Fertig ist Ingo Seehafer noch nicht mit seinem Großprojekt – aber mehrere Modelleisenbahnen fahren schon auf der teils vierstöckigen Bahnlandschaft, die er zusammen mit seiner Frau Alice Kurscheidt im Spielzeugmuseum aufgebaut hat.
Im Museum, das vor rund zwei Jahren, ursprünglich an der Badstraße eröffnet wurde, gibt es auch sonst viel Neues. Den vergangenen Winter haben die beiden Spielzeugfans genutzt, die 2024 neu gemieteten Ausstellungsräume in der Rheinstraße umzugestalten und die vielen großen und kleinen Objekte zu ordnen.
Die erwähnte große Bahnanlage ist das derzeitige „Masterprojekt“. Züge fahren bereits, aber die endgültige Digitalisierung des Zugbetriebs steht noch aus. Gerade hat Seehafer auch noch einen ersten Profikurs in Sachen Diorama-Bau im Vorgriff auf die endgültige Ausgestaltung der Bahnanlage abgeschlossen. Im Raum nebenan ist ein Bahndiorama fertig. Dort können Kinder (und Erwachsene) mehrere Züge auf einer ausgestalteten Modelleisenbahnplatte durch eine Landschaft fahren lassen. „Neulich hat ein Kind hier drei Stunden gespielt. Ich finde es toll, dass es noch viele Kinder gibt, die Riesenspaß daran haben, die Loks samt Waggons geduldig zu rangieren“, hat er beobachtet. „Übrigens wollen alle Kinder die Züge zum Schluss immer im Bahnhof abstellen.“ Das findet er interessant.
Im Eingangsbereich des Museums ist ein Laden entstanden, in dem Besucher gutes altes, aber auch neues Spielzeug erwerben können. Auch das riesige Schaufenster wird regelmäßig neu bestückt. Derzeit fährt dort ein „Osterzug“ mit Waggons, in denen ein Häschen sitzt und in denen bunte Eier transportiert werden, hin und her. Einige Kinder drücken sich draußen an der Scheibe bereits die Nase platt.
Misstrauisch beäugt wird dagegen noch das große, hübsche Schaukelpferd mit Hüpf- und Rollmechanismus, das extra zum Ausprobieren im Shop steht. „Ich hätte mich da als Kind sofort draufgesetzt aber bisher betrachten die Kinder es erstaunlicherweise mit ziemlichem Respekt“, schmunzelt er.
Museum privat finanziert
Er finanziert das Museum und damit die Raummiete übrigens privat. „Wir müssen deshalb auch erklären, dass es für Erwachsene fünf und für Kinder drei Euro Eintritt kostet. Die Kosten deckt das nicht, aber es ist immerhin etwas“, erläutert er.
Mittlerweile läuft das Museum aber gut an, nicht nur bei den Modellbahnfans, „denn hier gibt es so viel zu sehen, man begibt sich auf eine Zeitreise bis rückwärts in die 1930-Jahre“, resümiert der gebürtige Düsseldorfer, der als Laborleiter arbeitet und eigentlich mal Tierfilmer werden wollte. Speziell interessierte er sich immer schon für Modelleisenbahnen und besonders für die Firma Trix, die viel flexibler und deren Zug- und Waggonmodelle viel robuster gewesen seien als die der Firma Märklin, wie Seehafer findet. Dementsprechend finden sich vor allem Trix-Bahnen aller Kategorien in den Museumsräumen, am häufigsten die der Spurweite H 0. Natürlich ist aber auch Märklin vertreten.
Die Räume sind zeitlich gegliedert. Es gibt einen 2000er-, einen 1970er-, einen 1950er- und einen 1930er-Raum – mit Zügen, Metallautos, Püppchen und Puppenstubenzubehör, präparierten Tieren, alten Kinderbüchern, Konstruktionskästen, Baukränen, einer britischen Trix-Anlage, aber auch zeittypischen Einrichtungsgegenständen von Tüten- und Fransenlampen bis hin zum Käse-Igel für das 60er-Jahre-Partybuffet. Vieles davon ist zum Anfassen. „Ältere Leute freuen sich so, Dinge aus ihrer Kindheit zu finden und gehen hier teils mit feuchten Augen wieder raus. Das ist schon rührend.“
Eine tolle Neuheit ist ein Kindergrammophon aus den 1930er-Jahren mit dazu gehörenden Schelllackplatten mit Kinderliedern oder Tiergeräuschen. Das führt Seehafer gerne vor.
Die Bravo: ein Renner
Auf ICE-Sitzen können Interessierte Platz nehmen und sich durch gespendete Eisenbahn- oder Kinderbücher aus anderen Zeiten blättern. Ergattert hat Seehafer zudem noch eine Bravo aus dem Jahr 1961 – „noch ohne Dr.-Sommer-Beiträge, aber mit einem Teil des Rex-Gildo-Starschnitts. Das Bravo-Heft und dazu alte Modezeitschriften sind gerade die Lese-Renner. Von einem Händler aus der Sendung „Bares für Rares“ hat er einen ganz seltenen, für Frankreich produzierten Trix-Metallbaukasten abgekauft. Was noch auffällt: Seehafer hat sogar den Super-8-Tonfilm „Der Weg der deutschen Mannschaft zum WM-Titel“ von 1974 im Bestand. „Der war damals superteuer und ich bekam ihn als Kind zum Geburtstag“, erinnert er sich.
Spielzeugmuseum
Aktuelle Öffnungszeiten:
Ostersamstag, 19. April, und Ostersonntag, 20. April, von 13 bis 17 Uhr, das Museum ist ebenfalls zum Frühlingsmarkt in der Rheinstraße am Sonntag, 27. April, geöffnet. Geplant ist zum Frühlingsmarkt eine Außen-Carrera-Bahnanlage vor dem Museum.
Weitere Infos
gibt es im Internet auf der Seite www.spielzeugmuseum-bellingen.de.