Der Artenschutz zwischen Seebronn und dem B 28-Anschluss Sülchen bei Rottenburg geht vor - daher, und auch weil sich Bürgerprotest meldete - verhängt das Verkehrsministerium einen Ausbaustopp für die Bundesstraße. Foto: Angela Baum

Ein Ausbaustopp für den dreispurigen Ausbau der B 28 zwischen den Seebronn und Sülchen ist in Kraft.

Die Natur an der bereits durchgeplanten dreispurigen Ausbaustrecke der B 28 führt dazu, dass die Pläne erst einmal in den Schubladen des Verkehrsministeriums verschwinden. Denn Verkehrsminister Winfried Hermann höchstpersönlich pfiff seine Mitarbeiter sowie das Regierungspräsidium bei der Arbeit an den Planungen zum Ausbau der B 28 zwischen den Anschlüssen Seebronn und Sülchen bei Rottenburg zurück. Bereits im Jahr 2018 begannen die Planungen des Verkehrsministeriums und des Regierungspräsidiums.

 

Nach einem Umweltscoping im Oktober 2018 und den umweltfachlichen Kartierungen konnten alle technischen Planungen für den Abschnitt der B 28 entwickelt werden. Im Jahr 2022 führten Anmerkungen von Naturschutzverbänden und Bürgerprotest dazu, dass das Land eine zusätzliche Variantenstudie durchführte. Minister Hermann erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion: „Es war mir wichtig, diese Bedenken ernst zu nehmen und alle sinnvollen Lösungen sorgfältig abzuwägen.“ Er lobte die Arbeit des ausführenden Regierungspräsidiums, welches sich dieser Aufgabe engagiert angenommen habe. Dabei wurde die bisherige Vorzugsvariante (durchgehend drei Fahrspuren) der neu erstellten Variante (drei Spuren vom Sülchenknoten bis zum Ende der Steigungsstrecke) gegenübergestellt.

Seltene Arten wie Rebhuhn und Juchtenkäfer

Das Ergebnis zeigte jedoch in allen Fällen einen erheblichen Aufwand, der zu erwarten wäre: Die vielfältige und wertvolle Natur an der Steigung, darunter seltene Arten wie Rebhuhn, Juchtenkäfer, Grauammer und verschiedene Fledermausarten, würden die Kosten deutlich erhöhen – etwa für zusätzliche Querungshilfen. Zudem erreichen beide Zufahrten (L 361 und K 6938) in Spitzenzeiten bereits ihre Kapazitätsgrenzen. Für einen konstanteren Verkehrsfluss wurden in den vergangenen Jahren an der B 28 zwischen Tübingen und Sülchenknoten bereits moderne Ampelanlagen installiert. „Die Engstelle ist nicht die Strecke selbst“, so Hermann.

Ausbau wird vorerst nicht weiterverfolgt

Das Ziel des Verkehrsministeriums war es daher, klare Prioritäten zu setzen. Hermann sagt dazu: „Unser Ziel ist es, mit zielgerichteten, effizienten Maßnahmen mehr Sicherheit und eine bessere Verkehrsqualität zu erreichen. Deshalb konzentrieren wir uns auf den Ausbau der beiden Kreuzungen an der L 361 in Seebronn und an der K 6938 bei Wendelsheim. Mit dem Ausbau dieser Anschlüsse verbessern wir Verkehrssicherheit und den Verkehrsfluss deutlich.“ Ein durchgehender dreistreifiger Ausbau der freien Strecke wird daher vorerst nicht weiterverfolgt. Das gilt bis auf Weiteres. Hermann: „Wir setzen Prioritäten dort, wo wir zeitnah wirksam handeln können. So sichern wir Mobilität und schonen die Natur.“

Erhalt und Sanierung gehen vor

Hermann erinnerte daran, dass im Land Baden-Württemberg Erhalt und Sanierung vor Aus- und Neubau stehen: „Wer zu viele Straßenbauprojekte gleichzeitig vorantreibt, handelt nicht vorausschauend – denn dann wird keines schnell fertig. Dank der neuen Ausrichtung auf Sanierung konnte der Zustand des Straßennetzes in den vergangenen Jahren weitgehend stabil gehalten werden.“ Die Herausforderungen sind jedoch weiterhin groß: Insbesondere Brückensanierungen haben für das Land zurzeit höchste Priorität, so der Verkehrsminister. Zahlreiche Brücken sind so alt, dass sie dringend saniert werden müssen. „Auf einer schlechten Straße kann man vielleicht noch fahren, auf einer baufälligen Brücke nicht mehr. Brücken verbinden nicht nur Orte, sondern auch Menschen.“