Geborgenheit soll auch ein Baby, das in die Babyklappe am Franziskusheim in Schwenningen gelegt wurde, von Anfang an erfahren. (Symbolbild) Foto: Fabian Strauch/dpa

Baby Nr. 7 in der Babyklappe der Prokids-Stiftung in Schwenningen, dem kleinen Jungen bleiben nun mehrere Optionen – seine Ankunft hat sich bereits im Vorfeld angekündigt.

Es ist wenige Monate her, da hatte Joachim Spitz schon so eine Ahnung: „Vermutlich liegt bald wieder ein Kind in der Babyklappe.“

 

Jetzt, an diesem Montagabend, bestätigte sich seine Vermutung. Der Alarm ging los, die Belegschaft des Schwenninger Franziskusheims wurde aufgeschreckt. Zwei männliche Pflegekräfte im Nachtdienst durften wenig später, ganz vorsichtig, einen neuen Erdenbürger willkommen heißen. So herzlich willkommen, wie ihn seine leibliche Mutter offenbar nicht empfangen konnte, die ihn deshalb zum siebten Babyklappen-Kind von Villingen-Schwenningen machte.

In gewisser Weise also hat Joachim Spitz jetzt neben seinem leiblichen Sohn Maximilian noch sieben weitere „Kinder“, denn er war es, der die Babyklappe 2010 gründete.

Das sind untrügliche Anzeichen

Etwa alle zwei Jahre, so der Unternehmer aus Schwenningen, werde ein Baby erfahrungsgemäß in der Einrichtung abgelegt. Doch das war nicht das einzige Anzeichen, das ihm signalisierte, dass es bald wieder so weit sein würde. Ein weiteres Indiz: Die Unterlagen, die in der Babyklappe bereitliegen für denjenigen, der ein Kind dort ablegt, waren plötzlich weg. Spitz kennt das Muster: Oft fehlen die Unterlagen und wird wenig später, Wochen oder wenige Monate später, ein Neugeborenes zur Babyklappe gebracht. Vermutlich also hat eine ungewollt oder im absolut unpassenden Moment schwanger gewordene Frau sich bereits im Vorfeld mit dieser Möglichkeit auseinandergesetzt.

Umkehr-Option für die Mutter

Mit den Papieren wird die Mutter in erster Linie darüber informiert, wie es jetzt weiter geht – und auch ein barrierefreier Weg aufgezeigt, wie sie ihr Kind doch noch zu sich nehmen kann, sollte sie sich umentscheiden. Acht bis zwölf Wochen Zeit bleiben den leiblichen Eltern dafür – währenddessen ist das Baby bei einer Pflegefamilie untergebracht. Danach soll es an eine Adoptivfamilie weitervermittelt werden.

Die erste Station für Baby Nr.7 war am Montagabend erst einmal das Klinikum. Wie jedes zuvor will Joachim Spitz auch dieses Babyklappenkind persönlich begrüßen. Schon mitten in der Nacht auf Dienstag hatte er von seiner Ankunft erfahren – um 3 Uhr beim zufälligen Blick aufs Handy. „Dann konnte ich auch nicht mehr schlafen“, erzählt er lachend. Abgelegt worden sei das Kind bereits am Montagabend zwischen 20 und 22 Uhr – „ganz frisch geboren“, wie Spitz erzählt.

Ein Geschenk fürs Baby

Bei der Prokids-Stiftung, unter deren Regie die Babyklappe am Franziskusheim läuft, liegt stets eine kleine Erstausstattung für solche Fälle bereit. Doch eine Sache hat Joachim Spitz dem kleinen Erdenbürger dann doch noch besorgt für ihre erste Begegnung: ein Schnuffeltuch. Auch den anderen Kindern, die in der Babyklappe lagen, hat er ein solches bereits mitgegeben.

Viel zu erfahren ist über das jüngste Findelkind von Joachim Spitz allerdings nicht. Dass über Größe, Gewicht und Aussehen das kleinen Jungen keinerlei Informationen gegeben werden, hat einen guten Grund: „Die Anonymität zu wahren, ist das A und O“, betont Joachim Spitz. Der Junge soll unbehelligt und unbeschwert aufwachsen – ob er jemals erfahren wird, dass er einst in die Babyklappe gelegt worden ist, steht in den Sternen.