Amtsinhaber Carsten Vogelpohl: „Ich kämpfe dafür, die Therme erfolgreich in die Zukunft zu führen.“ Foto: Alexander Anlicker

Die Bewerber für die Bad Bellinger Bürgermeisterwahl stellen sich unseren Fragen: hier Amtsinhaber Carsten Vogelpohl.

Im Vorfeld der Bad Bellinger Bürgermeisterwahl, die am 25. Januar stattfindet, haben wir alle vier Kandidaten gebeten, uns einen gleichlautenden Fragenkatalog zu beantworten. Unter anderem wollten wir wissen, wie sie die Zukunft der Therme sehen und ob sie ein Lebensmotto haben. Hier sind die Antworten von Amtsinhaber Carsten Vogelpohl.

 

Was prädestiniert Sie für den Rathaus-Chefsessel, das höchste Amt in der Gemeinde?

In den vergangenen acht Jahren haben wir mit Gemeinderat und Bevölkerung viel erreicht für die Gemeinde. Bad Bellingen ist gut aufgestellt. Wir haben 20 Millionen Euro investiert und fünf Millionen Euro in die Sanierung der vorhandenen Infrastruktur gesteckt. Trotz der zahlreichen Maßnahmen haben wir die Verschuldung von Gemeinde und Kurverwaltung nahezu halbiert. Das schafft Spielräume für anstehende Projekte auch in schwierigeren Zeiten.

Der aktuell laufende Rathaus-Umbau mit Erweiterung hat in der Gemeinde auch für kritische Stimmen gesorgt. War diese Investition von knapp elf Millionen Euro richtig? Oder wäre das Geld an anderer Stelle besser investiert gewesen?

Der Rathaus-Umbau war und ist richtig. Das Projekt ist Kern der neuen Ortsmitte Bad Bellingen. Wir schaffen neue Räume für die Bürgerschaft, um mit kulturellen Angeboten die Rheinstraße zu beleben: den Ratssaal für kulturelle Veranstaltungen, den Trausaal mit Terrasse als würdigen Rahmen für Trauungen und den rustikalen Ratskeller für Vereine und kleine Events. Der Außenbereich bietet Einheimischen wie Gästen eine hohe Aufenthaltsqualität.

Wie sehen Sie die Zukunft der Therme – auch angesichts der zunehmend angespannten finanziellen Lage und bereits angekündigter Steuererhöhungen? Kann sich Bad Bellingen den angedachten Neubau im großen Stil leisten (bis 2050 / für 42 Millionen Euro)?

Die Therme ist das Herz von Bad Bellingen. Ich kämpfe dafür, die Therme erfolgreich in die Zukunft zu führen. Allerdings ist das Projekt sehr komplex und muss gut vorbereitet werden. Wir haben in den letzten Jahre verschiedene Gutachten und daraus ein Konzept erstellt, um den Gebäudebestand schrittweise weiterzuentwickeln. Einen kompletten Neubau können und wollen wir uns nicht leisten. Konkret wollen wir ein zweites Innenbecken bauen, auch um wieder mehr Gesundheitskurse anbieten zu können.

Bewirbt sich um eine zweite Amtszeit: Carsten Vogelpohl. Foto: Thomas Auerbach/echt-gut! Kommunikation

Nicht unumstritten ist auch der geplante Bau des Penny-Markts am Rande des Kurparks. Wie stehen Sie zu dem Projekt?

Entstehen könnte ein Geschäftshaus am Kurpark als Lückenschluss mit Markt und barrierefreien Wohnungen vom Roten Kreuz für Senioren und Menschen mit Pflege- beziehungsweise Unterstützungsbedarf. Ein Discounter könnte das Lebensmittelangebot abrunden und Kaufkraft am Ort binden. Die Kubatur orientiert sich am neuen Gesundheitszentrum. Der Gemeinderat hat die Verwaltung beauftragt, das Projekt unter Einbeziehung von Gemeinderat und Öffentlichkeit weiterzuverfolgen.

Auf welche Themen und Projekte wollen Sie in den nächsten acht Jahren einen Schwerpunkt legen?

Kommunalpolitik braucht einen langen Atem. Wir werden zunächst unsere laufenden Großprojekte beenden: das Rathaus mit neuer Dorfmitte von Bad Bellingen und den Weiher als wichtigste Etappe der Kurparksanierung. Dann stehen an: zusätzliche Räume für die Ganztagsbetreuung an der Grundschule, unsere beiden Neubaugebiete in Hertingen und Bad Bellingen und die Weiterentwicklung der Therme. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Maßnahmen, die die Lebensqualität in der Gemeinde weiter steigern.

