Lesen für Deutschland: Heike Geißler, Leander Steinkopf, Anna Pritzkau, Dana Vowinckel, Nadine Schneider, Necati Öziri, Timon Karl Kaleyta (von links oben im Uhrzeigersinn) Foto: dpa/ORF

Alles Prototypen: In Klagenfurt startet das Wettlesen um den Bachmann-Preis.

Stuttgart - Das Wetter stimmt. So wünscht man sich das in Klagenfurt, wenn die Stadt nun für einige Tage wieder zum Schauplatz einer in ihrer Art ziemlich einzig dastehenden Veranstaltung wird: dem Wettlesen um den seit bald einem halben Jahrhundert hier vergebenen Ingeborg-Bachmann-Preis, mit anschließender kritischer Exekution. Doch auch in diesem Jahr muss das Publikum hinter dem Bildschirm schwitzen und nach dem Verfolgen erhitzter Diskussion auf das kühlende Bad im Wörthersee verzichten. Wie schon im vergangenen Jahr sind auch die 45. Tage der deutschsprachigen Literatur eine Corona-Sonderausgabe, der allerdings zugute kommt, dass man hier seit je fortschrittlich neben dem Zauber des Hier und Jetzt auf die medial vermittelte Teilhabe gesetzt hat. Immerhin ist die Jury wieder live vor Ort dabei, woran man ablesen kann, wer hier die eigentliche Hauptrolle spielt.

 

Die vierzehn für den literarischen Schaukampf Nominierten werden zugeschaltet, neun Autorinnen, fünf Autoren. Anders als in den Jahren zuvor, in denen allerlei Spaßkandidaten, bunte Vögel oder Altersausreißer das Feld aufgemischt haben, fällt dieses Mal auf den ersten Blick niemand aus der Reihe. Höchstens vielleicht der Lebensweg, der den gebürtigen Bochumer Timon Karl Kaleyta nach manch hochfahrender Bauchlandung an die Seite einer erfolgreichen Berliner Kunsthändlerin geführt hat, und der seinen in diesem Jahr erschienenen Schelmenroman „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ inspiriert hat.

Zur Eröffnung ein Abschied

Neben der FAS-Redakteurin Anna Pritzkau, Heike Geißler, Necati Öziri, Nadine Schneider, Leander Steinkopf und Dana Vowinckel ist Kaleyta einer der sieben deutschen Teilnehmer, fünf kommen aus Österreich, zwei aus der Schweiz. Niemand von ihnen bringt bereits einen etablierten Namen mit, den es nun noch mit einem verkaufsfördernden Siegel aufzupolieren gälte. Alles sind literarische Prototypen, was die Sache spannend macht.

Viele Jahre hat der Literaturkritiker Hubert Winkels die Diskussionen geprägt, nun scheidet er aus. An diesem Mittwochabend wird er das Spektakel mit seiner Abschiedsrede zur Lage der Literaturkritik eröffnen. Neu in der Jury sind Mara Delius, die Leiterin der „Literarischen Welt“ und die Schriftstellerin Vea Kaiser. Die Lesungen sind von Donnerstag bis Samstag ab 10 Uhr auf 3Sat zu sehen.