Die Gauselfingerin Anna Schmidt schrieb sechs Bücher. Zumeist über Heimatgeschichte. Heute feiert sie im Kreise ihrer Kinder und Enkel ihren 90. Geburtstag.
„Ich habe ja mal gedacht, ich geh weiß Gott wohin. Aber ich bin hier geboren, habe hier geheiratet und gebaut“, sagt die Burladingerin Anna Schmidt lächelnd im Gespräch mit unserer Redaktion.
Dabei ist es ja nicht so, dass sie nie weg gewesen wäre. Nach ihrer Ausbildung in der Burladinger Firma Anton Sauter und einer Anstellung in der Gauselfinger Jercoma-Fabrik, in der heute das WIR-Projekt etabliert ist, zog es sie nach Mittelfranken.
„Ich habe da Arbeit gesucht und mir ein Zimmer genommen“, erzählt sie im Rückblick. Bei einem Maitanz lernte sie dann dort Lorenz Schmidt kennen – und lieben. Just zu diesem Zeitpunkt meldete sich der Chef der Firma Jercoma aus Gauselfingen wieder bei ihr, wollte sie zurückholen. Sie zögerte, argumentierte mit der frischen Beziehung, die gerade erst im Aufblühen war. Und dann geschah etwas, was ungewöhnlich war für die 50-er Jahre. Lorenz Schmidt sagte: „Ich gehe mit“, und folgte seiner Freundin auf die Schwäbische Alb.
Mit der Rente kam die Autorinnenkarriere
Die zwei heirateten, bekamen drei Kinder, bauten im wegen der brummenden Textilindustrie belebten Ort Gauselfingen ihr Haus. Anna Schmidt blieb berufstätig bis der Rentenbescheid kam. Da war sie 60 Jahre alt.
„Rente? Ich war doch gerade so schön in Schwung“, erinnert sie sich im Rückblick und dass sie sich hinsetzte und anfing, ein Buch zu schreiben. Ihr Erstlingswerk ist eine Erzählung und heißt „Und trotzdem scheint die Sonne – Mein Vater und ich“.
Fünf weitere Bücher folgten und in allen geht es um Heimatgeschichte, das Leben auf dem Land, dörfliche Verbundenheit und Miteinander. Teilweise auch um ein Stück eigene Familiengeschichte, so wie in dem Buch „Die Landhebamme“, in dem sie das Schicksal dreier Frauen und verschiedener Generationen erzählt.
„Er hat mir das gegönnt“
Ihr Mann Lorenz habe sie beim Schreiben immer unterstützt. „Er hat mir das gegönnt“, sagt sie und erzählt davon wie es war, wenn beide unterwegs waren zu Lesungen, die Anna Schmidt bei Volkshochschulen, in Buchhandlungen, Büchereien oder Gaststätten hatte und wie sie sich darüber freute, mit einem kleinen Salär aus diesen öffentlichen Lesungen weiter zum Familieneinkommen beitragen zu können.
Dann erkrankte ihr Mann, sie pflegte ihn bis er starb. Beide hatten zuvor schon den erstgeborenen Sohn beerdigen müssen, der nur 57 Jahre alt wurde. „Nachdem mein Mann tot war, hat das Schreiben und auch die Lesereisen keinen Spaß mehr gemacht“, gibt sie offen zu. Trotzdem verfasste sie, mittlerweile 73 Jahre alt, noch ein letztes, ihr vielleicht persönlichstes Buch.
„Liebe im Alter – Liebe kennt keine (Alters)grenzen“, heißt es. Darin beschreibt Anna Schmidt wie es war und ist, in reiferen Jahren noch einmal eine Beziehung einzugehen und lässt auch nicht unerwähnt, wie im Dorf dann getuschelt wird, über den „Neuen“ an ihrer Seite mit dem sie noch einmal Zweisamkeit und Glück erleben konnte.
Heute sind es vor allem die fünf Enkel und die beiden Töchter, die für Anna Schmidt ein Quell der Freude sind. „Einer ist besser als der andere“, sagt sie über ihre Großkinder. Und sie betont, wie froh sie über das enge Verhältnis zur Tochter Evelyne ist, ohne deren regelmäßige Besuche sie nicht mehr allein in ihrem Haus wohnen könnte. Heute feiert sie im Kreise ihrer Familie und engsten Freunde ihren 90. Geburtstag.