In den vergangenen Jahren gab es aus dem Gemeinderat von einzelnen Räten immer wieder Kritik an der Verwaltung. Kritisiert wurden mangelnde Transparenz und ein unzureichender Informationsfluss. Wie wollen Sie Verbesserungen erzielen?

Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat ist insgesamt sehr gut, vertrauensvoll und offen. Mit den Fraktionsvorsitzenden und Bürgermeisterstellvertretern aus allen vier Ortsteilen stehe ich in engem Austausch, ebenso mit den allermeisten Gemeinderäten. Klausursitzungen, Ortstermine und Arbeitsgruppen kommen bei wichtigen Themen wie dem Rathaus hinzu. Dieses Miteinander war erfolgreich und hat sich bewährt, so werden wir es auch in Zukunft handhaben.

Bad Bellingen ist seit Jahren auf Wachstumskurs, die Einwohnerzahlen sind deutlich gestiegen. Gibt es noch weiteres Potenzial – oder hat die Gemeinde mit Blick auf Flächen und Infrastruktur ihre Grenzen erreicht?

Wir möchten Bauplätze für junge Familien anbieten, reihum in allen vier Ortsteilen. Bald Rheinstraße Nord und Hertingen, danach wäre Bamlach wieder dran. Zugleich treiben wir innerorts die Bebauung freier Bauflächen und die Umnutzung ehemaliger Gästehäuser und Ferienwohnungen voran. Fachleuten zu Folge haben wir eher wenig Fläche in Anspruch genommen. Die Infrastruktur bei Kindergärten und Grundschule entwickeln wir vorausschauend und bleiben flexibel.

Das Gewerbegebiet in Rheinweiler ist voll – wo könnten noch neue Gewerbeflächen entstehen?

Wir haben immer wieder Anfragen von ansiedlungswilligen Unternehmen, die wir nicht bedienen können. Wir sind offensichtlich ein attraktiver Standort und brauchen neue Flächen. Aktuell entwickeln wir mit dem Regionalverband Hochrhein-Bodensee und unserem Stadtplaner neue Flächenpotenziale, die Anschluss an eine übergeordnete Straße bieten und topographisch geeignet sind.

Bezüglich Infrastruktur und öffentlicher Personennahverkehr, speziell in den Dörfern: Wo sehen Sie in der Gemeinde besonderen Handlungsbedarf?

Positiv sind die beiden Bahnhöfe an der Rheinschiene Basel-Freiburg. Auch hat der Landkreis sein Busangebot verbessert, arbeitet an On-Demand-Angeboten. Neu ist die Mitfahr-App. Wir bauen öffentliche E-Ladesäulen in allen vier Ortsteilen und erweitern das Carsharing-Angebot. Eine Anbindung an das Basler Bikesharing-System fände ich wichtig. Ein Bürgerbus ist wünschenswert, benötigt aber ausreichend Freiwillige, die das Angebot tragen.

Besonders in Zeiten klammer Kassen sind gute Ideen gefragt: Was würden Sie für die Gemeinde tun, was nichts oder wenig kostet – aber einen echten Mehrwert für die Allgemeinheit bringt?

Das Ehrenamt trägt große Bereiche des öffentlichen Lebens. Das fördern wir – ideell, mit Räumen und auch mit Geld. Unsere kommunalen Stiftungen schütten regelmäßig Erträge für Vereinsprojekte und für die Bürgerschaft insgesamt aus, im vergangenen Jahr über 80  000 Euro. Davon haben wir unter anderem die beiden neuen Bolzplätze finanziert sowie sechs Seniorenfitnessgeräte für den Kurpark – ohne den Gemeindehaushalt zu belasten.

Zum guten Schluss würden wir gerne von Ihnen wissen: Haben Sie ein Lebensmotto?

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“ In der Kommunalpolitik bringen Hartnäckigkeit, Mut und Geduld den Erfolg.

Carsten Vogelpohl

Der promovierte Politikwissenschaftler
ist 53 Jahre alt und wohnt mit seiner Familie in Lörrach.

Am 14. Januar 2018
wurde er zum Bad Bellinger Bürgermeister gewählt. Damals waren insgesamt drei Kandidaten angetreten. Vogelpohl entschied mit 63,6 Prozent der Stimmen die Wahl bereits im ersten Durchgang klar für sich.