Elke Ottensmann mit ihrem neuen Buch „Winterduft auf dem Schwarzwaldhof“ Foto: Frank Glade

Elke Ottensmann hat während den Recherchen für ihr neues Buch „Winterduft auf dem Schwarzwaldhof“ mit Zeitzeugen rund um Alpirsbach gesprochen.

Die Schriftstellerin Elke Ottensmann, Jahrgang 1968, ist in Alpirsbach geboren und aufgewachsen. Am Freudenstädter Wirtschaftsgymnasium erwarb sie das Abitur. Nach einer Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und Berufstätigkeit sowie jahrelangem Aufenthalt in den USA hat sie mit ihrer Familie in der Nähe von Kaiserslautern eine neue Heimat gefunden. Ihre Leidenschaft gehört wesentlich dem Bücherschreiben. Unsere Redaktion befragte sie zu ihrem neuen Werk, dessen Handlung im Schwarzwald angesiedelt ist.

 

Frau Ottensmann, bis dato haben Sie sieben Bücher auf den Markt gebracht. Wer oder was setzte die Initialzündung für Ihre literarische Arbeit?

Schon als Kind habe ich gerne gelesen und geschrieben, sodass ich im Laufe der Jahre in die literarische Arbeit immer mehr hineingewachsen bin. Bevor mein erstes Buch 2012 erschien, hatte ich für Zeitschriften wie Family oder Lebenslauf bereits einige Artikel geschrieben, was letztendlich die Tür für ein größeres Werk öffnete. Die literarische Arbeit ist ja ein unentwegter Prozess. Man entwickelt seinen Schreibstil weiter, knüpft Kontakte zu Verlagen und darf vor allem nicht gleich aufgeben, wenn ein Manuskript abgelehnt wird. Vor dem ersten Buch hatte ich 2011 aber tatsächlich so etwas wie eine Initialzündung, und zwar in Form eines Gedankens. Es waren fünf Worte, die mich nicht mehr losließen: Du sollst ein Buch schreiben. Mehr nicht. Ich hatte keine Ahnung, warum oder worüber. Und wie überhaupt einen Verlag finden? Im Oktober desselben Jahres fuhr ich zur Buchmesse nach Frankfurt, ging zum Stand des Hänssler Verlags und sprach den Verlagsleiter an, ohne einen Termin zu haben. Er riet mir, ein paar meiner bereits verfassten Artikel als Schriftprobe ins Lektorat zu senden, woraufhin ich kurze Zeit später zum Gespräch nach Holzgerlingen eingeladen wurde. Die Cheflektorin fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch über meine Familie zu schreiben. Daraus wurde „Aus Omas Nähkästchen und Opas Geigenkasten“ – mit bisher sieben Auflagen und etwa 10 000 verkauften Exemplaren.

Was beschäftigt Sie neben dem Schreiben?

Meine Familie, drei Katzen, Haus und Garten und die Musik. Mit Freude gebe ich Geigenunterricht und spiele Tenorflöte in einem großen Ensemble in Kaiserslautern. Außerdem liebe ich es, in der Natur zu sein, und mache so oft wie möglich Nordic Walking.

Sie sind privat mit der Familie und beruflich in der Welt unterwegs gewesen, aber vor zwei Dutzend Jahren sind Sie in der Nähe von Kaiserslautern sesshaft geworden. Was verbindet Sie noch immer mit Alpirsbach und Freudenstadt, wo Sie aufgewachsen sind und das Abitur erworben haben?

Ich verspüre in mir ein tief verwurzeltes Heimatgefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt. Vor allem sind es die Menschen, die ich noch kenne, und dass ich jederzeit in mein Elternhaus zurückkehren kann, wo mein Vater noch lebt. Wie eh und je wohnen auch meine Tante und mein Onkel noch in derselben Straße, auch ist mit einigen in Alpirsbach gebliebenen Schulfreundinnen der Kontakt nie abgerissen. Schön ist es auch, nach so vielen Jahren von Menschen erkannt zu werden, mit denen ich kaum oder keinen Kontakt mehr habe. So verbindet mich eine Mischung aus Erinnerung und Gegenwart, die mich empfängt, sobald ich aus dem Auto steige und den herrlichen Schwarzwaldduft einatme, und die zum Glück mitkommt, wenn ich mich wieder verabschieden muss.

