energien". Aktiv aber führe er diese derzeit nicht – "sie ruht in Frieden", sagt er. Sein Ziel sei die Wasserstofferzeugung gewesen und immer wieder ertappe er sich bei der Überlegung, dieses doch noch weiter zu verfolgen und eine Forschungsstation in Bad Dürrheim zu errichten. "Aber ob ich den Menschen auch noch den Wasserstoff bringen muss....", sagt er nachdenklich und fügt hinzu: "Ich weiß nicht, ob ich die Kraft nochmal aufbringe, mich mit den Obrigkeiten anzulegen." Dann, meint er, werde er doch lieber Bürgermeister. "Das ist vielleicht einfacher."

Alles zur Bürgermeisterwahl in Bad-Dürrheim lesen Sie auf unserer Themenseite.

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Cornelia Spitz

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