Kandidat Harro Kienzler verspricht „radikale Transparenz“ bei den Finanzen und eine „Kultur des offenen Dialogs“. Foto: Christoph Meinersmann/Pixabay Foto:  

Die Bewerber für die Bad Bellinger Bürgermeisterwahl stellen sich unseren Fragen: hier der Bamlacher Schlossermeister Harro Kienzler.

Neben Amtsinhaber Carsten Vogelpohl bewerben sich die drei Gegenkandidaten Karl Wiesler, Harro Kienzler und Franz Feldmeyer für das höchste politische Amt in der Gemeinde. Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl, die am 25. Januar stattfindet, haben wir alle vier Kandidaten gebeten, uns einen gleichlautenden Fragenkatalog zu beantworten. Hier sind die Antworten von Harro Kienzler.

 

Was prädestiniert Sie für den Rathaus-Chefsessel, das höchste Amt in der Gemeinde?

Als erfahrener Unternehmer, der einen regional führenden Mittelständler erfolgreich aufgebaut hat, bringe ich die nötige Führungskompetenz und wirtschaftliche Vernunft mit, um unsere Gemeinde ohne politische Eitelkeiten verantwortungsvoll zu leiten. Durch meine Qualifikation als zertifizierter AI Advisor besitze ich zudem die technologische Expertise, um die Verwaltung durch intelligente Digitalisierung effizienter zu gestalten und Bürokratie nachhaltig abzubauen. Ich stehe für Mut zur Wahrheit statt „Schönfärberei“ und verpflichte mich einer transparenten Politik.

Der aktuell laufende Rathaus-Umbau mit Erweiterung hat in der Gemeinde auch für kritische Stimmen gesorgt. War diese Investition von knapp elf Millionen Euro richtig? Oder wäre das Geld an anderer Stelle besser investiert gewesen?

Ich sehe diese Investition äußerst kritisch, da zur gleichen Zeit die Rücklagen schwinden und die Kurverwaltung nur durch erhebliche Zuschüsse gestützt werden kann. Statt politischer Eitelkeiten und teurer Großprojekte fordere ich eine ehrliche Kurskorrektur, bei der jede Ausgabe konsequent auf ihre Generationengerechtigkeit geprüft wird. Wir müssen jetzt klären, was wir uns wirklich leisten können.

Wie sehen Sie die Zukunft der Therme – auch angesichts der zunehmend angespannten finanziellen Lage und bereits angekündigter Steuererhöhungen? Kann sich Bad Bellingen den angedachten Neubau im großen Stil leisten (bis 2050 / für 42 Millionen Euro)?

Angesichts schwindender Rücklagen fordere ich statt kostspieliger Großprojekte eine radikale Offenlegung aller Zahlen, um jede Investition konsequent an ihrer Enkeltauglichkeit zu messen. Wir müssen die Therme jetzt grundlegend umstrukturieren, um durch Nachhaltigkeit und ein geschärftes Gemeinschaftsprofil wieder echte Alleinstellungsmerkmale sowie Unabhängigkeit von Fördermitteln zu gewinnen. Dabei hat die Sicherung des laufenden Betriebs für mich oberste Priorität.

Will Bad Bellinger Bürgermeister werden: der Bamlacher Unternehmer Harro Kienzler Foto: Natalia Heil/3D-Fotowerkstatt

Nicht unumstritten ist auch der geplante Bau des Penny-Markts am Rande des Kurparks. Wie stehen Sie zu dem Projekt?

Eine gute Nahversorgung ist essenziell, doch der Standort am Kurpark erfordert eine ehrliche Abwägung zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Erhalt unserer Lebensqualität. Getreu meinem Motto „Fakten auf den Tisch“ setze ich auf einen offenen Dialog mit der Bürgerschaft, dem Gemeinderat und Fachleuten, um dieses Projekt sachlich zu bewerten. Jede Entscheidung muss sich dabei konsequent an der Generationengerechtigkeit messen lassen, um eine wirklich enkeltaugliche Zukunft für Bad Bellingen sicherzustellen.

Auf welche Themen und Projekte wollen Sie in den nächsten acht Jahren einen Schwerpunkt legen?

