Bernd Scharbert hat schon einmal an einem Sammelband zum Thema Zukunftssicherung mitgewirkt. „Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung“ ist sein erstes eigenes Buch. Foto: Lehmann

Jahrzehntelange Erfahrung und konkrete Tipps: Der Oberndorfer Bernd Scharbert hat ein Buch geschrieben, das zeigt, wie Zusammenarbeit über kulturelle Grenzen hinweg gelingen kann.

Auch wenn er quasi in aller Welt zu Hause ist: An der Fasnet zieht es Bernd Scharbert stets in die alte Heimat Oberndorf zurück – mittlerweile übrigens als Zuschauer mit den Enkeln statt als Narr. Kürzlich hat der 67-Jährige der Neckarstadt wieder einen Besuch abgestattet – und etwas da gelassen: sein erstes eigenes Buch.

 

„Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung“, lautet der Titel. Also ein Ratgeber für Geschäftsleute? Nicht nur, sagt Bernd Scharbert im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch wenn in erster Linie Führungskräfte und Mitglieder von internationalen Teams, wie sie mittlerweile nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel seien, angesprochen sind. Dabei steht die Frage „Wie gelingt Führung über Kulturen, Zeitzonen und Sprachgrenzen hinweg?“ im Fokus.

Doch die Rückmeldung einer Bekannten, die als Erzieherin arbeitet und meinte, sie verstehe nun manche Eltern besser, zeige, dass interkulturelle Zusammenarbeit in allen Lebensbereichen eine Rolle spielt. Eine weitere Zielgruppe sind Vielreisende. „Ich möchte insgesamt einfach Lust auf interkulturelle Kompetenz machen“, erklärt Scharbert.

Bei „Prepare for Landing“ handle es sich um ein erzählendes Sachbuch – mit vielen Geschichten, aber auch Handlungsoptionen und konkreten Tipps. Dabei lässt der 67-Jährige seine jahrzehntelange Erfahrung einfließen.

„Kulturschock“ in den USA

Aufgewachsen ist Bernd Scharbert auf dem Lindenhof. Früher verfasste er für den Schwarzwälder Boten Berichte über den SCL. „Geschrieben habe ich also schon immer gern“, erzählt er uns. Nach dem Abitur in Oberndorf studierte Scharbert in Tübingen Chemie und promovierte in Darmstadt.

Ende der 1980er-Jahre zog er für zwei Jahre mit Frau und Kind in die USA, um an der renommierten Harvard University zu forschen – und spürte schnell, welch wichtige Rolle Kulturverständnis spielt.

Beim Erlernen der „ungeschriebenen Regeln“ der US-Amerikaner sei er auch in manches Fettnäpfchen getappt, erzählt er. Etwa als er eine Feier besuchte, bei der er – wie in Deutschland üblich – von einem offenen Ausklang ausging, deren Ende aber tatsächlich klar festgelegt war, so dass die Gastgeber ihn schließlich durch die Blume zum Aufbruch animierten. Auch sei beispielsweise das Hierarchiebewusstsein in den USA stärker ausgebildet, auch wenn man oberflächlich viel lockerer miteinander umgehe.

Erfahrung als Fußballtrainer hilft

Erfahrungen, die Scharbert zeigten, wie wichtig es ist, die kulturellen Gepflogenheiten zu kennen. Später durchlief er vor seinen Auslandsaufenthalten viele Male eine Art „Kulturtraining“.

Zurück in Deutschland, wo er global verantwortlicher Produktionsleiter in einem Chemieunternehmen wurde, kam er dann mit dem Thema internationale Teams in Berührung. „Einen Leitfaden dafür, wie man ein multikulturelles Team leitet, gab es dabei nicht“, erzählt er. Stattdessen habe er sich bei der Teamaufstellung unter anderem Fähigkeiten zunutze gemacht, die er im Rahmen seiner Fußballtrainer-Ausbildung erworben hat.

Von da an sollte kulturelle Arbeit Scharbert weiterhin begleiten. Als Business-Reisender war er über die Jahre in aller Welt unterwegs – von den USA über Europa bis nach Asien – und lebte zeitweise unter anderem in Saudi-Arabien.

Seit einigen Jahren lebt er in Frankfurt und hat sich als Berater und Mentor für Führungskräfte selbstständig gemacht. Außerdem hält er an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen Vorlesungen zu den Themen Wirtschaftsethik und Nachhaltigkeit.

Von Smalltalk bis zum Schaffen von Verbindungen

„Prepare for Landing“ beschäftigt sich nun mit vier Leitlinien: Sprache als Schlüssel, Kultur verstehen, Smalltalk und Storytelling und „ tragende Verbindungen schaffen“ – „letztlich um eine menschliche Art der globalen Führung“. Dazu gehören auch „Hygienethemen“ wie Begrüßungszeremonien beispielsweise, die sich von Land zu Land doch stark unterscheiden können.

Wenn man in Sachen Kulturen sensibilisiert und informiert ist, heißt das aber nicht automatisch, dass man vor Fettnäpfchen gänzlich gefeit ist, erklärt Bernd Scharbert. Missverständnisse könne es immer geben. Was dann wichtig ist? Nachzufragen, sich zu entschuldigen und damit Wertschätzung für sein Gegenüber auszudrücken, sagt er.

Der Oberndorfer ist überzeugt, dass der Austausch in multikulturellen Teams bereichernd ist und der richtige Umgang miteinander die Innovationsfähigkeit positiv beeinflusst.

„Prepare for Landing: Leitlinien für interkulturelle Führung“, erschienen im Verlag Barbara Budrich, ist nicht nur online und in Buchhandlungen erhältlich, sondern auch in der „Papierecke“ auf dem Lindenhof. Als Nächstes möchte Scharbert sein Buch ins Englische übersetzen und damit einer noch größeren Leserschaft zugänglich machen, kündigt er an. Weitere Info über den Autor und sein Buch gibt es unter prepare4landing.blog