Eine neue Stelle soll helfen, Obdachlosigkeit frühzeitig zu verhindern. Doch ohne Geld für den Ausbau bleiben die Probleme weiterhin bestehen.
Seit der vergangenen Gemeinderatssitzung in Rottweil ist klar, die AWO bekommt für die Spittelmühle keinen Zuschuss. 60 000 Euro verteilt auf drei Jahre hatte der Träger der Spittelmühle beantragt.
Mit dem Geld sollte unter anderem Zimmer für Frauen entstehen. Doch wackelt nun der geplante Anbau für Frauen? „Das wissen wir noch nicht“, sagt Alexander Schiem, der die Einrichtung für Wohnungslose im Neckartal leitet. „Wir stellen im Moment Anträge, wo es möglich ist, aber erst wenn wir Klarheit haben, können wir planen.“
Im schlimmsten Fall wird das Projekt gecancelt, denn in die Insolvenz rutschen, das will keiner. Wenn das Projekt abgesagt werde, würden zudem die bereits zugesagten Zuschüsse, unter anderem vom Land, nicht fließen.
Anbau auch wegen dem Großgefängnis nötig
Dass der Anbau gebraucht wird, wenn das Großgefängnis in Betrieb genommen wird, sei eigentlich allen klar, auch der Landesregierung – je mehr Gefangene, desto mehr werden auch entlassen, und die brauchen meist Hilfe, in Form eines Obdachs, aber auch in vieler weiterer Hinsicht, erklärt Schiem weiter.
Und da die 24 Plätze in der Spittelmühle fast immer besetzt sind, wird es dann eben eng – auch für Frauen ohne Wohnung. Für sie gibt es im Moment zwei Zimmer, abgetrennt vom übrigen Wohnbereich und mit eigenen sanitären Anlagen. Beide Zimmer seien eigentlich immer belegt.
„Uns gefällt die Aussicht, mehr Platz für Frauen zu haben, schließlich ist es auch unsere Aufgabe, sie zu schützen.“ Zwar komme es in der Spittelmühle selten zu Übergriffen, aber die latente Gefahr für Übergriffe bestehe. Und für Frauen sei es einfach eine Zumutung, die sanitären Anlagen mit Männern teilen zu müssen, sagt Schiem.
Mehr jüngere Personen in der Wärmestube
Der bisher sehr kalte Winter hat sich vor allem in der Wärmestube bemerkbar gemacht, für die Hélène Marcel zuständig ist. „Wir merken schon, dass mehr Leute kommen, auch andere als sonst, viele jüngere.“ Probleme, die höheren Heizkosten bezahlt zu bekommen, tauchen aktuell weniger auf, weil die Leute, die von der Wohnungslosenhilfe betreut werden, insgesamt sehr sparsam leben würden – und selten selbst kochen, „sie kommen ja zu uns zum Essen“, meint Marcel schmunzelnd.
Echte „Berber“, die ganz auf der Straße leben, gibt es in Rottweil derzeit kaum, „aber das ist Zufall.“ Vor allem jüngere Menschen fänden bei diesen Temperaturen oft einen Platz auf dem Sofa von Bekannten. Für den äußersten Notfall hält die Stadt Rottweil am Omsdorfer Hang zudem einen beheizten Container als Unterschlupf bereit.
Brückenneubau und Sanierungen sind Hinderlich
Recht hinderlich sei für die Helfer der Spittelmühle und ihre Klienten derzeit jedoch der Brückenneubau an der Duttenhoferstraße, denn dadurch müsse man übers Berner Feld hinunter fahren. Aber auch einer der Fußwege zwischen Stadt und Neckartal wird umgebaut und der noch nutzbare werde nicht geräumt oder gestreut und sei zudem nicht barrierefrei.
Einer der Hausbewohner ist mit dem Elektrorollstuhl unterwegs und befürchtete zunächst, den Umweg über das Berner Feld würde sein Akku nicht schaffen, erinnert sich Marcel, doch der Akku reiche.
Präventionsarbeit bei drohender Obdachlosigkeit
Um Wohnungslosigkeit besser verhindern zu können, wurde auch eine neue Stelle in der Fachberatung geschaffen. In Zusammenarbeit mit Vermietern, Ordnungsämtern und anderen Stellen soll schon früh eingegriffen werden können, wenn Obdachlosigkeit droht. „Dann ist es einfacher zu verhindern, dass jemand auf der Straße landet“, betont Schiem. Mit Darlehen bei Mietschulden oder im Gespräch mit den Vermietern ließen sich so auch Räumungsklagen verhindern. „Im Moment bekommen wir das oft zu spät mit“, aber das soll sich dadurch nun ändern.