Nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs bei Deißlingen zeigt sich, wie nah das Ganze an einer Katastrophe vorbeischrammte. Das Wrack steckt immer noch im Wald. Wir haben neue Infos von Polizei und BFU.
Tatsächlich, da ist es: Als wir uns am Dienstag nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs in Deißlingen an der Unfallstelle umsehen, ist erst nur rot-weißes Absperrband zu sehen. Dahinter blitzt es blau-weiß durchs dichte Blättergrün. Das Flugzeug steckt noch immer kopfüber in dem kleinen Waldstück. Von Bergungsarbeiten keine Spur.
Umringt von Straßen
Klar wird an diesem Ort allerdings, wie haarscharf der Absturz an einer Katastrophe vorbeischrammte. Denn beim Absturzort handelt es sich um ein kleines Stückchen Wald und Gebüsch, ringsum umgeben von viel befahrenen Straßen. In unmittelbarer Nähe liegen die vierspurige B27, umringt wird das Wäldchen von der Abschleifung Richtung Trossingen und der B523. Das Flugzeug sieht wie hineingezirkelt in das Grün aus. Nicht auszudenken, wenn es auf eine Straße gekracht wäre.
Das einmotorige Flugzeug des Herstellers Diamond Aircraft Industries DA20-C1 war am Montagnachmittag auf dem Rückflug von Leverkusen nach Schwenningen in das Waldstück südlich des Gewerbegebiets Deißlingen-Mittelhart gekracht. Der 60-jährige Pilot, Mitglied der Sportfliegergruppe Schwenningen, konnte das Flugzeug selbst verlassen. Er wurde leicht verletzt – an diesem Kenntnisstand, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz am Dienstag auf Nachfrage, habe sich nichts geändert.
BFU wird Fall nicht untersuchen
Vor Ort zeigt sich, dass das Cockpit des Flugzeugs fast intakt ist. Die Bäume haben den Aufprall augenscheinlich abgefedert. Doch wie kam es zu dem Unglück? Auf diese Frage gibt es überraschende Antworten.
Auf Nachfrage bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) erklärt Sprecher Germout Freitag, dass der BFU der Absturz bei Deißlingen – so wie einige weitere am Osterwochenende, wie fast üblich zum Saisonauftakt – gemeldet wurde. Es sei jedoch die Entscheidung gefallen, dass die BFU diesen Fall nicht untersuchen wird.
Ausschlaggebend seien gewisse, im Flugunfalluntersuchungsgesetz vorgegebene Kriterien, die dieser Absturz nicht erfülle, so der Sprecher. Dazu gehöre unter anderem, dass es sich um einen Unfall mit einer tödlich verunglückten Person handeln muss, durch die Untersuchung wesentliche neue Erkenntnisse für die Luftfahrt zu erwarten sind und einiges mehr. Zudem werde die BFU meist bei Unfällen mit Flugzeugen ab 2,25 Tonnen tätig. Und wer ermittelt dann in so einem Fall wie in Deißlingen die Ursache? „Keiner“ – so der Sprecher.
Für Polizei abgeschlossen
Tatsächlich: Auch bei der Polizei ist der Fall weitgehend abgeschlossen. Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Konstanz auf Nachfrage erklärt, stelle der Absturz aus strafrechtlicher Sicht keine Straftat dar. „Die Absturzursache ist nach wie vor unklar“, sagt er. Auch der Sprecher ist überrascht, dass das Flugzeug noch unberührt im Wald steckt. Seitens der Polizei sei man zunächst davon ausgegangen, dass eventuell noch die BFU Untersuchungen anstellen wird.
Sache der Versicherung
Anzunehmen sei, dass bei dem hohen Schaden – geschätzt liegt dieser bei rund 200 000 Euro – noch Versicherungsgutachter tätig werden. Der Absturz sei nun eine zivilrechtliche Angelegenheit.
Und wer ist nun zuständig für die Bergung des Wracks? Dies werde, so die Auskunft des Polizeisprechers, vom Sportfliegerverein in Schwenningen koordiniert. Dort war am Dienstag allerdings nichts Näheres über das weitere Vorgehen in Erfahrung zu bringen.
Schlimme Erinnerungen
Der Absturz bei Deißlingen weckt bei vielen schreckliche Erinnerungen an das Unglück in Mönchweiler vor knapp zwei Jahren: Am 20. Juli 2023 war ein Motorsegler direkt hinter dem Gewerbegebiet in ein Waldstück gekracht. Das Flugzeug war in Fluorn-Winzeln gestartet. Der 64-jährige Pilot des Flugzeugs kam dabei ums Leben.