Seit 1963 gibt es den „Hebelhof“ in Hertingen. Das Hotel mit Restaurant wurde jetzt verkauft. Foto: Claudia Bötsch

Die neuen Besitzer erzählen im Gespräch mit unserer Zeitung, was sie mit dem Hertinger „Hebelhof“ vorhaben, und warum das traditionsreiche Haus einen neuen Namen bekommt.

Der Kaufvertrag ist unter Dach und Fach, der Notartermin fand bereits am Donnerstag statt. Damit steht fest: für den „Hebelhof“ geht’s weiter.

 

„Am 1. April soll das Hotel mit Frühstücksangebot wieder eröffnen“, kündigt Familie Wendt an, die das Hotel mit Restaurant erworben hat. „Wir freuen uns schon sehr, dass es bald losgeht“, machen Sohn Adrin Wendt und seine Eltern Beatrice und Gholam Wendt im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich.

Noch offen ist die Zukunft des Restaurants, das über insgesamt 120 Sitzplätze und eine große Terrasse verfügt. Die neuen Besitzer wollen es verpachten, die Suche läuft. Zwar habe es schon Interessenten gegeben, „wir warten allerdings noch auf den oder die Richtige“, sagt Beatrice Wendt.

Pächter für Restaurant gesucht

Der neue Pächter müsse eine gewisse Qualität mitbringen, betont Gholam Wendt – „wir wollen keine Frittenbude“. Das Ziel sei, an den guten Ruf vergangener Jahre anzuknüpfen und einen Gastrobetrieb mit Kontinuität zu etablieren.

Zweites Hotel

Familie Wendt betreibt bereits das Hotel „Markgraf“ im Mittelgrund in Bad Bellingen, das über 23 Zimmer verfügt. Jetzt kommt der „Hebelhof“ hinzu, der rund 35 Zimmer zählt. Das Hertinger Hotel ist zudem mit einem Wellnessbereich mit Hallenbad und Sauna sowie einem Fitness- und einem Freizeitraum ausgestattet. „Diese Immobilie ist mein Traum, ich bin von diesem Projekt überzeugt“, sagt Adrin Wendt. Der 25-Jährige wird schwerpunktmäßig für das Hertinger Hotel zuständig sein.

„Golfhotel“ fällt weg

Die Zimmer des „Hebelhofs“ seien in einem guten Zustand, weshalb man zeitnah eröffnen könne, so Gholam Wendt. Es seien lediglich kleinere Arbeiten nötig.

Aktuell sind die neuen Besitzer noch auf der Suche nach Personal für die Zimmerreinigung und den Frühstücksservice.

Freuen sich auf die Eröffnung ihres zweiten Hotels (v.l.): Gholam, Adrin und Beatrice Wendt. Foto: Claudia Bötsch

Streichen wollen sie künftig die Bezeichnung „Golfhotel“, die unter dem Vorbesitzer etabliert wurde. „Golfer sind bei uns natürlich weiterhin willkommen, aber wir wollen alle Gäste ansprechen, und das schon mit unserem Namen deutlich machen“, erklären die neuen Besitzer, wobei sie betonen: „Wir wollen natürlich weiter mit dem Drei-Thermen-Golfresort kooperieren.“

Vorbesitzer Wolters

Der „Hebelhof“ gehörte die vergangenen zwei Jahrzehnte zum Golfresort. Betreiber Heinz Wolters hatte die Immobilie 2005 erworben und zum Golfhotel aus- und umgebaut. Zuvor war der traditionsreiche Betrieb mehr als 40 Jahre im Besitz der Familie Kallmann, die das Haupthaus Anfang der 1960er-Jahre gebaut und zu einer renommierten Adresse gemacht hatte.

Heinz Wolters ist Ende August 2025 gestorben, der „Hebelhof“ stand da schon zum Verkauf. Das Golfresort wird von Wolters’ Kindern weitergeführt, die bereits 2020 ins Geschäft eingestiegen waren.

