Der Autozulieferer ZF hat die Dividende gestrichen. Grund ist, dass das Stiftungsunternehmen im vergangenen Jahr tief in die Verlustzone gerutscht ist. Dennoch sieht der Vorstand das Unternehmen gut aufgestellt.
Stuttgart - Die Eigentümer des Autozulieferers ZF Friedrichshafen werden in diesem Jahr leer ausgehen. Das Unternehmen wird keine Dividende ausschütten. Grund dafür ist auch die Coronakrise, wodurch der Zulieferer tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Nach Steuern weist der Konzern für 2020 einen Verlust von 741 Millionen Euro aus, nachdem im Jahr zuvor noch ein Gewinn von 400 Millionen Euro verbucht wurde. Im vergangenen Jahr hat der Zulieferer noch gut 63 Millionen Euro als Dividende ausgeschüttet – ein Jahr zuvor waren es sogar 162 Millionen Euro. Mit einem Anteil von deutlich über 90 Prozent ist die Zeppelin-Stiftung in Friedrichshafen die Hauptaktionärin.
Der Friedrichshafener Gemeinderat habe die Streichung der Dividende einstimmig gebilligt, teilt die Stadt mit. „Damit wurde auch ein klares Signal gesetzt, dass wir in diesen herausfordernden Zeiten unser Versprechen einlösen und verantwortlich handeln: Auch wenn ein Dividendenausfall schmerzt, ist das nun eine notwendige Unterstützung des Unternehmens. Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet und in erforderlichen und ausreichendem Maße Rücklagen gebildet. Die Zeppelin-Stiftung kann und wird daher auf eigene Rücklagen und Mittel der Ferdinand gGmbH zurückgreifen,“ kommentiert Oberbürgermeister Andreas Brand die Entscheidung.
Eigenkapital sackt ab
Die coronabedingt schwierige Lage spiegelt sich deutlich in der Entwicklung des Eigenkapitals wider. Die Eigenkapitalquote ist um 10 Punkte auf gerade noch 12 Prozent abgesackt. Zum Vergleich: Im Jahr 2009, als ZF einen Verlust in ähnlicher Größenordnung wie 2020 schrieb, wurde noch eine Eigenkapitalquote von 38 Prozent ausgewiesen. „Mit der Eigenkapitalquote sind wir nicht zufrieden“, räumt ZF-Finanzchef Konstantin Sauer ein. Durch künftige Gewinne soll das Eigenkapital wieder verbessert werden.
Das aktuell niedrige Eigenkapital habe aber keinen Einfluss auf die Möglichkeiten zur Entschuldung von ZF, so Sauer. Nicht zuletzt durch die Übernahme des Bremsenherstellers Wabco ist die Verschuldung des Konzerns gestiegen; netto – also nach Abzug der liquiden Mittel – lag die Verschuldung bei 10,8 Milliarden Euro.
An der Zukunft spart ZF nicht
Trotz des Umsatzrückgangs um 11 Prozent auf 32,6 Milliarden Euro, seien die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) hoch geblieben. Der Anteil der Forschungsausgaben gemessen am Umsatz (die F&E-Quote), lag bei 7,7 Prozent. „Wir haben im vergangenen Jahr an allem gespart, nur nicht an der Zukunft“, sagt ZF-Chef Wolf-Henning Scheider. „Wir haben gemeinsam die Krise gemeistert, den Wandel des Unternehmens weiter vorangebracht und uns substanzielle neue Aufträge in den strategisch wichtigen Feldern der Zukunftstechnologien gesichert“, fügt er hinzu. Wichtige Zukunftsfelder sind für den Konzern nicht zuletzt die Elektromobilität und das autonome Fahren.
Vor allem im Bereich E-Mobilität ist das Stiftungsunternehmen erfolgreich. Bis Ende vergangenen Jahres konnten Aufträge in diesem Bereich im Umfang von 14 Milliarden Euro für die nächsten Jahre verbucht werden. Und dieser positive Trend habe sich in den ersten Monaten dieses Jahres mit weiteren neuen Aufträgen fortgesetzt, so Scheider. „Wir sind gut positioniert, um unseren Kunden das gesamte Spektrum der E-Mobilität aus einer Hand für alle Mobilitätsanwendungen anzubieten,“ sagt er. Ziel sei in diesem Bereich Marktführer in Europa zu werden.
Windkraft-Antriebstechnik floriert
Positive Worte fand der ZF-Chef auch für den Technologiekonzern Wabco, der seit Mai 2020 zu ZF gehört. Scheider sprach ins diesem Zusammenhang von einem „perfect Match“, also einem perfekten Spiel. „Wir haben erste gemeinsame Projekte entwickelt und in Kundenaufträge umgesetzt. Und: Von der Zusammenarbeit profitieren wir bereits jetzt bei Produkten, neuen Aufträgen und auch finanziell.“
Und nicht zuletzt hat sich auch Geschäft mit Windkraft-Antriebstechnik positiv entwickelt. Der Umsatz dieses Geschäftsbereichs habe sich seit 2013 von etwa 230 Millionen Euro auf erstmals eine Milliarde Euro im vergangenen Jahr vervierfacht.
Die Zahl der Mitarbeiter ist auf gut 153 500 gestiegen. Das liegt aber ausschließlich an der Wabco-Übernahme (12 000 Mitarbeiter). Rechnet man sie heraus, sank die Zahl weltweit um 6450. An den deutschen Standorten haben 2000 Beschäftigte über Abfindungen sowie Altersprogrammen das Unternehmen verlassen.
Positiv gestimmt
Für das laufende Jahr ist Scheider durchaus positiv gestimmt. Er erwartet einen Umsatz zwischen 37 und 39 Milliarden Euro. Die bereinigte Ebit-Marge – also das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Steuern im Verhältnis zum Umsatz – soll wieder auf 4,5 bis 5,5 Prozent steigen. Im vergangenen Jahr hat diese Kennziffer bei 3,2 Prozent gelegen.