Das nur fünf Milimeter großes Weibchen der Amerikanischen Rebzikade legt zwischen zehn und 15 Eier. Foto: zVg/Olaf-Zimmermann/LTZ-Augustenberg

Auf Flächen der Gemeinden Schliengen und Bad Bellingen mit den Ortsteilen Bamlach und Rheinweiler wurde erstmals in Deutschland die Amerikanische Rebzikade nachgewiesen. Insektizid bekommt Notfallzulassung bis Jahresende.

Mittlerweile seien an 18 Fallenstandorten mehr als 250 Tiere gefangen worden, teilt Weinbauberater Joscha Mattmueller vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald in einem Sonder-Newsletter mit und verweist dabei den aktuellen Rebschutzhinweis des Staatlichen Weinbauinstituts Freiburg.

 

Die Karte zeigt die Standorte der vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg aufgesgtellten Fallen und die Anzahl der gefangenen Rebzikaden. Foto: Maps4News/Here/Alexander Anlicker

Diese Zikade gilt als Überträger der „Goldgelben Vergilbung“, auch „Flavescence dorée“ (FD) genannt. „Die bisher untersuchten Tiere tragen den Erreger zwar noch nicht in sich, trotzdem ist nun höchste Vorsicht geboten“, schreibt Mattmueller. Die Zikade selbst verursacht keine Schäden.

Das Insekt

Die Amerikanische Rebzikade, Scaphoideus titanus, ist nur fünf bis sechs Millimeter groß. Sie verbringt ihren gesamten Lebenszyklus an Reben, bevorzugt auf verwilderten Unterlagsreben, und ernährt sich dort vom Saft der Pflanze. Die Tiere überwintern in Form von Eiern auf dem Rebholz. Aus den Eiern schlüpfen im Mai/Juni die Larven, die sich hauptsächlich auf der Blattunterseite aufhalten und an den Pflanzen saugen. Ende Juli bis Anfang August häuten sich die Zikaden und werden zu erwachsenen Tieren. In diesem Stadium können die Zikaden gut fliegen und sich theoretisch mehrere 100 Meter in der Umgebung ausbreiten.

Durch Weinbaumaschinen, insbesondere Laubschneider, oder durch Windverdriftung kann eine Verbreitung aber auch über größere Entfernung erfolgen.

Im Spätsommer kommt es dann zur Paarung der Zikade und anschließend zur Eiablage, wobei ein Weibchen zwischen zehn bis 15 Eier legen kann. Sie ist der einzige Überträger der „Goldgelben Vergilbung“, die von Phytoplasmen, zellwandfreien Bakterien, verursacht wird. Sie wachsen als Parasiten in den pflanzlichen Leiterbahnen .

Bekämpfung

Per Notfallzulassung wurde nun das Mittel Karate Zeon in allen Befallsgebieten zugelassen. Flächen außerhalb des Bereichs dürfen nicht behandelt werden. Der Weinbauberater rät betroffenen Winzern zu einer umgehenden Behandlung unter Beachtung der siebentägigen Wartezeit. Um eine bessere Applikation zu gewährleisten, sollte bei der Behandlung jede Gasse gefahren werden.

Das Insektizid der Firma Syngenta ist wirksam gegen beißende und saugende Insekten. Der Verwendete Wirkstoff ist Lambda-Cyhalothrin.

Um eine Verschleppung der Rebzikade zu verhindern, müssen die Maschinen von Laubresten befreit werden. Außerdem müssen in den Befallsgebieten im Herbst sämtliche Unterlagsreben beziehungsweise verwilderte Reben entfernt werden, da sich das Tier hier bevorzugt aufhält.

Krankheit

Die „Goldgelbe Vergilbung“ wird aufgrund des enormen Schadpotenzials für den Weinbau in der Europäischen Union als Unionsquarantänekrankheit eingestuft und ist meldepflichtig. Verwechselt werden kann die Krankheit leicht mit der sogenannten Schwarzholzkrankheit, die in deutschen Weinbaugebieten weit verbreitet ist.

Symptome

Zu den typischen Symptomen gehören das frühe Verfärben und Einrollen von Blättern. Während sich bei weißen Rebsorten die Blätter von den Blattadern über die Spreite hinaus gelb verfärben, kommt es bei den roten Sorten zunächst zur Rotfärbung einzelner, durch Blattadern scharf abgegrenzter Bereiche.

Die befallenen Triebe verholzen im Sommer nur unvollständig und sterben durch Frost im Winter ab. Auch die Entwicklung der Traube ist gestört, was zur Verrieselung, einer Verzögerung der Reife und letztendlich zum Schrumpfen sowie Abfallen der Beeren führen kann, heißt es.