Die Titel Ihrer Bücher, größtenteils erschienen in einem christlichen Verlag, offenbaren eine starke Nähe der Figuren zur jeweiligen Familie. Was bedeuten Ihnen beispielsweise die wiederholt thematisierten Großeltern?

Die Titel sind tatsächlich eng mit der Familie verknüpft, so auch „Aus Omas Handtasche und Opas Federhalter“. Die Handtasche meiner Oma gibt es noch heute. Wie einen Schatz hütete sie darin die Feldpost ihres ältesten Sohnes, nachdem er aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr heimkehrte. Dazu die Tagebücher meines Opas, und ich hatte Stoff für ein ganzes Buch. Während des Schreibens und Recherchierens bewegte mich aber nicht nur das persönliche Schicksal meiner Großeltern und ihrer vier Söhne (von denen der jüngste mein Vater ist), sondern auch das Bewusstsein, dass eigentlich ihre Geschichte stellvertretend für unzählige andere Menschen steht. Krieg, Vertreibung, Neuanfang in einer fremden Heimat: Millionen von Menschen mussten dies erleiden, und müssen es ja heute immer noch. Besonders bedeutungsvoll für mich bei alledem ist jedoch, wie meine Großeltern damit umgegangen sind. Selbst in tiefster Not und Lebensgefahr vertrauten sie auf Gott und durften wahre Wunder erleben.

Ihr neuestes Buch, dieser Tage erschienen, trägt den Titel „Winterduft auf dem Schwarzwaldhof“. Das klingt idyllisch mit einer gewissen Nähe zur Trivialliteratur. Aber die Handlung macht schnell deutlich, dass sich dahinter eine tragische Familiengeschichte verbirgt. Realität oder Fiktion?

Tatsächlich beides. Schwarzwaldhof, Familie und Handlung sind fiktiv, jedoch mit vielen wahren Begebenheiten durchwoben. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: Gegenwart und 1940er-Jahre. Für die Rückblenden in die Kriegsjahre habe ich mit Zeitzeugen auf Höfen bei Alpirsbach gesprochen und konnte dadurch spannende, historische Begebenheiten im Roman mit einfließen lassen, die man so in keinem Geschichtsbuch findet. Persönlich, authentisch und bewegend. Ebenso ist im Roman die Gegenwart mit vielen Wahrheiten gespickt. Manches habe ich selbst erlebt, wie zum Beispiel den „bösen Nachbarn“, der sich vor meinen Augen verwandelte, als ich ihm freundlich begegnete. Aber auch Themen wie Generationskonflikte, Schuld und Vergebung, Verzweiflung und Hoffnung, die Sehnsucht nach Frieden und Glück sind mit eingeflochten.

Bei der Lektüre fällt Ihr warmherziger Erzählstil auf, der darüber hinaus einen routinierten Umgang mit der Sprache sichtbar macht. Gibt es für Sie in dieser Hinsicht literarische Wegbereiter?

Der warmherzige Erzählstil kommt bei mir aus tiefstem Herzen. So bin ich einfach. Der Umgang mit der Sprache hingegen ist ein beständiger Lernprozess, mit dem ich mich seit vielen Jahren beschäftige. Ich bedaure es, dass viele schöne alte Wörter und Redewendungen aussterben, und freue mich, dass meine älteren Protagonisten im Roman sich dieses Wortschatzes hin und wieder bedienen dürfen. Um mich beim Schreibstil weiterzuentwickeln, habe ich selbst viele Romane gelesen, mit der Perspektive zu lernen, was ich besser machen kann. Insofern könnte ich unter anderem Rosamunde Pilcher oder die US-Bestseller-Autorin Jan Karon als Wegbereiter bezeichnen. Auch die Lektorin meiner ersten Bücher begleitet mich auf meinem literarischen Weg bis heute, wofür ich ihr sehr dankbar bin.

Denken und Handeln der wichtigsten Figuren sind von unerschütterlichem christlichem Glauben geprägt. Kann man daraus auf Ihre persönliche Überzeugung schließen?

Ja.

Was ist von Ihnen künftig literarisch zu erwarten?

Ich wäre neugierig darauf, wie es auf dem Schwarzwaldhof weitergeht und könnte mir eine Fortsetzung gut vorstellen. Das Konzept dafür liegt bereits in der Schublade.

Das neueste Werk

Das Buch
Elke Ottensmann: Winterduft auf dem Schwarzwaldhof. Concepcion Seidel Muldenhammer 2025. 344 Seiten kartoniert. 16,95 Euro.