Geplante Ferkelzucht gibt Anlass für Bebauungsplan. Landwirtschaft mit Tourismus in Einklang bringen.

Bad Dürrheim - Der Bebauungsplan zur Steuerung der Tierhaltung stellt das Miteinander von Landwirten und Stadt auf eine neue Basis. Der 600-seitige Entwurf kann im Lauf der Offenlage ab 18. Dezember von Bürgern und Behörden erneut kritisch bewertet werden.

Rund 800 000 Euro wurden bislang in den Bebauungsplan, einem landesweit einmaligen Vorhaben, investiert, sei es für Planung, Gutachten oder Rechtsanwälte. Das Resultat soll einer rechtlichen Prüfung standhalten, so die Hoffnung der Stadt. Die Landwirtsfamilie Messner aus Oberbaldingen hat bereits angekündigt, den Bebauungsplan genau unter die Lupe zu nehmen und auf Schwachstellen abklopfen zu wollen.

Urban Messner war mit seinem Erweiterungswunsch einer großen Ferkelzucht auf dem Gewann Rauäcker der Anlass für die Stadt, den Bebauungsplan in die Wege zu leiten. Mit dem Plan sollen Ziele des Tourismus und der Stadt mit Erweiterungsvorhaben der Landwirte in Einklang gebracht werden.

Wer die Offenlage des Bebauungsplanentwurfs vom 18. Dezember bis 25. Januar im städtischen Bauamt nicht abwarten möchte, der kann sich bereits jetzt über die Homepage der Stadt,http://www.bad-duerrheim.de, über die Hinweise "Aktuelles" und "Tierhaltung Ostbaar" zu den Unterlagen der jüngsten Gemeinderatssitzung vorklicken. Die Dateien dort entsprächen dem Bebauungsplanentwurf, meint Gerhard Friedrich, Mitarbeiter des Bauamts. Während der Offenlage gebe es noch einen zusätzlichen Link auf der städtischen Homepage, der ebenfalls zum Entwurf des Bebauungsplans weiterleite.

22 Betriebe berücksichtigt

Der Geltungsbereich des Plans umfasst die Ostbaar inklusive Gemarkung Hochemmingen, klammert aber die Kernstadt und die Siedlungsbereiche der Ortsteile aus, bezieht sich also nur auf den Außenbereich. Die ursprünglich 17 erfassten Erweiterungswünsche von Landwirten konnten im Lauf des Verfahrens auf 22 ausgeweitet werden. Damit seien aber "alle relevanten Betriebe" aufgenommen, meinte Christian Sammel vom beauftragten Büro FSP.Stadtplanung in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Bei den Befragungen seien die meisten Landwirte "kooperativ" gewesen. Lediglich zwei hätten sich "verweigert" mit Auskünften zu ihren Erweiterungsabsichten.

Entsprechend den Wünschen der Landwirte und Vorgaben des Bebauungsplans wurden 22 Baufenster in Form so genannter Sondergebiete im Bebauungsplan ausgewiesen. Es handelt sich in der Regel um Erweiterungsflächen bei bestehenden Aussiedlerhöfen. Lediglich auf dem Sondergebiet 1-5 auf dem Gewann Rauäcker gibt es noch keine Vorbauten. Dort möchte Urban Messner seine Erweiterungspläne verwirklichen, weiter weg vom bestehenden Standort der Messners, dem Breitenberghof, der sich rund 100 Meter weg von Oberbaldingen befindet.

Die Landwirtschaft hat keinen leichten Stand. Das belegt der Rückgang der Betriebe in den vergangenen Jahren. Im Bebauungsplanentwurf ist nachzulesen: Ein Vergleich der Jahre 1999 und 2010 zeige, dass die Zahl der Betriebe in Bad Dürrheim um 29 Prozent zurückgegangen sei und damit stärker als die landwirtschaftliche Fläche (minus 7,3 Prozent). Noch extremer sind die Zahlen, wenn der Blick allein auf die Tierhaltungsbetriebe fällt. Von 1999 bis 2010 ging deren Zahl um 40,2 Prozent zurück, während der Rückgang der Tierzahl mit einem Minus von 34,9 Prozent geringer ausfällt. Das belegt laut Entwurf die allgemeine Entwicklung in der Landwirtschaft hin zu weniger, aber größeren Betriebseinheiten.

Die Befragung der Landwirte im Plangebiet hat ergeben, dass sich auf den Bauernhöfen der Ostbaar 5000 Schweine, 650 Rinder, 110 Pferde und 150 Hühner befinden. "Würde man alle bei den Betriebsbefragungen von den Tierhaltungsbetrieben angegebenen Erweiterungsabsichten berücksichtigen, ergäbe dies in der Summe 17 000 Schweine, 2700 Rinder, 180 Pferde und 4000 Hühner", heißt es im Entwurf.