Die Bekämpfung invasiver Arten, die die heimische Artenvielfalt bedrohen, ist Teil der nachhaltigen Forstarbeit: Das Foto zeigt einen samentragenden Götterbaum am Lärmschutzwall zur Autobahn in Rheinweiler. Foto: Heike Wiegand

Der Bad Bellinger Gemeinderat stimmt dem Forstbetriebsplan 2026 zu. Ein Schwerpunkt ist die Teilnahme am Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“.

Der Bad Bellinger Gemeindewald ist vor allem in den unteren Lagen stark vom Klimawandel belastet, berichtete Forstrevierleiterin Heike Wiegand bei der Vorstellung des Forstbetriebsplans 2026.

 

„Die Bäume sind nachhaltig geschwächt und werden teils auch durch Sekundärschädlinge geschädigt“, machte sie deutlich. Dies habe zur Folge, dass permanent Verkehrssicherungsmaßnahmen entlang der Straßen und Wege anstünden.

Bei Neupflanzungen wird auf klimaresistente Arten gesetzt. Als Beispiel nannte Wiegand eine Flatterulmenkultur in Rheinweiler, die im Frühjahr 2024 angepflanzt wurde und bereits „sehr vielversprechend“ aussehe. Die Flatterulme ist eine heimische Ulmenart, die vom sogenannten Ulmensterben kaum betroffen ist. Sie gilt hierzulande als vom Aussterben bedroht und steht auf der „Roten Liste“.

Die Revierförsterin verwies in der Sitzung auf zahlreiche junge Waldflächen, die es zu pflegen und bewirtschaften gilt. Beim Großteil handelt es sich um Ausgleichsflächen für Neubaugebiete.

Auch der Bad Bellinger Wald leidet unter den Folgen des Klimawandels: Das Foto zeigt eine Buche mit deutlichen Trockenschäden in der Krone. Foto: Heike Wiegand

Geld aus Förderprojekt

Seit zwei Jahren nimmt die Gemeinde am bundesweiten Förderprojekt „Klimaangepasstes Waldmanagement“ teil. In diesem Zusammenhang wurden Flächen und Bäume aus der Nutzung herausgenommen, die laut Försterin „völlig der Natur überlassen werden“. Pro Hektar Wald seien es durchschnittlich fünf Habitatbäume, erläuterte Wiegand. Insgesamt habe sie rund 700 Bäume dafür ausgesucht und mit roten Plaketten und Alunägeln markiert.

Für die Teilnahme an dem Programm, das auf insgesamt 20 Jahre ausgelegt ist, gibt es pro Jahr 12 600 Euro für den Waldhaushalt. Das Geld kommt von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe.

Götterbaum ein Problem in Rheinweiler

Zur nachhaltigen Forstarbeit gehört auch die Bekämpfung invasiver Arten wie der Götterbaum, der vor allem auf der Gemarkung Rheinweiler zunehmend Probleme bereite. Besonders in den tieferen Lagen komme es zu Massenvermehrungen, meinte Wiegand.

In dem Ortsteil seien bereits vereinzelt ganze Gärten und Äcker vom Götterbaum besiedelt, meinte Wiegand, die auf die „hohe Reproduktionsrate“ der Pflanze verwies. Vor allem auch entlang des Rheins breite sich die invasive Art aus, berichtete die Försterin, die in diesem Zusammenhang von einem „Kampf gegen Windmühlen“ sprach.

Auf gemeindeeigenen Waldflächen werde der Götterbaum bereits seit mehreren Jahren „konsequent entnommen“. Wobei bei der Bekämpfung Pragmatismus gefragt sei, meinte Wiegand, zumal sich ihr Einsatz auf den Gemeindewald beschränke. Entfernt werden lediglich die samentragenden Bäume. Alles anderes sei weder finanziell leistbar noch umsetzbar.

Waldwege instand halten

Einen weiteren Schwerpunkt in der Forstarbeit bildet die Instandhaltung der Waldwege. Diese Investition diene vor allem auch dazu, den Erholungswert des Waldes zu verbessern, hieß es in der Sitzung. Im Jahr 2025 habe eine größere Maßnahme auf dem Riedlinger Weg stattgefunden, wo ein Abschnitt instandgesetzt wurde.

Neben den jährlichen Mulcharbeiten der Wegränder habe man auch umfangreich das Lichtraumprofil der Waldwege freischneiden lassen, berichtete die Revierförsterin.

Überschuss geplant

Heike Wiegand gab auch einen Einblick in die Zahlen des Waldhaushalts. Insgesamt wird mit Einnahmen von 62 300 Euro gerechnet. Neben dem Zuschuss aus dem Förderprojekt bilden die angenommenen Erträge aus dem Holzverkauf (42 700 Euro) den größten Posten. Auf der Ausgabenseite stehen wiederum unter anderem 21 000 Euro für die Holzernte, rund 12 000 Euro Forstverwaltungskostenbeitrag und 8500 Euro für die Kulturpflege sowie jeweils 6000 Euro für die Unterhaltung der Wege und Verkehrssicherungsmaßnahmen. Es wird mit einem Überschuss von 3500 Euro gerechnet.

Termin Holzversteigerung

Wiegand kündigte zudem die traditionelle Holzversteigerung an, die am 24. Januar im Hertinger Wald stattfinden soll. Der MSC Rebland bewirtet.

Der Gemeinderat hat dem Forstbetriebsplan für das Jahr 2026 einmütig zugestimmt.

Die Geschichte des Götterbaums

Der Götterbaum
kommt ursprünglich aus China. Er wurde im 18. Jahrhundert als Zierbaum in Gärten und Parks in Deutschland kultiviert. Die Samen können über Wind und Wasser verbreitet werden. Außerdem neigt er zu vegetativer Vermehrung durch Wurzelausläufer. Er hat eine hohe Reproduktionsrate. Durch diese Massenvermehrung können einheimische Arten bedroht werden. In einem solchen Fall wird im Management- und Maßnahmenplan des Umweltministeriums die Entnahme der samentragenden Mutterbäume empfohlen. So soll es auch in Bad Bellingen weiterhin gehandhabt werden, teilt Revierförsterin Heike Wiegand in ihrem Bericht mit.

Eine generelle Entnahme
aller Sämlinge und Wurzelschößlinge sei unrealistisch und würde voraussetzen, dass sich alle Akteure engagieren. „Dazu gehören nicht nur die Gemeinde und die privaten Grundstückseigner, sondern beispielsweise auch die Straßenmeisterei, das Wasser- und Schifffahrtsamt und die Autobahnverwaltung“, macht Wiegand deutlich. Der Götterbaum steht nicht auf der Liste der bekämpfungspflichtigen EU-Quarantäneschädlinge, somit gibt es keine Bekämpfungspflicht und auch keine Gelder, um die Bekämpfung zu finanzieren, teilt Wiegand abschließend mit.