Seit Herbst gab es im „Hebelhof“ keinen Hotelbetrieb mehr, das Restaurant war da bereits geschlossen.

Neuer Name: „Markgraf ZWEI“

Mit den neuen Besitzern bekommt der „Hebelhof“ auch einen neuen Namen: „Markgraf ZWEI“, soll das Hotel künftig heißen. Damit wolle man die Verbindung zum Bad Bellinger Hotel unterstreichen, erklärt Familie Wendt. Zudem wolle man die Philosophie, die im bestehenden Betrieb verfolgt werde, „auch nach Hertingen transportieren“, sagt Adrin Wendt. „Familiär, individuell und modern“, nennt er als Schlagworte.

Mit eigener Handschrift

Der „Markgraf“ in Bad Bellingen ist seit knapp 20 Jahren im Besitz der Familie, viele Jahre war er indes verpachtet. „Kurz vor der Pandemie hatten wir den Betrieb dann selbst übernommen“, berichtet Adrin Wendt. Die Pandemie habe man genutzt, um das Hotel nach und nach zu renovieren, sehr vieles in Eigenleistung. „Wir haben gepinselt, Parkett verlegt, verputzt und gefliest“, geben die drei einen Einblick. Jedes Zimmer sei mit viel Herzblut individuell gestaltet worden und trage eine eigene Handschrift – und das sei auch für Hertingen geplant. „Nach und nach sollen auch dort die Zimmer renoviert werden – wir haben schon viele Ideen“, kündigen die neuen Besitzer an.

Was zeitnah angegangen werden soll, ist indes die energetische Sanierung und der Bau einer Photovoltaikanlage. Der „Hebelhof“ hat aktuell noch eine Ölheizung.

Musik spielt wichtige Rolle

Unter den neuen Besitzern soll auch Musik eine wichtige Rolle spielen, kündigt Adrin Wendt an: „Wir wollen auch kulturell etwas bieten.“ Und das kommt nicht von ungefähr: Der 25-Jährige ist studierter Musiker, hat einen Master in musikpädagogischer Forschung. Neben dem Hotelbetrieb gibt er auch Klavierunterricht.

Für Hertingen schweben ihm etwa Wochenendkurse für Klavierschüler vor. Außerdem soll es Klavierkonzerte geben wie sie auch schon in Bad Bellingen hin und wieder stattfinden. Dort steht unter anderem im Frühstücksraum ein Klavier. Geplant ist, dass auch ins Hertinger Objekt einige Instrumente und Flügel einziehen.

Musiker, Biologin und Ökonom

Wie Sohn Adrin haben auch die Eltern einen eher ungewöhnlichen beruflichen Hintergrund für Hotelbetreiber. Vater Gholam Wendt ist von Hause aus Wirtschaftswissenschaftler. Mutter Beatrice Wendt ist Biologin und Betriebswirtin. Sie arbeitet Vollzeit bei einer Pharmafirma, nach Feierabend und am Wochenende hilft sie im Familienbetrieb mit. „Das ist für mich aber keine Arbeit, sondern mehr ein Hobby.“ Der Hotelbetrieb gebe ihr zudem einen „beruhigenden Ausblick“ auf den nahenden Ruhestand, meint sie mit einem Schmunzeln. „Es ist doch toll, wenn da noch einmal eine schöne Aufgabe wartet.“

Zufriedene Gäste

Die drei Familienmitglieder teilen die Leidenschaft für die Hotellerie. „Das macht uns viel Freude. Wir haben alle gerne mit Menschen zu tun.“ Ihr oberstes Ziel seien zufriedene Gäste, die sich wohlfühlen. Das sei in Bad Bellingen bereits geglückt, verweisen sie stolz auf die vielen sehr guten Bewertungen für den „Markgraf“ im Internet. Dazu trage neben Freundlichkeit und Sauberkeit auch das Frühstücksangebot bei, sind sie überzeugt: „Wir machen vieles selbst, sei es die Marmelade, das Joghurt oder Müsli – das soll auch in Hertingen so sein“.