Mein Schwerpunkt liegt auf der finanziellen Sanierung durch radikale Transparenz und der Modernisierung der Verwaltung mittels KI, um Bürokratie abzubauen. Ich werde die Therme durch eine Konzentration auf ein stabiles Kernangebot wirtschaftlich neu ausrichten und gleichzeitig den bedarfsgerechten Umbau unserer Bildungs- und Betreuungsstätten. Ganz wichtig bei allen Punkten ist, dass die Teilorte nicht vernachlässigt werden.

In den vergangenen Jahren gab es aus dem Gemeinderat von einzelnen Räten immer wieder Kritik an der Verwaltung. Kritisiert wurden mangelnde Transparenz und ein unzureichender Informationsfluss. Wie wollen Sie Verbesserungen erzielen?

Ich werde die bisherige Verdrängung der wirtschaftlichen Realität beenden und durch radikale Transparenz ersetzen, indem ich alle Zahlen, Zuschüsse und Defizite für den Gemeinderat und die Bürger offen und verständlich aufbereite. Durch den gezielten Einsatz von KI und Digitalisierung werde ich die Verwaltungsabläufe modernisieren, um einen proaktiven Informationsfluss sicherzustellen. Mein Ziel ist ein echter Wendepunkt hin zu einer Kultur des offenen Dialogs.

Bad Bellingen ist seit Jahren auf Wachstumskurs, die Einwohnerzahlen sind deutlich gestiegen. Gibt es noch weiteres Potenzial – oder hat die Gemeinde mit Blick auf Flächen und Infrastruktur ihre Grenzen erreicht?

Ich lehne weiteres Wachstum in Wohngebieten entschieden ab, denn Bad Bellingen soll kein Schlafzimmer für Pendler werden, sondern echtes Dorfleben mit Zusammenhalt und gemeinschaftlichen Erlebnissen entfalten. Stattdessen aktivieren wir vorhandene Flächen wie Kurpark, Bürgergarten und modulare Therme für Familien, Generationen und flexible Infrastruktur – vom Bedarf her denken, nicht versiegeln. So schaffen wir Lebensqualität, ohne die Identität unserer Ortsteile zu opfern.

Das Gewerbegebiet in Rheinweiler ist voll – wo könnten noch neue Gewerbeflächen entstehen?

Ich gehe angesichts der wirtschaftlichen Lage nicht von weiterem Bedarf für Gewerbeflächen aus – entscheidend ist vielmehr, unsere ansässigen mittelständischen Betriebe zu schützen und zu stärken. Handwerker, Läden und Arztpraxen fühlen sich nach meiner Auffassung oft vergessen, während große Ketten bevorzugt werden; stattdessen nutzen wir freigewordene Potenziale wie Rehakliniken und Therme für innovative Kooperationen im Gesundheits- und Tourismusbereich. So schaffen wir echte Wertschöpfung für den Mittelstand und alle Ortsteile.

Bezüglich Infrastruktur und öffentlicher Personennahverkehr, speziell in den Dörfern: Wo sehen Sie in der Gemeinde besonderen Handlungsbedarf?

Ich sehe angesichts unserer Finanzlage kaum Spielräume im öffentlichen Nahverkehr für Bamlach, Rheinweiler und Hertingen, wo der Anschluss an die Gesamtgemeinde zu schwach ist – hier müssen wir komplett neu denken. Hier setze ich auf innovative Lösungen wie Bürger-Info-Bus, digitale Plattformen für Mitfahrgelegenheiten und Kooperationen mit Nachbargemeinden. So stärken wir das Miteinander aller Generationen und Ortsteile, genau wie in meiner Vision vom bedarfsgerechten „Wendepunkt 2026“.

Besonders in Zeiten klammer Kassen sind gute Ideen gefragt: Was würden Sie für die Gemeinde tun, was nichts oder wenig kostet – aber einen echten Mehrwert für die Allgemeinheit bringt?

Eine „Generationengärtnerei“. Beispielhaft dafür ist eine „Kindergärtnerei“, die im Landkreis Flensburg schon tätig ist und mit der ich im engen Austausch stehe.

Zum guten Schluss würden wir gerne von Ihnen wissen: Haben Sie ein Lebensmotto?

Nur wer Schluchten durchquert, kann Höhen erreichen, und es gibt keine Probleme, nur Lösungen.

Harro Kienzler

Der 60-Jährige
ist Schlossermeister und Mitgeschäftsführer im Familienunternehmen Kienzler Metalltechnik in Bamlach.

Der Bürgermeisterkandidat
ist verheiratet und hat vier Kinder.