Die Gemeinderäte Gerd Henn (von links) und Monika Morath sowie Landrätin Marion Dammann und Bürgermeister Carsten Vogelpohl erinnerten an besondere Ereignisse in Bad Bellingen. Foto: Jutta Schütze

Bad Bellingen feiert die Gemeindereform vor 50 Jahren mit einem Festakt. Die Bädergemeinde besteht seither aus den Ortsteilen Bad Bellingen, Bamlach, Rheinweiler und Hertingen.

Zur Einstimmung auf den Festakt zum 50. Gemeindejubiläum von Bad Bellingen lief eine Bilderschau mit historischen und neueren Fotos auf der Leinwand im Kursaal. Die Verwaltung mit Bürgermeister Carsten Vogelpohl hatte zusammen mit dem Team der Tourismusinformation einige Überraschungen vorbereitet - für die vielen Gäste, zu denen unter anderem auch Landrätin Marion Dammann und Alt-Bürgermeister Christoph Hoffmann gehörten, wurde es ein kurzweiliger Abend mit einer Mischung aus Unterhaltung, Musik, Interviews, Gesprächen und Ehrungen.

 

Vogelpohl betonte denn auch in seiner Begrüßungsansprache, die gesamt unter der Überschrift „Wir tragen Bad Bellingen“ stand, dass alle Bürger und damit die „Menschen eine Gemeinde ausmachen und diese deshalb auch im Mittelpunkt des Festaktes stehen sollten“. Der Rückblick auf die Anfänge der Gemeinde und damit auf die Zeit vor 50 Jahren, als mit der Gemeindereform, die der Bund und das Land Anfang der 1970er Jahre angestoßen hatten, die Zahl der Gemeinden beträchtlich schrumpfte, erfolgte zusammen mit Marion Dammann und zwei Gemeinderäten. Monika Morath aus Bamlach und Gerd Henn aus Hertingen hatten damals die Diskussionen um den nicht ganz freiwilligen Zusammenschluss der vormals vier eigenständigen Gemeinden live mitbekommen. „Die Bürger von Bamlach und Rheinweiler kamen schon länger ganz gut miteinander klar, wir haben aber die Bellinger, die sehr stolz auf ihr Bad und den Kurorttitel waren, als ziemlich hochnäsig wahrgenommen“, berichtete Morath. Sie war damals als Frau auch noch „Exotin“ im Ortschaftsrat in Bamlach und bekam , begleitet von Weinschorle, einige Lehrstunden in Sachen Ortspolitik. „ Man legte mir .nahe, dass man sehr wohl kontrovers diskutieren durfte, dann aber doch einheitlich abstimmen sollte, weil sich dies dann im Sitzungsprotokoll besser mache“, erinnerte sie sich vor dem Samüsierten Publikum.

Hertinger wollten nach Schliengen oder Kandern

In Hertingen sträubte sich gut die Hälfte der Bevölkerung gegen das Zusammengehen mit Bad Bellingen. Viele Hertinger wollten lieber zu Schliengen oder Kandern gehören, „sogar das Schliengener Amtsblatt lag schon in den Briefkästen“, hatte Vogelpohl gehört. Gerd Henn, der damals noch ein junger Mann war, berichtete von den zwei Lagern, die „Pro-Bellingen Fraktion, die sich im Hebelhof traf und der Fraktion, die gar nicht zu Bellingen gehören wollte, die im „Reichsadler“, der sogenannten Texas-Bar‚ diskutierte, „man hat sich dann halt später zusammengerauft“, kommentierte Henn. Damals gab es in Hertingen für die Treffen auch noch mehrere Gasthäuser, „seit diesem Jahr haben wir kein einziges mehr“, bedauerte Henn.

Nach dem Zusammenschluss der Dörfer, existierten die Ortschaftsratgremien noch weiter, sie wurden Anfang der neunziger Jahre unter Bürgermeister Eberhard Stotz in einer Gemeinderatssitzung mit nur einer Stimme Mehrheit abgeschafft. „Bad Bellingen ist damit unter den umliegenden Gemeinden, die alle ihre Ortschaftsräte behielten, eine Ausnahme“, so Vogelpohl. Immerhin kommen die vier Bürgermeisterstellvertreter aus je einem der Ortsteile.

Ortschaftsräte Anfang der 1990er Jahre abgeschafft

Marion Dammann und Vogelpohl erinnerten daran, dass die Gemeindereform angestoßen worden war, um in Zeiten nach dem Wirtschaftswunder Gemeinden finanziell schlagkräftiger und damit handlungsfähiger zu machen. „Viele kleine Gemeinden konnten die immer größer werdenden Aufgaben nicht mehr stemmen, aus ursprünglich 3400 Kommunen entstanden dann 1100“, fasste Dammann zusammen. Bad Bellingen habe die Einwohnerzahl in 50 Jahren von rund 2500 auf mehr als 5000 verdoppelt.Sie fand aus ihrer Sicht, dass „heute vieles zwar effizienter, aber auch starrer in den Gremien der Kommunen abläuft als früher, als man Probleme auch mal in einer Sitzung bei einer Runde Wein lösen konnte“. Dammann überreichte eine Urkunde des Landkreises, die an die Gründung der Gesamtgemeinde erinnert.