Auch in das Westportal des Tunnels fließt wieder Verkehr. Foto: Benjamin Roth

Auf diesen Moment haben Pendler und die Laufener Bürger seit Monaten gewartet. Am Dienstagnachmittag fuhren erstmals seit Oktober 2024 wieder Autos und Lastwagen durch den Tunnel.

Am Dienstagnachmittag bot sich in Laufen ein Bild, auf das Anwohner der Ortsdurchfahrt sowie Verkehrsteilnehmer seit rund 18 Monaten hingefiebert haben. Der Tunnel im Verlauf der B 463 zwischen Balingen und Albstadt ist wieder geöffnet. Der Verkehr rollt nun für rund vier Wochen im Probebetrieb durch die frisch sanierte Röhre.​

 

Das Regierungspräsidium Tübingen (RP) hatte am Dienstagmorgen recht kurzfristig über den Beginn des Probebetriebs am Dienstagnachmittag informiert. Gegen 14 Uhr war es dann so weit. Die Absperrungen sind abgebaut; Vertreter der Tübinger Behörde beobachten, wie der Verkehr durch den Tunnel fließt. Noch gilt aufgrund des Probebetriebs eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometer im Tunnel. Nach Abschluss des vierwöchigen Testzeitraums sind wieder 70 Stundenkilometer erlaubt.

Wenig später wirkt die Laufener Ortsdurchfahrt wie ausgestorben, nur wenige Fahrzeuge sind unterwegs. Schwierig gestaltet sich nun wieder, im Laufener Osten aus der Balinger Straße in Richtung Lautlingen in die B 463 einzubiegen.

Geduldsprobe endet

Mit der Wiedereröffnung des Tunnels endet eine Geduldsprobe insbesondere für die Anwohner und Geschäftstreibenden in der Balinger Straße in Laufen. Die Belastung durch den Durchgangsverkehr in den vergangenen Monaten war enorm. Insbesondere nach dem offiziellen Festakt zur Fertigstellung der Tunnelbaustelle Ende April wurde täglich sehnlichst auf Neuigkeiten aus dem Regierungspräsidium gewartet. Auch Landrat Günther-Martin Pauli begrüßt in einer Stellungnahme, dass die überlang erwartete Tunnelöffnung endlich wieder zur Entspannung der Verkehrssituation führen wird. „Wir danken allen Akteuren und erwarten, dass aus den Komplikationen, die wir erfahren mussten, die richtigen Lehren gezogen und diese bei künftigen Projekten ‚eingespurt‘ werden.“

Eigentlich war die Verkehrsfreigabe schon für Ende April vorgesehen. Da jedoch eine belastbare Verknüpfung der Sicherheitstechnik mit der Integrierten Leitstelle (ILS) in Balingen noch nicht gegeben war, wurden Nacharbeiten nötig, die das Regierungspräsidium und die ausführende Firma nun abgeschlossen haben. Die ILS ist rund um die Uhr besetzt und ein zentraler Akteur bei Notfällen im Tunnel. Bei Schadensereignissen alarmiert sie die erforderlichen Rettungskräfte und sperrt – wenn erforderlich – den Tunnel, weshalb ihre Anbindung an die neue Technik ein unverzichtbarer Bestandteil des Sicherheitskonzepts sei, informiert das RP Tübingen in der Mitteilung weiter.

Reale Bedingungen testen

Zwischenzeitlich sei die Verknüpfung zur ILS belastbar hergestellt und die Funktionstests seien erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen des Probebetriebs wird die neue Technik unter realen Verkehrsbedingungen getestet und die eingebauten Messeinrichtungen an die vor Ort bestehenden Bedingungen angepasst. Dies sei unter anderem deshalb notwendig, da im Tunnel auftretende Luftströmungen und Verwirbelungen tages- und verkehrsabhängig variieren. Um zuverlässige Daten zu liefern, müssen die Sensoren und ihre Einstellungen auf diese Änderungen justiert werden.

Während des Probebetriebs kann es zu spontanen Tunnelsperrungen kommen, die vom Überwachungssystem automatisch und eigenständig oder durch die ILS ausgelöst werden. Auch für gegebenenfalls notwendige Nachjustierungen der Sensoren könne eine zeitweise Sperrung notwendig werden. Die Umleitung erfolgt dann in beiden Fahrtrichtungen über die Balinger Straße in Laufen. Vermutlich ganz los sind die Laufener den Umleitungsverkehr also noch nicht.

64 Kilometer Kabel verlegt

Dieser Umstand ist aber bekannt. Daher wird der Bahnübergang in der Laufener Ortsmitte vermutlich auch erst im Laufe des Juni für den Verkehr freigegeben. Ist der Probebetrieb abgeschlossen, hat Albstadts westlicher Stadtteil aber voraussichtlich viele Jahre Ruhe vom Umleitungsverkehr.

Gesperrt war der Tunnel seit Oktober 2024. Seither wurde dieser auf den aktuellen Stand der Sicherheits- und Betriebstechnik gebracht. Unter anderem wurden 64 Kilometer neue Kabel verlegt und eine energieeffiziente LED-Beleuchtung installiert. Zudem wurde die Sicherheitsausstattung deutlich verbessert: Neue Notrufeinrichtungen, Fluchtwege, Fluchtwegkennzeichnungen sowie Kamera- und Lautsprechersysteme sorgen künftig für mehr Sicherheit im Ernstfall.

PV-Anlage für Energie

Für den Brandfall wurde ein neues Branddetektionssystem eingebaut, das Brände frühzeitig erkennt. Ergänzend dazu steuern vier Strahlventilatoren gezielt die Luftströmung im Tunnel, um Rauch abzuleiten und die Sichtverhältnisse zu verbessern. Einsatzkräfte können zudem auf einen neu installierten Tunnelfunk zurückgreifen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Brandschutz: Dazu wurden ein neues Löschwasserbecken, eine neue Löschwasserleitung mit Hydranten sowie eine Druckerhöhungsanlage installiert, um im Ernstfall eine zuverlässige Versorgung sicherzustellen. Zusätzlich wurde ein Havariebecken gebaut, welches kontaminiertes Löschwasser auffängt.

Auch im Bereich der Nachhaltigkeit wurde nachgerüstet: Auf der Balinger Seite des Tunnels wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die zur Energieversorgung des Tunnels beiträgt. Neue Wechselverkehrszeichen vor den Tunnelportalen ermöglichen es zudem, den Verkehr frühzeitig zu lenken und auf Gefahren hinzuweisen.

Abgeschlossen ist das Gesamtprojekt „Instandsetzung B 463“ aber noch nicht. Die Arbeiten am Neubau der Eyachbrücke sind auf der Zielgeraden. Abschluss der Arbeiten ist gegen Ende August vorgesehen. Von Ende August bis Ende Oktober wird dann noch die Fahrbahndecke zwischen Laufen und Lautlingen saniert – halbseitige Sperrung der B 463 inklusive.