Kurkliniken schreiben ans Regierungspräsidium. "Genehmigung der Anlage höchst gefährlich".

Bad Dürrheim - Alle Hebel gegen die geplante Schweinezuchtanlage setzen Kurkliniken und Ärzte jetzt in Bewegung.Als Resultat eines runden Tisches der Kliniken mit dem Bürgermeister wurde jetzt unter Leitung von Erich Burrer, dem ärztlichen Direktor des St.-Georg-Krankenhaus-Zentrums für Akutmedizin, ein mehrseitiges Schreiben an das Regierungspräsidium verfasst. "Wir sprechen uns nachdrücklich gegen den Bau einer Schweinezuchtanlage aus ärztlicher Sicht aus", so die Mediziner.

Alle Aspekte, von Gesundheitsgefahren für den Menschen bis zum Tierschutz, den drohenden Verlust der Prädikate "Heilklimatischer Kurort" sowie "Soleheilbad" und im nächsten Jahr in Kraft tretende EU-Richtlinien, drohende Darmbakterien und Antibiotikaresistenzen werden ins Feld geführt. "Die Anlage zu genehmigen, wäre höchst gefährlich", so die Kliniken: "Wir haben aus medizinischer Sicht Bedenken gegenüber der geplanten Anlage und haben Sorge vor Luft- und Wasserverschmutzung. Wir befürchten eine massive Keimverbreitung durch die Luft über das gesamte Kurgebiet, ausgehend vom Schweinezuchtbetrieb".

Nach dem Bundesinfektionsschutzgesetz könne man mit Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren belegt werden, wenn Keime und Bakterien bewusst verbreitet würden. "Herr Messner plant, auf den Feldern im Gebiet Bad Dürrheim zirka elf Millionen Liter Gülle aufzubringen. Wir können also durchaus von ›Sondermüll‹ sprechen. Auch müssten die EU-Tierschutzrichtlinien, die 2013 in Kraft treten, erfüllt werden. Derjenige, der Tiere halte, "hat das Tier in seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen zu pflegen und artgerecht unterzubringen", so formulieren die Unterzeichner, zu denen die Espan-Klinik, die Klinik Hüttenbühl, die Kurklinik Limberger und der Schabelhof sowie Arztpraxen gehören.

Drohende Ausbreitung von Antibiotika-Resitenzen

Besonders besorgt sind die Mediziner über eine drohende Ausbreitung von Antibiotika-Resitenzen und Infektionen mit resistenten Erregern durch die Schweinezucht. Sogar "strafrechtliche Schritte gegen Herrn Messner wegen Körperverletzung" werden in Erwägung gezogen. Die Belastung von Beschäftigten in der Landwirtschaft durch Schweinemast-Großbetriebe wird erwähnt. "Wir wissen von dieser Gefahr, und so werden Mitarbeiter aus der Landwirtschaft grundsätzlich bei der Aufnahme ins Krankenhaus unter ›Quarantäne‹ gestellt, da diese durchweg mit gefährlichen Keimen verseucht sind."

Weiterhin sehen die Unterzeichner "die Sole- und Mineralquellen, unsere Lebensgrundlage" als gefährdet an, "durch tektonische Brüche der Bodenschichten mit Nitrat und Keimen infiltriert zu werden". Beim Thema Geruchsbelästigung spiele eine große Rolle, dass Bad Dürrheim ein anerkannter Kurort sei, der vom Tourismus und den Patienten der ansässigen Kliniken lebe. "Ein Antrag auf ›Kneipp-Kurort‹ ist ebenfalls gestellt. Öfingen hat das Prädikat ›staatlich anerkannter Erholungsort‹ und für Sunthausen ist das Prädikat beantragt."

Eine Kopie des Schreibens haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann sowie Minister Franz Untersteller erhalten, ebenso der Bürgermeister sowie die Mitglieder des Gemeinderats in Bad Dürrheim.