Abfall wild verstreut unter der B27-Brücke bei Bisingen-Steinhofen: Was der Müll über seine früheren Besitzer sagen könnte. Vielleicht hielten sich dort gar Kriminelle auf.
In Bisingen (aber auch andernorts) sammelt sich an manchen Stellen der Abfall. Im Gespräch vor den Sommerferien waren in diesem Zusammenhang vor allem die Glascontainer-Standorte. Doch nicht nur diese sind vom Übel betroffen.
So steht an der B27-Brücke in der Nähe des Reitsportzentrums ein Schild, auf dem zu lesen ist: „Das Ablagern jeglicher Materialien ist verboten. Bei Mißachtung wird Kostenpflichtig beseitigt.“ Diese Drohung wirkt in Anbetracht des Unrats dann doch wie ein zahnloser Tiger.
Eine potenzielle Diskussion über abschreckende Schilder an Glascontainer-Standorten hätte sich damit vielleicht schon erledigt.
Eine Spendenliste, gemacht von Betrügern
Schaut man sich bei der B27-Brücke um, findet man sich auf einem Feldweg, flankiert vom Abfall.
Kurios wirkt auf den ersten Blick eine Unterschriftenliste des „Landesverbands der Behinderten und Taubstummen Kinder“, der angeblich ein „Zentrum mit Kontakten auf nationaler und internationaler Ebene eröffnen“ eröffnen will. Vier Personen haben dafür sogar unterschrieben und geringere Spendensummen von maximal 50 Euro in der Liste dokumentiert.
Das zerknitterte Stück Papier war eindeutig Teil einer Betrugsmasche, die seit mehreren Jahren deutschlandweit immer wieder angewendet wird. Die Polizeidirektion Neumünster (Schleswig-Holstein) berichtet in ihrem Presseportal in einer Mitteilung vom 11. Juni 2025 von zwei männlichen Personen, die „vermeintlich Spenden“ auf dem Parkplatz eines Supermarkts sammelten. Und der besagte „Landesverband der Behinderten und Taubstummen Kinder“ nicht einmal existiert.
Ein Bild der Polizei zeigt das Formular, in das sich die gutgläubigen Spender eingetragen haben. Es ist exakt identisch mit dem, das in Steinhofen unter der B27-Brücke liegt. Wie kommt es dorthin? Haben sich die Betrüger dort gar aufgehalten?
„Bunte Blüte“ „made in Germany“
Auffallend viel verpacktes Cannabis liegt ebenfalls dort. „Bunte Blüte“, heißt eine der Pappschachteln. Der ehemalige Besitzer hat laut Verpackung zwölf Euro für ein Gramm ausgegeben. Und wenn man sich umblickt: noch mehr Cannabis-Schachteln, nach Angaben auf der Verpackung übrigens alle „made in Germany“.
Anscheinend wird unter Brücke nicht nur gekifft. Hungrige Personen nutzen den Bereich auch als Ablage für Fast-Food-Abfall. Zu sehen sind Burger-Schachteln mit dem geschwungenen M, Getränkebecher, Servietten, Döner-Verpackungen.
Randalierer haben gegenüber den Zaun so weit heruntergedrückt, dass man ohne Hindernis zu Fuß den Bach erreichen könnte. Wer außerhalb des Zauns aufmerksam entlang geht, sieht Kurioses, das vielleicht auch von der Fahrbahn oberhalb herabgefallen sein könnte.
1,1 Tonnen Stahl aus Fellbach
Nach Angaben auf einem Lieferzettel gingen rund 1,1 Tonnen „Flachstahl blank EN10278“ aus der Nähe von Stuttgart. Ein anderes Etikett gibt an: 78 Stück und 4,29 Meter Länge – auch das kommt von einem Stahlhändler. Was das zu bedeuten hat, ist letztlich nicht relevant. Aber es zeigt: Der Abfall dort könnte von jedem kommen, vielleicht von Betrügern, von Cannabis-Konsumenten, von hungrigen Menschen, von Gartenbesitzern, die dort ihr Grüngut entsorgen.
Getränke werden unter der B27-Brücke auch ausgepackt. Eine verblichene Packung „Desparados Original Bier mit Aguardiente Aroma“ liegt dort. Vier mal 330 Milliliter. 5,9 Prozent Alkohol. Na dann: Prost, Mahlzeit.