Noten sind hier nicht wichtig: Beim Azubi-Speed-Dating kommen Schüler ganz unkompliziert mit Arbeitgebern aus der Region in Kontakt. Foto: Thomas Fritsch

Bewerbungsmappe und Schulnoten sind hier nur nebensächlich: Beim siebten Azubi-Speed-Dating in Nagold kommen Schüler und lokale Arbeitgeber ohne große Hürden ins Gespräch. Was sagen die Aussteller? Was denken die Schüler? Eindrücke aus der gut gefüllten Stadthalle.

Auf Bewerbungsgespräche freuen sich wohl die wenigsten Menschen. Bin ich gut vorbereitet, welche Fragen kommen auf mich zu, reichen meine Qualifikationen überhaupt aus? Fragen, die für viel Nervosität sorgen können. Beim Azubi-Speed-Dating in der Nagolder Stadthalle sieht das aber anders aus.

 

Die Bewerbungsunterlagen rücken in den Hintergrund, der erste persönliche Eindruck ist hier am wichtigsten. Hier haben Jugendliche die Chance, sich in knackigen zehn Minuten bei den Arbeitgebern vorzustellen, ihre Stärken außerhalb der Schulnoten zu zeigen und ihrerseits Fragen zu stellen. Dann geht es weiter zum nächsten Stand.

Knapp 300 Schülerinnen und Schüler, die bis 2027 ihren Schulabschluss absolvieren, haben sich für die Gespräche bei den 48 Arbeitgebern aus der Region angemeldet, insgesamt kommen dabei ungefähr 900 Dates zustande. Arbeitsverträge werden in der Regel keine geschlossen.

Die Messe, organisiert von Stadt und Gewerbeverein, findet nun schon zum siebten Mal in Nagold statt. Um die Konzeption kümmert sich die Dialogmanufaktur aus Rottenburg. Die PR-Agentur besucht im Vorfeld auch die Schulen, bereitet die Teilnehmer in Coachings auf den Schnuppertag in die Berufswelt vor.

Erste Berufserfahrungen sammeln

Gut vorbereitet ist auch der 17-jährige Dersim. Seinen ersten Termin hat er bei der Firma Dieterle aus Nagold, spezialisiert auf den Holzbau und Furniere. Er zeigt sich sehr interessiert, die Arbeit mit Holz fasziniere ihn schon lange. Was bei einer Ausbildung auf ihn zukommt? Viel Kundenkontakt, aber auch Kraftarbeit, weiß Stefan Appel von der Einzelhandelsabteilung. Den Baustoff Holz werde er aber in allen Facetten kennenlernen. Das Gespräch läuft vielversprechend, die beiden einigen sich auf ein Praktikum.

Das Unternehmen ist zum dritten Mal beim Speed-Dating dabei, laut Appel jedes Mal ein voller Erfolg. Die Azubis der vergangenen Jahre hätten sie alle auf der Messe kennengelernt. „Wir gehen ganz unbefangen in die Gespräche“, das funktioniere am besten. Das auch der Ersteindruck zähle und nicht unbedingt die Schulnoten wichtig sind, sei auch für die Schüler motivierend.

Aufregung ist normal

Dann schlägt der Gong, die ersten zehn Minuten sind vorbei, die Schüler finden sich im Foyer wieder. Die zweite Riege wartet derweil gespannt auf ihr erstes Date mit den Arbeitgebern. So wie Stela und Hilan. Die beiden sitzen vor den großen Fenstern, gehen ihre Notizen noch einmal gründlich durch.

Aufgeregt seien sie beide, sind Bewerbungen für sie doch ein komplettes Neuland. Die 18-jährige Stela versucht, so viele Fragen wie möglich zu stellen, erklärt sie. „Was macht man in der Ausbildung, oder welche Voraussetzungen muss ich mitbringen“, die Basics eben. Sie wolle sich die kaufmännischen Berufe genauer anschauen, auch für das Büromanagement habe sie Interesse.

Die 15-jährige Hilan versucht trotz ihrer Nervosität etwas lockerer an die Gespräche ranzugehen. „Meine Freunde haben mir gesagt, dass ich nicht so aufgeregt sein muss“, erzählt sie. Das habe ihr definitiv geholfen. Sie interessiert sich für den Beruf der praxisintegrierten Erzieherin. Den konnte sie schon in einem Praktikum kennenlernen. Menschen zu helfen, das liege ihr.

Dann ertönt wieder der Gong und die beiden machen sich auf den Weg in die Halle. Wie viele andere Jugendliche, die an diesem Tag vielleicht den Grundstein für ihre Zukunft legen werden.